Rhesi ist jetzt in Dornbirn unter Dach

Vorarlberg / 13.03.2019 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Rhein fließt mitten durch Dornbirn - in einer ehemaligen Industriehalle als nachgebautes Modell. Foto: VN/Hartinger
Der Rhein fließt mitten durch Dornbirn – in einer ehemaligen Industriehalle als nachgebautes Modell. Foto: VN/Hartinger

Modellbau des Rheins zum genauen Studium des Hochwasserschutzprojektes in einer Riesenhalle.

Dornbirn Es gibt nichts Gutes außer man tut es: An dieses Sprichwort halten sich wohl die Verantwortlichen des Hochwasserschutzprojektes Rhein-Erholung-Sicherheit (Rhesi). Um das Mega-Bauvorhaben so naturgetreu wie nur möglich studieren zu können, haben sie ein großdimensioniertes Modell eines neuralgischen Rheinabschnitts im geplanten Bauabschnitt maßstabgetreu errichtet. Untergebracht ist das 100 Meter lange Schaustück mit wissenschaftlichem Anspruch in einer ehemaligen Produktionshalle der Firma FM Hämmerle in Dornbirn.

Imposante Konstruktion

Wissenschaftlicher Begleiter des Projekts ist die ETH Zürich mit Professor Robert Boes von der Versuchsanstalt für Wasserbau und Hydrologie. Involviert sind auch die Fachhochschule Vorarlberg, die Technische Universität Wien und natürlich die Experten der Gemeinsamen Rheinkommission. „Die Rahmenbedingungen zur Nachstellung von echten Verhältnissen am Rhein sind hier sehr gut“, versichert Boes.

Was sich dem Betrachter in der ehemaligen Industriehalle bietet, ist in der Tat imposant. Da wurde auf 100 Metern das Rheingerinne von Widnau/Lustenau bis zum Fußacher Durchstich im Maßstab 1:50 nachgebaut. Ein riesiger Wassertank mit 500.000 Liter Wasser im Keller der stillgelegten Halle beliefert das künstliche Gerinne in einem Kreislauf mit Wasser. Dabei können verschiedenste Hochwassersituationen simuliert werden. Als das Wasser tatsächlich zu fließen begann, staunten die anwesenden Vertreter von Politik und Medien aus der Schweiz und Österreich nicht schlecht.

Wallner fordert Umsetzung

„Das ist echt cool“, bemühte Landeshauptmann Markus Wallner ob seiner Begeisterung eine jugendliche Modefloskel. „Mit diesem Modell kommen wir von der Rhesi-Theorie in die Rhesi-Praxis und können der Bevölkerung anschaulich darstellen, was Rhesi wirklich ist“, so Wallner weiter. Als er anlässlich eines Besuchs in Sachen Rhesi an der ETH Zürich von der Notwendigkeit eines naturechten Modells gehört habe, sei ihm die Idee bekommen, für ein solches Modell eine Halle in Vorarlberg zu suchen. „Jetzt haben wir eine der drei größten Versuchshallen dieser Art auf der ganzen Welt“, freut sich Wallner, der Rhesi nun konsequent umgesetzt haben möchte.

Szenarien nachgestellt

t„Diese Anlage dient zwei Hauptzwecken. Zum einen wollen wir mit den nachgestellten Szenarien unsere Berechnungen überprüfen. Es geht dabei vor allem um die errechneten Veränderungen im Abflussverhalten sowie um die Tiefe der Flusssohle.  Zum anderen suchen wir durch die gewonnenen Erkenntnisse natürlich auch nach Einsparungspotenzial“, verdeutlicht Rhesi-Projektleiter Markus Mähr.

Wir suchen duch die gewonnenen Erkenntnisse natürlich auch Einsparungspotenzial.

Markus Mähr, Projektleiter Rhesi

Die Anlage in der adaptierten Industriehalle wird mehrfach umgebaut. Derzeit ist der Ist-Zustand des Rheins zwischen Widnau/Lustenau und dem Fußacher Durchstich nachgebaut, später wird das Modell zur aufgeweiteten Rhesi-Variante verändert. Dasselbe geschieht in weiteren Forschungsschritten mit dem Abschnitt bei Koblach. „Wir haben bewusst den schmalsten Abschnitt bei Lustenau und den breitesten Abschnitt bei Koblach ausgesucht“, erläutert Rheinbauleiter Matthias Speckle.

Die Rhesi-Halle und ihre Modelle stehen am 15. Juni der Bevölkerung zur Besichtigung zur Verfügung. Für die Entwicklung des Rhesi-Projekts ist der Zeitplan festgelegt: Ende kommenden Jahres soll der Staatsvertrag zwischen Österreich und der Schweiz ausverhandelt sein, 2021 geht’s ins Verfahren, der Baubeginn ist für 2024 vorgesehen.

Modellhalle Rhesi

Hallengröße: 4700 m2

Modelllänge: 100 Meter

Breite: 10 Meter

Modellmassstab: 1:50

Modellwasserkreislauf: 500.000 Liter Wasser

Modellversuche: von Frühjahr 2019 bis Sommer 2022

Tag der offenen Tür: 15. Juni 2019