Naturschützer laufen Sturm gegen Bikepark-Erweiterung im Brandnertal

Vorarlberg / 04.04.2019 • 17:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Franz Ströhle (Alpenschutzverein) übt massive Kritik an den Plänen im Brandnertal. bikepark brandnertal, vn/gasser

Projekt sprenge Dimensionen des Erträglichen. Gemeinden und Betreiber verteidigen das Bauvorhaben.

Bürserberg Der Bikepark Brandnertal soll umfangreich erweitert werden. Acht neue Strecken mit einer Gesamtlänge von über 20 Kilometern sind für das Bewilligungsverfahren bei der BH Bludenz eingereicht. Das Vorhaben ruft nun Naturschützer auf den Plan. Alpenverein, Naturschutzbund und Alpenschutzverein laufen gemeinsam Sturm gegen die Pläne im Brandnertal. Die Natur würde hier lediglich Mittel zum Zweck einer maximalen und gnadenlosen Ausbeutung, die sich allein am Profit orientiert, so die Kritik. Nach dem Studium der Planungsunterlagen sei man zum Schluss gekommen, dass die Erweiterung dem Gesetz für Naturschutz- und Landschaftsentwicklung widerspreche. „Das Projekt sprengt die Dimensionen des Erträglichen“, sagt Franz Ströhle (69), Obmann des Alpenschutzvereins. Wurzeln würden beschädigt, Bäume absterben, die vielen Schilder würden eine regelrechte Möblierung der Landschaft darstellen. Fachlich begründet wird der Widerstand durch Gutachten. Der Naturschutzbeauftragte der BH Bludenz sieht einen „in vielerlei Hinsicht schützenswerten Lebensraum, der durch das Vorhaben weitere ökologische Attribute, die ihn bislang als Lebensraum für seltene Tiere noch attraktiv machten, verliert.“

Überrascht vom Widerstand

Eingereicht wurden die Pläne von den Gemeinden Brand und Bürserberg. Für das Überleben der Betriebe und der Bergbahnen sei das Projekt zukunftsweisend. „Es war immer klar, dass es eine zweite Ausbaustufe des Bikeparks geben wird“, sagt Bürgermeister Fridolin Plaickner. Deshalb wundere ihn jetzt auch der plötzliche Widerstand der Naturschützer.

Der Bikepark ist auch Austragungsort von Veranstaltungen wie jüngst dem European Downhill-Cup. Lerch
Der Bikepark ist auch Austragungsort von Veranstaltungen wie jüngst dem European Downhill-Cup. Lerch

Der Bikepark Brandnertal ist eine touristische Erfolgsgeschichte. Eröffnet wurde er im Sommer 2014. Zwei Jahre später wurden bereits 92.800 Fahrten gezählt. Die Einrichtung zählt zu den fünf beliebtesten ihrer Art in ganz Österreich. Jetzt sollen die Weichen für weiteres Wachstum gestellt werden. Ziel sei es, Brand und Bürserberg mit einem zeitgemäßen Streckenangebot zu verbinden, sagt Philipp Kettner, Geschäftsführer der Betreiberfirma IMM (Mountain Movement Gmbh). Dafür müssen sie hoch hinauf. Der Loischkopf soll erschlossen werden. „Es ist der höchste Punkt. Ihn brauchen wir, damit das geplante Karussell funktionieren kann“, erklärt Kettner.

Berg war schon immer tabu

Dabei war der Berg bereits für das Ausgangsprojekt 2013 quasi tabu. Der Amtssachverständige für Naturschutz der zuständigen Bezirkshauptmannschaft hatte schon damals eine spätere Ausdehnung des Bikeparkes zum Loischkopf deutlich abgelehnt. „Eine derartige Ausdehnung würde die Naturschutzinteressen massiv beeinträchtigen, sie ist deshalb undenkbar“, heißt es in einem den VN vorliegenden Aktenvermerk.

Der Bikepark Brandnertal wurde 2014 eröffnet. vn/Archiv
Der Bikepark Brandnertal wurde 2014 eröffnet. vn/Archiv

Das damals Undenkbare könnte bald Realität sein. Das stößt den Naturschützern sauer auf, weil hier ganzjährig geschütztes Auerwild beheimatet ist. „Es steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten“, sagt Franz Ströhle. Auch die Naturschutzanwaltschaft kommt zum Schluss, dass trotz erwähnenswerter Bemühungen des Antragstellers im Zusammenhang mit dem Loischkopf „eine irreversible, langfristige Schädigung von Natur- und Landschaft“ zu erwarten sei.

Trasse nahe der Forststraße

Dass es Widerstand geben könnte, war den Betreibern bewusst, die Vehemenz überrascht sie jetzt doch. „Es gab zahlreiche Begehungen. Viele der ursprünglichen Ideen wurden in Absprache mit dem Naturschutzsachverständigen abgeändert“, sagt Philipp Kettner. Zudem würden die Trassen im Nahbereich der existierenden Forststraße verlaufen. „Wir bewegen uns hier in einem Gebiet, das bereits intensiv genutzt wird.“ Bei der Umsetzung des Projekts bauen die Brandnertaler auf das Know-how einer Schweizer Firma, die naturnah arbeite. Den Schutz der Landschaft während der Bauarbeiten lasse man sich etwas kosten. Die Naturschützer wiederum fragen sich, wer das bezahlt. Sie befürchten, über Förderungen könnte ein Projekt, das gegen das Gesetz von Naturschutz- und Landschaftsentwicklung verstößt, am Ende von der öffentlichen Hand mitfinanziert werden, so Hildegard Breiner, Obfrau des Naturschutzbundes.