BG Lustenau-Direktorin Ulrike Fenkart darf nicht vier erste Klassen eröffnen

Vorarlberg / 27.03.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
BG Lustenau-Direktorin Ulrike Fenkart darf nicht vier erste Klassen eröffnen
Ein begehrtes Gebäude: 131 Volksschüler wollten im kommenden Schuljahr ins BG Lustenau, nur für 85 ist Platz.VN/Maier

Die drei Mittelschulen im Dorf wehrten sich und von der Bildungsdirektion gab es dafür Unterstützung.

Lustenau, Bregenz Die Vergangenheit lässt grüßen. Schon vor drei Jahren beschloss das BG Lustenau, eine vierte erste Klasse zu eröffnen. Damals fackelte Direktor Guntram Zoppel (65) nicht lange und schuf mit Zustimmung des Landesschulrats Fakten. Die zusätzliche erste Klasse kam. Um die Meinung der Mittelschuldirektoren scherte sich Zoppel nicht. Sie wurden von den Schulbehörden beruhigt. Es bleibe dies eine Ausnahme, sagte man ihnen.

Riesiger Ansturm

Jetzt, drei Jahre später, ist die Situation ähnlich. Wieder wurde das BG Lustenau mit Anmeldungen von Volksschülern förmlich zugeschüttet. “131 waren es insgesamt, davon hatten 109 der angemeldeten Kinder Zeugnisse mit entweder lauter Sehr gut oder höchstens einem Gut”, betont Direktorin Ulrike Fenkart (61). Der riesige Ansturm veranlasste die Schulleiterin, es ihrem Vorgänger gleichzutun: Sie sah den einzigen Ausweg in der Eröffnung einer zusätzlichen ersten Klasse. Das hätte bedeutet: vier statt drei erste Klassen am BG Lustenau.

Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger versuchte Fenkart, bei den Direktorskolleginnen und -kollegen der drei Mittelschulen für Verständnis zu werben. Sie kontaktierte diese und fragte sie um ihr Einverständnis. “Aber die wollten das nicht”, musste Fenkart zur Kenntnis nehmen.

Angst der Mittelschulen

“Ich habe darauf hingewiesen, dass die Bildungsdirektion für solche Wünsche zuständig ist”, reagierte Irmgard Scheffknecht (57), Direktorin der NMS Kirchdorf, nüchtern auf den Wunsch der Kollegin vom Gymnasium. Freilich war sie von den Plänen der AHS im eigenen Dorf nicht begeistert. “Wir wollten auch Klarheit darüber, ob ein Gymnasium grundsätzlich einfach so viele erste Klassen eröffnen kann, wie es will. Wir haben Fenkart zu verstehen gegeben, dass wir eine vierte erste Klasse am Gymnasium nicht wollen.”

Zu “wir” gehört auch Gerd Neururer (56), Direktor der Mittelschule Rheindorf. “Ich bin froh, dass dem BG dieses Mal die Eröffnung einer vierten ersten Klasse nicht genehmigt wurde, und zwar nicht, weil wir den Kindern schaden wollen, sondern weil bei einer neuerlichen Genehmigung das ganze System ins Wanken geriete. Wäre das jetzt wieder durchgegangen, hätten wir im nächsten Jahr andere Gymnasien im Land, die zusätzliche Klassen eröffnen wollen. Das würde die Mittelschulen immer mehr schwächen”, argumentiert Neururer.

“Ich bin über die Entscheidung äußerst unglücklich und kann sie nicht nachvollziehen.”

Ulrike Fenkart, Direktorin BG Lustenau

Schulgipfel in Bregenz

Das Problem wurde von der Bildungsdirektion als sehr groß eingestuft. Es kam zu einem Gespräch aller Lustenauer Sekundarschuldirektoren mit Bildungsdirektorin Evelyn Marte-Stefani (58), dem pädagogischen Leiter Andreas Kappaurer (57) sowie Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (58, ÖVP). “Es war eine sehr schwierige Entscheidung für uns. Letztlich ging es uns um die gesamten Standorte der Region und die Perspektive für alle dort in Frage kommenden Kinder, den bestmöglichen Bildungsweg einzuschlagen. Das heißt: Die in Lustenau abgewiesenen Kinder haben die Möglichkeit, an ein anderes Gymnasium zu gehen”, fasst Schöbi-Fink das Gespräch aus ihrer Sicht zusammen.

“Es war eine schwierige Abwägung von vielen guten Argumenten”, pflichtet Kappaurer der Schullandesrätin bei. Man sei überrascht davon gewesen, dass es so viele Schülerinnen und Schüler mit hervorragenden Noten gebe, die sich für einen Platz in Lustenau beworben haben.

AHS-Direktorin Fenkart ist vom Ergebnis des Schulgipfels dennoch enttäuscht. Sie schrieb einen Brief an die Eltern der abgewiesenen Schüler und machte darin aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. “Ich bin über die Entscheidung äußerst unglücklich und kann sie schwer nachvollziehen”, schreibt Fenkart unter anderem.

Anmeldungen für 5. Schulstufe Vorarlberg

Schüler gesamt 3398

Erstwunsch Mittelschule 2826 = 72,5 Prozent

Aufnahme Mittelschule 2820= 72,6 Prozent

Erstwunsch AHS 1072 = 27,5 Prozent

Aufnahme AHS 997= 25,6 Prozent

AHS nicht aufgenommen 75 = 1,9 Prozent

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