Jedes dritte Tier verendet: Dramatisches Bienensterben in Vorarlberg

Vorarlberg / 02.04.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Egon Gmeiner, Präsident des Vorarlberger Imkerverbandes, sorgt sich um die Bienen. 30 Prozent der Bienenvölker gingen verloren. vn/Paulitsch
Egon Gmeiner, Präsident des Vorarlberger Imkerverbandes, sorgt sich um die Bienen. 30 Prozent der Bienenvölker gingen verloren. vn/Paulitsch

Mehr als ein Drittel der 11.000 Völker vom Vorjahr sind nicht mehr da. Bienenrettungsprojekt ist auf Schiene.

Schwarzach Der Vorarlberger Imkerverbandspräsident Egon Gmeiner (74) ist erschüttert. „Vom vergangenen Herbst bis jetzt haben wir mehr als 30 Prozent unserer Bienen verloren. Das sind ca. 3000 Bienenvölker. Eine schlimme Situation.“ Warum das so gekommen ist? Gmeiner: „Das hat verschiedene Gründe. Der Hauptgrund ist im Klimawandel und konkret in den viel zu hohen Temperaturen des letzten Jahres zu suchen. Es war bis in den Dezember so warm und trocken, dass Bienen geflogen sind. Dadurch haben sie keine Ruhe gefunden und auch kaum mehr Nahrung.“

Geschwächte Tiere

Natürlich hat auch die gefürchtete Varroa-Milbe den beliebten Hautflüglern wieder arg zugesetzt, und dadurch auch verschiedene Bienenviren. „Die Bienen werden von der Varroa-Milbe angestochen, und in diese Öffnungen dringen die Viren und führen den Tod der Tiere herbei“, beschreibt Gmeiner das Dilemma.

Es kommt hinzu, dass die Bienen insgesamt viel von ihrer einstigen Robustheit verloren haben. „Sie sind durch verschiedene Umstände geschwächt und sehr viel empfänglicher für todbringende Krankheiten“, erzählt der Imkerverbandspräsident. Ein Beispiel dafür: Noch vor einigen Jahren hat ein Bienenvolk 10.000 Varroa-Milben vertragen. Jetzt bringen bereits 3000 der gefährlichen Lebewesen den sicheren Tod ins Volk.

„Früher hat ein Volk noch 10.000 Varroa-Milben vertragen. Jetzt sind 3000 bereits zu viel.“

Egon Gmeiner, Präsident Imkereiverband

Wertschätzung für Imker

Zu den negativen Rahmenbedingungen für die traditionelle Honigbiene zählen laut Gmeiner auch die gestiegenen Umweltbelastungen. „Neonicotinoide finden sich überall, und dann diese grünen Wüsten auf den Feldern, wo nichts mehr blüht.“

Die Bienen brauchen Nahrung. Davon fanden sie im vergangenen Jahr viel zu wenig. Bühler
Die Bienen brauchen Nahrung. Davon fanden sie im vergangenen Jahr viel zu wenig. Bühler

Die Ursachen des Bienensterbens genau zu analysieren ist die Aufgabe von Helmut Graf, dem Gesundheitsreferenten im Imkereiverband und gleichzeitig Obmann des Bienenzuchtvereins Braz. „Wir müssen genau die Gründe für das Bienensterben kennen und gezielte Strategien dagegen entwickeln“, sagt Graf. Dazu gehöre auch, die verschiedenen Behandlungsmethoden der Bienenstöcke zu studieren und dabei herauszufinden, welche Methoden effizient sind und welche nicht.

Im Rahmen des Sonderprojekts „Zukunft der Bienen in Vorarlberg“ hat das Land 40.000 Euro zusätzlich zur normalen Förderung des Verbandes bereitgestellt. „Für uns ist das auch eine Wertschätzung der vielen neuen Imkerinnen und Imker im Land, die sich für die Bienenzucht engagieren“, betont Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner (38).

Züchtung neuer Rassen

Tatsächlich herrscht im Land ein echter Imkerboom. „Wir verzeichnen auch heuer wieder 142 Neulinge in den Imkerkursen. Die Hälfte davon ist weiblich“, berichtet Gmeiner. Gehe es so weiter, gibt es für die keine Bienen mehr. Deswegen, so Gmeiner, sei auch die Heranzüchtung robusterer Völker für die Zukunft eine große Herausforderung. „Erste Erfolge sind schon da. Aber so etwas dauert insgesamt viele Jahre.“

Das Bienensterben ist ein österreichweites Problem. Andere Bundesländer hat es noch schlimmer erwischt als Vorarlberg. So verlor Oberösterreich, das Bundesland mit den meisten Bienen, gleich 50 Prozent des Bestandes vom vergangenen Herbst.

Bienen in Vorarlberg

8000 Bienenvölker

1600 Imker

48 Imkervereine

142 Anmeldungen für diesjährige Imkerkurse