Vom Trend, Müll zu sammeln

Vorarlberg / 24.03.2019 • 18:16 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Bitte den Weg reinhalten“ nimmt Martin Mäser wörtlich und hilft seit 2018 beim #plogging, die Natur sauber zu halten: Beim Joggen oder Wandern wird parallel achtlos weggeworfener Müll gesammelt und ein Foto auf Instagram geladen. Pro Woche sammelt er ca. einen Sack Müll.

„Bitte den Weg reinhalten“ nimmt Martin Mäser wörtlich und hilft seit 2018 beim #plogging, die Natur sauber zu halten: Beim Joggen oder Wandern wird parallel achtlos weggeworfener Müll gesammelt und ein Foto auf Instagram geladen. Pro Woche sammelt er ca. einen Sack Müll.

Mit den Instagram-Challenges #trashtag und #plogging wird Sinnvolles mit Spaß verbunden.

Bettina Maier-Ortner

DORNBIRN Auf Instagram machen immer wieder Challenges (deutsch: Herausforderungen) mit allerlei Lustigem bis Blödsinnigem auf sich aufmerksam. Teilnehmer müssen dabei eine bestimmte Aufgabe erfüllen, sich dabei  fotografieren oder filmen und dies als Beweis auf den Social-Media-Kanälen mit einem „#“ versehen posten. Ein Hype der Hashtag-Challenges, der erfolgreich den spaßigen Gedanken mit dem Sinnvollen verbunden hatte, war im Sommer 2014 die Ice-Bucket-Challenge. Teilnehmer schütteten sich mit Eiswasser gefüllte Kübel über den Kopf, um so Spendengelder für die Erforschung und Bekämpfung der Krankheit ALS zu sammeln.

Unter den Hashtags #trashtag und #plogging versteckt sich im noch jungen Jahr 2019 ein neuer Social-Media-Hype: Die Natur von Müll befreien und ein Vorher-Nachher-Bild posten. Der Dornbirner Martin Mäser (36), Oberarzt am LKH Feldkirch, hat sich seit bereits einem Jahr dem Müllsammeln verschrieben. „Eigentlich hat mich achtlos weggeworfener Müll im Sommer letzten Jahres immer mehr und mehr aufgeregt. Man sollte Gutes tun und darüber sprechen, um andere zu motivieren. Witzig war, auf Instagram zu sehen, wie viele das machen. Und dass es eine Community gibt. So hat ein Teilnehmer einen #plogging-Tag in Bielefeld organisiert, Mini-Beach-Cleaner sind in England unterwegs“, ist er von der Idee begeistert.

Der Kinderarzt findet es unvernünftig, dass Leute Müll achtlos in die Natur entsorgen. „In Deutschland bekommt man 25 Cent Pfand pro Dose. Auch in Skandinavien gibt es Pfand für Dosen. Wenn man Pfand zurückbekommt, liegt keine einzige Dosen mehr am Bahnhof“, ist er von der Einführung eines Dosenpfands, das Menschen zum Umdenken bewegen könnte, überzeugt. Auch sieht er die Verursacher – also die Dosen- und PET-Produzenten – in der Pflicht. „Wir alle zahlen Reinigungsgebühren.“ Für Vorarlberg sind 3,6 Millionen Euro Kostenaufwand für Reinigung pro Jahr zu veranschlagen, rechnet der „Umweltverband“, 80 Mitarbeiter sind Vollzeit das ganze Jahr mit der Beseitigung von achtlos weggeworfenem Müll beschäftigt.

„Heute, auf dem Weg an der Schlachthausstraße in Dornbirn, habe ich mit meiner Familie weggeworfene Dosen aufgesammelt.“ Er hat über den Internettrend #plogging gelesen: Joggen und gleichzeitig Müll in Säcke einsammeln. Der zusätzliche sportliche Hintergedanke hat ihn damals gereizt. „Ich habe im Wanderrucksack ein Säckle zum Mülleinsammeln dabei. Letztens habe ich ein Paar getroffen, das die Idee super fand, und denen habe ich gleich einen Sack zum Sammeln mitgegeben“, möchte er andere zum Mitmachen bewegen. Unter dem Hashtag #plogging postet er regelmäßig Bilder seiner „Ausbeute“. „Leute lassen an den schönsten Orten in Vorarlberg Müll zurück. Bei einer Wanderhütte wurde z.B. unter eine Bank Müll hineingestopft.“

Mäser sammelt ungefähr einen Sack Müll pro Woche, was für ihn „wenn man eine Grundausstattung mit Handschuh und Säckle dabei hat“ ein Leichtes sei. So war sein täglicher Weg vom Bahnhof heim immer vermüllt. „Der Weg wies keine Mülleimer auf. Mein Vorschlag an die Stadt über die App ‚Schau auf Dornbirn‘ war, einen Mülleimer zu installieren. Der angebrachte Mülleimer ist jeden Tag übervoll mit Dosen und Einweg-PET. Einige laden ihren Hausmüll ab.“ Man könne, so Mäser, ganz bewusst auf Müllvermeidung achten, indem man z.B. Glasflaschen nutzt. „Die Vermüllung zwischen Dornbirn und Lustenau durch den McDonald‘s-Müll ist ebenfalls enorm“, prangert er an.

Prominente Müllsammler

Auf der ganzen Welt räumen Social-Media-Nutzer säckeweise Müll weg und zeigen Vorher-Nachher-Bilder davon im Netz. #trashtag-Challenge oder #plogging animieren immer mehr Menschen, gegen die Umweltverschmutzung aktiv zu werden. Den Beiträgen zufolge wurden so unter anderem Straßen und Strände in Nepal, Mexiko, Nigeria und den USA von achtlos weggeworfenem Abfall befreit.

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton hatte bereits im letzten Sommer seine Bekanntheit genutzt, um in sozialen Netzwerken auf das Problem hinzuweisen: Er hat gezeigt, wie er hilft, einen verdreckten Strand vom Müll zu befreien. In dem hunderttausendfach aufgerufenen Video sagt er, er wolle zeigen, wo all das Plastik lande, das weggeworfen wird: „Denkt mal drüber nach.“

Flurreinigung

Im Jahr 2018 haben in Vorarlberg nach offiziellen Angaben bei Flurreinigungsaktionen rund 14.000 Personen 94.000 Kilogramm Abfall eingesammelt. In den kommenden Wochen laden zum 48. Mal über 70 Vorarlberger Gemeinden zu Landschaftsreinigungen ein. Alle Informationen zu Terminen und Treffpunkten gibt es bei den Gemeinden oder auf der Webseite des Umweltverbands (www.umweltv.at).

„Wenn man Pfand zurückbekommt, liegt keine einzige Dosen mehr am Bahnhof.“