Menschen, die bewegen: Der Vorarlberger Buddhist Helmut Gassner ist die Stimme des Dalai Lama

Vorarlberg / 03.03.2019 • 12:30 Uhr
Menschen, die bewegen: Der Vorarlberger Buddhist Helmut Gassner ist die Stimme des Dalai Lama

Der Vorarlberger Buddhist Helmut Gassner übersetzte für den Dalai Lama.

Frastanz „Etwas zu essen, ein Dach über dem Kopf und ein paar Kleider.“ Helmut Gassner braucht nicht viel zum Leben. Er ist buddhistischer Mönch und administrativer Leiter des Klosters Letzehof in Frastanz. Beinahe 20 Jahre lang war der gebürtige Bregenzer außerdem Dolmetscher des Dalai Lama im deutschsprachigen Raum.

Auch wenn er nicht mehr mit dem Dalai Lama reist, ist Gassner viel unterwegs. Er hält Vorträge über den Buddhismus und gibt Einführungen in die spirituelle Praxis, zum Beispiel in die Meditation. „Nichts zu denken führt nirgendwo hin“, sagt Helmut Gassner. „Manche Leute meinen, Meditation bedeutet, frei von Gedanken zu sein. Doch darum geht es nicht. Meditation heißt, den Geist zu trainieren und ihn an die richtigen Auffassungen zu gewöhnen.“

„Die richtigen Auffassungen“ sind für Helmut Gassner in den buddhistischen Lehren zu finden. Die Religion gibt ihm Antworten auf wesentliche Fragen des Lebens.

„Was passiert nach dem Tod? Wie findet der Prozess des Sterbens statt? Die Wissenschaft liefert hierzu keine Erkenntnisse“, sagt er. „Gerade die Vergänglichkeit unseres Daseins sollten wir uns täglich aufs Neue bewusst machen“, ist er überzeugt, „dadurch können wir gelassener mit Herausforderungen im Leben umgehen.“

Erklärungen für Leben und Sterben

Helmut Gassner suchte schon als junger Mensch Erklärungen für das Leben und Sterben und die Funktionsweise unserer Welt. „Ich wollte die Gesetze der Natur in Verbindung mit Technik besser verstehen.“ Aus diesem Grund studierte er Elektrotechnik an der ETH in Zürich.

Während dieser Zeit begegnete er dem tibetischen Meister Gesche Rabten, seinem späteren buddhistischen Lehrer. Gassner war fasziniert von dessen Ausstrahlung und seinen Vorträgen über den Buddhismus. „Es gab keine Aufforderung, zu glauben. Das war für mich als Techniker sehr überzeugend“, erklärt Gassner. Nachfragen sei indessen immer erwünscht gewesen. Auf jede Frage erhielt er eine Antwort, die ihn überzeugte. Er entschied sich, die buddhistischen Lehren zu studieren und tibetisch zu lernen. „Ich war 22, hatte ein abgeschlossenes Studium in der Tasche und dachte mir, ich habe noch Zeit Anderes auszuprobieren“, erinnert sich der mittlerweile 64-Jährige. Aus dem Ausprobieren wurde eine Haltung fürs Leben.

Treffen mit dem Dalai Lama

Über seinen Meister Gesche Rabten lernte Helmut Gassner den Dalai Lama kennen und wurde sein Dolmetscher. „Eine gewisse Dreistigkeit meinerseits brachte mich zu dieser Ehre“, sagt er. Es hätte auch zahlreiche Exil-Tibeter gegeben, die für den Dalai Lama auf Deutsch übersetzen hätten können. „Doch die meisten lehnten aus Respekt ab. Sie hatten Angst, nicht gut genug zu sein. Ich habe es gewagt.“

Die Aufgabe als Dolmetscher war anspruchsvoll. „Es kam vor, dass Seine Heiligkeit zehn Minuten lang ohne Unterbrechung gesprochen hat.“ Das alles zu übersetzen sei schwierig gewesen. Als der Dalai Lama begann, auch politische Reden zu halten, beendete Gassner seine Übersetzertätigkeit. „Mit Politik möchte ich nichts zu tun haben“, betont er.

Letzehof als Lebensmittelpunkt

Helmut Gassners Lebensmittelpunkt ist das Kloster Letzehof in Frastanz. Den ehemaligen Gutshof hat er geerbt und auf dem Gelände 1981 ein buddhistisches Kloster gegründet. Dort lebt Gassner zusammen mit 15 anderen Mönchen. Zusätzlich beherbergt der Letzehof regelmäßig Gäste, die zu Fortbildungen kommen oder am Klosterleben teilnehmen. Besucher sind immer willkommen. Wer den Koch rechtzeitig informiert, kann sogar gemeinsam mit den Mönchen Mittag essen.

Am 6. März lädt Helmut Gassner zu einem Meditationsunterricht um 20 Uhr ins Kloster.

Den Text hat Lore Trotzmüller verfasst.