Anja Sieghartsleitner bringt Insekten auf die Vorarlberger Teller

Die 32-jährige Sulnerin plant die ersten Insekten-Workshops im Land.
Lustenau Er sieht er aus wie viele andere Smoothies auch. In der Nase und am Gaumen sind ebenfalls keine ungewöhnlichen Noten zu erkennen. Anja Sieghartsleitner hat für den fruchtigen Aperitif allerdings nicht nur Erdbeeren, Bananen, Haferflocken und Nüsse vermixt, sondern auch eine tierische Spezialzutat. „Der Eigengeschmack von Buffalowürmern ist eher süßlich“, erläutert sie. „Insekten sind allgemein eher neutral im Geschmack, deshalb kann man sie sehr gut in unterschiedlichste Rezept integrieren, im Süßen wie im Herzhaften.“
Auf die Vielbeiner ist die 32-Jährige während eines Masterstudiengangs in Schottland gekommen. „Ich habe dort ,Food and Drink Innovation“ studiert und meine Masterarbeit zum Thema ,Akzeptanz von Insekten als Lebensmittel in der westlichen Kultur‘ geschrieben”, erzählt die Sulnerin. Das war im Jahr 2017. Seither hat Anja Sieghartsleitner eine “Mission”: “Ich möchte den Menschen zeigen, dass Insekten ein sehr gutes, tolles und wohlschmeckendes Lebensmittel sind und dass es keinen Grund gibt, dass wir sie nicht essen sollten.” Das Start-up “Luculla culinaria – delicious insect food” ist bereits gegründet. Nun soll der nächste Schritt folgen. Um die Küche für die geplanten Workshops finanzieren zu können, lanciert die 32-Jährige kommende Woche eine Crowdfunding-Kampagne bei Startnext.

Heuschrecken auf Salat
Der Smoothie ist mittlerweile ausgetrunken. Als nächster Gang sind Heuschrecken in Teriyaki-Marinade mit einem Soba-Nudel-Salat an der Reihe. “Die Heuschrecken brauchen nur ein, zwei Minuten”, sagt die Start-up-Gründern, während sie die gefriergetrockneten Gliederfüßer in der Pfanne schwenkt. Der Geschmack? Keinesfalls schrecklich. Die Tierchen sind knusprig und schmecken dezent nussig. Ähnlich wie die Grillen, die Anja Sieghartsleitner gemahlen und gemeinsam mit Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie und Tofu zu Burger-Laibchen verarbeitet hat. “Je nachdem, wie man die Grillen würzt, können sie nach Pilzen oder sogar ein bisschen wie Speck schmecken”, verrät die Köchin, die pro Laibchen rund einen Esslöffel Grillenmehl verwendet. Zum Abschluss serviert sie noch einen Brownie, natürlich mit Grillenmehl. “Wenn man den Geschmack von Insekten gut kennt, dann schmeckt man es heraus, aber für jemanden, der es zum ersten Mal probiert, ist es nicht sehr intensiv”, bestätigt die Insektenliebhaberin den Eindruck der Testerin.

Viele Proteine
In Vorarlberg sind Heuschrecken, Grillen, Mehl- und Buffalowürmer seit dem Vorjahr im Lebensmittelhandel erhältlich. Was Insekten als Nahrungsmittel so interessant macht? “Sie enthalten viele hochwertige Proteine, gesunde Fette, Vitamine und Mineralien. Außerdem sind sie sehr nachhaltig, da sie viel weniger Ressourcen verbrauchen als tierische Proteinquellen”, unterstreicht Anja Sieghartsleitner. Mit ihren Workshops möchte sie Berührungsängste abbauen und Menschen ansprechen, die auf Lebensmittel mit hohem Proteingehalt setzen oder sich für nachhaltigen Konsum interessieren. Die Kick-off-Party zum Start der Crowfunding-Kampagne findet am Dienstag an der FH Vorarlberg statt. „Es kann gerne jeder vorbeikommen. Es gibt auch ein paar Sachen zum Probieren”, ergänzt die Sulnerin.