Feinstaub-Debatte: Vorarlberger Experte spricht von gefährlichem Schadstoff-Cocktail

20.02.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Debatte um Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub und Stickoxyd.

Bregenz Im Herbst des vergangenen Jahres sorgte eine weltweite Studie zu Gesundheitsrisiken von Feinstaub für Schlagzeilen. Zum Einsatz kamen auch Daten aus Vorarlberg, die vom Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) zur Verfügung gestellt wurden. Die von Forschern der kanadischen Gesundheitsbehörde durchgeführte Untersuchung belegte, dass Feinstaub noch schädlicher ist als bisher angenommen. Im Jänner liefen einige deutsche Lungenfachärzte dagegen Sturm und sorgten damit ebenfalls für Debatten. Sie hatten öffentlich den Sinn von Feinstaub- und Stickoxid-Grenzwerten in Zweifel gezogen. Kürzlich entdeckten deutsche Medien einen „Rechenfehler“ in den Ausführungen des Mediziners. Der ruderte daraufhin zwar zurück, bliebt jedoch bei seiner Meinung, laut der die Hunderttausenden von Toten durch Feinstaub und Stickoxyd sowie die daraus verursachten Krankheiten in Europa nicht plausibel sind.

Höhere Sterblichkeit belegt

Für den Vizepräsidenten des aks, Hans Concin, ist es kaum zu fassen, dass einer Minderheit von Lungenfachärzten ohne jede spezifische wissenschaftliche Qualifikation eine so prominente Bühne für ihre Behauptung eingeräumt worden ist. „Über die Argumente von Experten, die sich intensiv mit den Fragestellungen der Luftverschmutzung und ihrer gesundheitlichen Folgen auseinandergesetzt haben, wurde dagegen vergleichsweise bescheiden und unvollständig berichtet“, ärgert sich Concin. Selbst angesehene Magazine hätten nicht von der 2018 publizierten und bedeutendsten Studie berichtet, bei der neben Vorarlberg noch 40 weitere Regionen auf der ganzen Welt zusammengeführt und die Ergebnisse verglichen wurden. „Von Vorarlberg bis Ozeanien, von Kanada bis Indien und China konnten Gesundheitsschäden und eine höhere Sterblichkeit durch Feinstaub nachgewiesen werden“, betont Hans Concin mit Nachdruck.

Neu waren diese Erkenntnisse nicht. Dass die kleineren Partikel (PM2,5) wesentlich gefährlicher sind als die großen (PM10), überraschte aber dann doch. Auch die Sterblichkeit erwies sich um 30 Prozent höher als in früheren Berechnungen. „Außerdem beginnt die Gesundheitsschädigung schon bei niedrigen Feinstaubwerten“, führt Concin aus. Demnach steigt die Sterblichkeit breits ab fünf tausendstel Gramm pro Kubikmeter. Zum Vergleich: Der europäische Grenzwert liegt bei 25 tausendstel Gramm pro Kubikmeter. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für die kleinen Partikel einen Grenzwert von 10 tausendstel Gramm pro Kubikmeter.

Negatives Zusammenspiel

Der Vorsorgemediziner weist darauf hin, dass neben Feinstaub und Stickoxyden noch viele andere Schadstoffe ungünstige Wirkungen haben und nennt als Beispiele Schwefeldioxyd, Ammoniak und Ozon. „Es ist der Gesamtcocktail, der das Risiko ausmacht.“ Besonders deutlich werde das negative Zusammenspiel von Schadstoffen bei der Entstehung von Allergien. „In reiner Luft hätten wir etwa mit Pollenallergien viel weniger Probleme“, sagt Concin. Erst die Verbindung der Pollen mit Luftschadstoffen mache relativ harmlose natürliche Allergene hoch reaktiv und immer häufiger zu einer Gesundheitsbedrohung.