Herlinde Meusburger pflegt ihren MS-kranken Mann seit 15 Jahren

Vorarlberg / 04.04.2019 • 12:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Herlinde und Hubert Meusburger verbindet eine starke Liebe. VN/kum

Herlinde Meusburger aus Schnepfau pflegt seit 15 Jahren ihren MS-kranken Mann.

Schnepfau. Hubert ist ihre große Liebe. Herlinde (65) verliebte sich einst in ihn, weil er sie an ihren Großvater erinnerte. Diesen verehrte sie sehr, „weil er ein feiner Mensch war“. Mit 24 Jahren heiratete Herlinde ihren Hubert, einen Landwirt aus Schnepfau. Diesen Schritt hat die Bregenzerwälderin nie bereut, denn: „Hubert war immer ein sehr guter Mann. Es gab nie ein Unwort.“ Außerdem sei er ein guter Vater gewesen. Herlinde schenkte ihrem Mann acht Kinder, eines davon starb mit vier Monaten. Hubert war auch sehr tüchtig. „Er arbeitete viel und gern.“ Im Stall des Landwirts standen 30 Stück Vieh.

Mit Schicksal abgefunden

Der Alltag des Ehepaars änderte sich radikal, als bei Hubert im Jahre 1996 Multiple Sklerose festgestellt wurde und er nicht mehr auf dem Hof arbeiten konnte. „Die ersten paar Jahre waren für uns alle eine schwierige Zeit. Wir mussten es akzeptieren lernen“, sagt Herlinde. Bis ein Sohn den Hof im Jahre 2008 übernahm, versorgte die siebenfache Mutter das Vieh mit Unterstützung von Zivildienern. „Damals war ich körperlich und mein Mann seelisch am Limit.“ Laut Herlinde brauchte Hubert zwei Jahre, um seine Krankheit anzunehmen. „Als er sich nicht mehr für die Landwirtschaft interessierte, wusste ich, dass er sich mit seinem Schicksal abgefunden hatte.“

Huberts körperlicher Zustand verschlechterte sich zusehends. Bald war er auf den Rollstuhl und die Pflege seiner Frau angewiesen. Heute kann der 68-Jährige keinen Finger mehr rühren, nur mehr liegen und nicht mehr sprechen. „Obwohl er total hilflos ist, ist er immer gut drauf. Er hat einen guten Humor und jammert nie“, wundert sich seine Frau. Vielleicht ist das auf sein großes Gottvertrauen zurückzuführen und darauf, dass er von Herlinde bestens betreut wird.

„Obwohl er total hilflos ist, ist er immer gut drauf.“

Herlinde Meusburger, pflegende Ehefrau

„Die Kinder sind aus dem Haus. Ich bin froh, dass ich eine Aufgabe habe, die mich erfüllt“, gibt Herlinde zu verstehen, dass sie ihren Mann gerne pflegt. Deshalb dachte sie auch nie daran, ihn ins Heim zu geben. „So lange ich gesund bin, mache ich es, und wenn ich nicht mehr kann, hole ich eine 24-Stunden-Betreuerin ins Haus.“

„Haben es schön miteinander“

Herlinde, die sich die Kraft für den Alltag beim täglichen Spaziergang holt, würde sich wünschen, dass die Situation noch eine Weile so bleibt, wie sie jetzt ist: „Trotz der Krankheit haben wir es wirklich schön miteinander.“ Ihr kranker Gefährte lächelt sie innig an. Er ist geistig voll da und hat jedes Wort verstanden. Die Liebe zwischen den Eheleuten wurde durch die Krankheit nicht weniger, sondern mehr. Herlinde beschreibt ihre Gefühle für Hubert so: „Es ist eine Liebe, die sehr verbindet. Man will, dass es dem anderen gutgeht.“

Zur Person

Herlinde Meusburger

Geboren 6. Juni 1953

Familie verheiratet, sieben Kinder, zwölf Enkel

HobbysSpazierengehen, Lesen