Gemeinde Sulz nimmt sich mit der Ökologin Katrin Löning der Insekten an

Vorarlberg / 04.04.2019 • 11:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bürgermeister Karl Wutschitz, Ökologin Katrin Löning und e5-Chef Hans Jörg Mathis.Egle
Bürgermeister Karl Wutschitz, Ökologin Katrin Löning und e5-Chef Hans Jörg Mathis.Egle

e5-Team lud zu Vortrag und anschließendem Lokalaugenschein.

Sulz Eine große Anzahl von Insektenarten ist vom Aussterben bedroht, befindet sich bereits auf der roten Liste der gefährdeten Tiere oder zumindest auf einer Vorwarnstufe. Davon berichtete Katrin Löning, Leiterin des Vorarlberger Ökologie Instituts, bei der öffentlichen Sitzung des Sulner e5-Teams vergangene Woche. So nehme laut Löning gemäß aktueller Studien die gesamte Biomasse an Insekten deutlich ab, rund 40 Prozent der Arten seien betroffen.

Am besten könne dies jeder an seiner Autoscheibe sehen. War die früher nach einer Fahrt oft übersät von Insekten, ist dies heutzutage kaum mehr der Fall. Zum Problem wird dieser Umstand vor allem für den Anbau von Obst, in anderen Teilen der Welt sind Bauern schon zur manuellen Bestäubung der Blüten übergegangen. Als weitere Folge, wie Löning beleuchtete, geraten auch verschiedene Vogelarten in Gefahr, für die Insekten die Hauptnahrungsquelle darstellen. Hauptverursacher dieser Umstände sind zum einen die intensive monokulturelle Landwirtschaft, zum anderen die zunehmend verdichtete Bauweise.

Vorbild Rankweil

In der Nachbargemeinde Rankweil wurde im Zuge des Neubaus des Bahnhofs  eine rund 145 Meter lange begrünte Trockensteinmauer errichtet. Diese dient als Brutstätte und Nahrungsquelle für Wildbienen. EGLE
In der Nachbargemeinde Rankweil wurde im Zuge des Neubaus des Bahnhofs eine rund 145 Meter lange begrünte Trockensteinmauer errichtet. Diese dient als Brutstätte und Nahrungsquelle für Wildbienen. EGLE

Was kann man nun im regionalen Umfeld, im öffentlichen, aber auch im privaten Bereich gegen diese Entwicklung tun? Insektenspezialistin Löning hatte da mehrere Ansätze und Vorschläge auf Lager. Als Vorbild in Vorarlberg nannte sie die Marktgemeinde Rankweil, wo man es binnen kürzester Zeit geschafft hat, zahlreiche Arten von Wildbienen anzusiedeln. Im Privatbereich riet sie dazu, im eigenen Garten den Rasen wachsen zu lassen und nur einmal im Jahr zu mähen. Mit Samenschätzen im Boden und etwas Nachhilfe würden dann prächtige Blumenwiesen entstehen. Gute Tipps zur Saatgutauswahl gibt es auf www.buntundartenreich.at. Wiesen auf Flachdächern wären ebenfalls eine gute Möglichkeit. Statt Steingärten könne jeder Sträucher und Hecken pflanzen und so für Insekten und Vögel neue Nahrungsquellen schaffen.

Weniger Aufwand

Beim anschließenden Spaziergang bekamen die Teilnehmer Einblicke in die bereits umgesetzten Maßnahmen, beispielsweise Totholz, das ein wichtiger Brutplatz für Wildbienen ist.  EGLe
Beim anschließenden Spaziergang bekamen die Teilnehmer Einblicke in die bereits umgesetzten Maßnahmen, beispielsweise Totholz, das ein wichtiger Brutplatz für Wildbienen ist. EGLe

In Sulz wurden auf verschiedenen Flächen bereits Maßnahmen getroffen oder sind in Vorbereitung, wie e5-Teamchef Hans Jörg Mathis zusammen mit Bürgermeister Karl Wutschitz bei dem auf den Vortrag folgenden Spaziergang durch die Gemeinde ausführte. Da die Bauhöfe der Gemeinden meist weder eingerichtet noch ausgebildet sind, fasst Wutschitz auch noch einen wichtigen Aspekt zusammen: „Eine nachhaltige Gestaltung muss auch mit möglichst wenig Betreuung und Pflege machbar sein.“ In diesem Punkt konnte Ökologin Löning den Bürgermeister beruhigen: Nachhaltig bepflanzte Flächen bedeuten gleichzeitig auch weniger Arbeitsaufwand, versicherte sie. CEG

Bei der Wahl des richtigen Saatguts für Blumenwiesen ist Vorsicht geboten, gute Tipps dazu gibt es auf der Seite www.buntundartenreich.at.