Security-Mitarbeiter zeigen 296 Besucher des Bregenzer Naturschutzgebiets an

Vorarlberg / 06.03.2019 • 13:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Natura-2000-Zone ist eine große Fläche ohne Zäune, die weitgehend zur Erholung genutzt werden kann.
Die Natura-2000-Zone ist eine große Fläche ohne Zäune, die weitgehend zur Erholung genutzt werden kann.

Security-Mitarbeiter hielten im vergangenen Jahr 700 „Beratungsgespräche“.

Bregenz Fast 28 Jahre ist es her, dass das Bregenzer Seeufer und der Mündungsbereich der Bregenzerach zum Naturschutzgebiet erklärt wurden. Das 120 Hektar große Naturschutzgebiet im Naherholungsgebiet am Mehrerauer Seeufer ist eine Fläche mit außergewöhnlicher Pflanzen- und Tierwelt. Flachwasserbereiche, Röhrichte, Streuwiesen und Auwälder sind sensible und unverzichtbare Lebensräume für die gefährdeten Arten.

Zum Schutz der Natur

Zum Schutz der Natur ist es daher verboten, Pflanzen zu entfernen, Schilfflächen und Streuwiesen zu betreten, außerhalb gekennzeichneter Wege zu gehen, zu campieren und auf den Kiesstränden außerhalb der vorgesehenen Zeiten zu lagern, Hunde frei laufen zu lassen, zu  lärmen und laute technische Geräte zu betreiben, Feuer darf nur an den dafür vorgesehenen Stellen entzündet werden.
Vertrauen ist gut, Kontrolle noch besser. Getreu diesem Motto haben Stadt und Land das Natura-2000-Schutzgebiet am See und an der Achmündung auch 2018 von Securitys der Firma Lingg überwachen lassen. Von Anfang Mai bis Mitte Oktober kamen dabei 766 Einsatzstunden zusammen. Nicht zuletzt wegen des ungewöhnlich schönen Wetters im letzten Sommer, erreichten die dabei erfolgten Beanstandungen mit fast 300 Anzeigen den zweithöchsten Wert, der jemals registriert wurde.

Schwerpunkt der Kontrollen sind aber keineswegs Strafen, sondern die Aufklärung und Bewusstseinsbildung der Besucher. Das belegen die rund 700 Beratungsgespräche. Die Natura-2000-Zone ist eine große Fläche ohne Zäune, die weitgehend zur Erholung genutzt werden kann. Damit das klappt, müssen Gäste aber die Verhaltensregeln unbedingt beachten.

Betretungsverbote, Feuerstellen

Leider gibt es aber auch Unbelehrbare, die unbedingt auf eine Strafverfügung durch die Bezirkshauptmannschaft bestehen, daraus resultierten die 296 Anzeigen. Hauptsächlich ging es dabei um die Missachtung von Betretungsverboten (41 Prozent), unerlaubte Feuerstellen (38 Prozent), Verstöße gegen den Leinenzwang für Hunde (12 Prozent) und ähnliche Delikte. Wie wichtig eine entsprechende Überwachung des Freizeitverhaltens wirklich ist, zeigt sich immer wieder. So etwa wurde ein im Herbst 2017 östlich der Liegewiese angepflanzter Horst der gefährdeten Strandschmiele durch ein Lagerfeuer zerstört.

1991 begannen die fortlaufenden Beobachtungen der Fauna und Flora, und die Bilder, die dieses systematische Monitoring seither lieferte, könnten nicht unterschiedlicher sein.
Die Population der bedeutendsten Pflanze in dem Gebiet, des Bodenseevergissmeinnichts, schwankte bereits von rund 200.000 Exemplaren 2007 bis gerade einmal 6000 im Vorjahr. 2018 wurde also der geringste Bestand seit 16 Jahren ermittelt. Schuld daran war die vollständige Überflutung der Kiesufer durch Hochwasser im Jänner 2018. Das hat sich auf die gesamte Vegetation des Strandrasens negativ ausgewirkt. Trotz dieser starken Reduktion blicken die Fachleute optimistisch in die Zukunft. Sie betrachten das Bodenseevergissmeinnicht als „gesichert“.

Akut vom Aussterben bedroht

Viel besorgniserregender ist die Entwicklung der Strandschmiele. Sie ist tatsächlich akut vom Aussterben bedroht und wäre vermutlich ohne die gezielten Auspflanzungen durch die Stadtgärtnerei im Rahmen eines grenzüberschreitenden Forschungsprojektes der ARGE Bodenseeufer bereits verschwunden. Darüber hinaus gibt es dort noch viele andere Pflanzenarten wie Strandling, Uferhahnenfuß, Alpenbinse, Kriechendes Straußgras etc. Auch ihre Entwicklung wird genau beobachtet und dokumentiert. Und freilich wurde auch 2018 wieder die Tierwelt unter die Lupe genommen. Besonderes Augenmerk lag dabei, wie schon in den Jahren zuvor, erneut auf den Dutzenden Vogelarten, die im Naturschutzgebiet ihre Brutstätten haben.
Erst vor Kurzem hat der Stadtrat die Fortsetzung des Monitorings durch das Bregenzer Umweltbüro Grabher beschlossen. Es kostet auch 2019 wieder 10.000 Euro, wobei sich das Land zur Hälfte an den Kosten beteiligt. Markus Grabher wird heuer neben seinen üblichen Analysen erstmals auch Aktivitäten von Bibern im Mündungsdelta der Bregenzerach erfassen.

Fischereiaufsicht

Auch die staatliche Fischereiaufsicht führt jedes Jahr am Seeufer Kontrollgänge durch. 2018 waren die Organe an 64 Tagen unterwegs, um die zeitlich befristeten Fischereiverbote – insbesondere das unerlaubte Angelfischen vom Ufer aus – zu überprüfen. Das Positive: Gegenüber dem Jahr davor halbierten sich die Beanstandungen sogar. So musste das eingesetzte Aufsichtspersonal im Juni, Juli und August nur mehr acht Abmahnungen bzw. Anzeigen pro Monat durchführen. fst