Wie Tiertransporten der Kampf angesagt wird

Vorarlberg / 22.03.2019 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aileen Batlogg (l.) und Jasmin Egender mit ihrem Kalb Basti. VN/Ger

Grüne fordern einen Schlachthof, in Deutschland werden Transporte in Drittstaaten untersagt.

Die 18-jährige Jasmin Egender aus Au und die 17-jährige Aileen Batlogg aus Dornbirn ärgern sich schon lange über Kälbertransporte. Die beiden Landwirtschaftsschülerinnen haben sich deshalb im Rahmen einer Projektarbeit etwas überlegt. Sie haben sich ein Kalb zugelegt und wollen zeigen, wie es regional verwertet werden kann. Nicht nur die beiden Schülerinnen beschäftigen sich mit Tiertransporten und deren Auswirkungen. Ganz Europa diskutiert darüber. In Vorarlberg sind die Grünen nun mit der Forderung nach einem neuen Schlachthof vorgeprescht.

Deutschlands Tiertransportszene ist derzeit in Aufruhr. Ein Fachartikel über Kälbertransporte kam zum Schluss, dass abfertigende Amtstierärzte für Tierleid in Drittstaaten verantwortlich gemacht werden könnten. Sie hätten zu prüfen, ob europäische Tierschutzstandards eingehalten werden. Amtstierärzte in mehreren deutschen Bundesländern haben deshalb aufgehört, Transporte in Drittstaaten abzuwickeln. In Schleswig-Holstein untersagte der Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht für einen Monat Transporte in Drittstaaten. Auch in Österreich wird diese Diskussion geführt. Vorarlbergs Amtstierärzte sind sich da einig: Sie möchten Transporte in Drittstaaten, wie sie von Vorarlberg aus nur aus Zuchtgründen geschehen, völlig unterbinden. Ihre Handhabe ist allerdings begrenzt, denn diese werden in Niederösterreich gesammelt und abgewickelt.

Anders sieht es bei den viel diskutierten Kälbertransporten nach Bozen aus. Neun von elf Vorarlberger Amtstierärzten weigern sich, diese Transporte abzufertigen. Wie aus einer Anfragebeantwortung an die SPÖ kürzlich hervorging (die VN berichteten), wurden im Vorjahr 2697 Kälber nach Bozen transportiert. Insgesamt sind 5934 Kälber exportiert worden. Gleichzeitig hat das Programm „Ländle Rind“ 832 Rinder im Land vermarktet, wovon 379 Tiere in Vorarlberg geboren wurden. Damit ein Rind als „Ländle Rind“ vermarktet werden kann, muss es mindestens sechs Monate im Land gelebt und hier geschlachtet werden. Im Schnitt verbringt ein „Ländle Rind“ zwei Drittel seiner Lebenszeit in Vorarlberg.

Gläserner Schlachthof

Geht es nach den Grünen, soll mit dem Schlachthof jedes Kalb, das in Vorarlberg geboren wird, zum Ländle-Tier werden. Landtagsabgeordneter Daniel Zadra und EU-Wahl-Kandidat und Biobauer Simon Vetter stellen sich einen Schlachthof mit Verarbeitungsbetrieb, Vermarktung und Bildungsauftrag vor. „Ein moderner, visionärer Schlachthof ist für uns Landwirte und für Vorarlberg eine Chance“, ist Vetter überzeugt. Von dort soll direkt an Gastronomie und Konsumenten geliefert werden. Die FPÖ ist erfreut über den Vorschlag, wie Klubobmann Daniel Allgäuer betont: „Er kommt ziemlich genau ein Jahr nachdem wir auf die Bedeutung eines regionalen Schlacht- und Verarbeitungszentrums hingewiesen haben.“ Anders die ÖVP. Deren Abgeordneter Bernhard Feuerstein richtet Zadra aus: „Wenn Grünpolitiker träumen, dann muss das nichts mit der Realität zu tun haben.“ Schon heute sei der Schlachthof in Dornbirn nicht ausgelastet. SPÖ-Chef Martin Staudinger wiederum erinnert daran, dass mobiles Schlachten immer noch nicht erlaubt worden ist. „Mit dieser Variante wird der Tiertransport obsolet“, erklärt Staudinger.

Exakt vergleichen lässt sich die Diskussion in Deutschland und Vorarlberg nicht. Beim Nachbarn sind Kälbertransporte ins Ausland kein Thema, Transporte in Drittländer hingegen schon. Das bayrische Umweltministerium hat mittlerweile eine Liste mit 17 Staaten veröffentlicht, deren Tierschutzstandards als problematisch gelten. Kann die Einhaltung nicht lückenlos nachgewiesen werden, sind Transporte verboten. Unter anderem auf der Liste: Usbekistan. Das ist jenes Land, in das auch Zuchttiere aus Vorarlberg immer wieder verkauft werden.