Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Der perfekte Tag

Vorarlberg / 15.05.2018 • 17:09 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Als wäre sie einem Werbekatalog entsprungen, schlendert die Hochzeitsgesellschaft am Waldrand entlang. Die Herren aufgeräumt plaudernd vorneweg, Kinder wuseln dazwischen und suchen die weißen Hemden wenigstens ansatzweise zu verwüsten. Die Damen stöckeln mit Abstand. In ihrer Mitte die Braut. Ein Traum in Weiß. Bevorzugtes Motiv der professionellen Fotografin, die alle zwanzig Schritte so viel Leichtigkeit zu immer neuen Szenen drapiert und für die Ewigkeit festhält. 

Auch später am Abend fügt sich die Gesellschaft einer strengen Dramaturgie, von der Brautmutter als einer Art Haushofmeisterin im Detail überwacht. Es ist mehr Inszenierung als Freude. Ein Theaterstück ohne Improvisationsspielraum. Sichtbar teuer. Rund 30.000 Euro lassen sich Brautpaare ihre Hochzeit heutzutage schon mal kosten, damit nichts schiefgeht. Spontaneität sieht die Regie nicht vor. Der Zufall hat Hausverbot. 

Wie oft werden sie diesen perfekten Tag noch Revue passieren lassen? Wo werden sie das große Glück finden? Ob die beiden wohl zusammenbleiben? Dient der perfekte Tag am Ende als Vorbild für den perfekten Alltag? Dann freilich könnte es schwierig werden.

Thomas Matt

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