Treibjagd auf trächtige Tiere in Fontanella sorgt für Aufsehen

11.04.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rotwild wurde in Fontanella offensichtlich nicht waidgerecht gejagt. Schweizer Jäger sollen eine Treibjagd veranstaltet haben.VN

Gruppe von Schweizern bediente sich offensichtlich illegaler Jagdmethoden. BH Bludenz untersucht.

Fontanella Die Schweizer Initiative „IG Wild beim Wild“, eine jägerkritische Gruppe, kannte kein Pardon mit den vermeintlich unehrenhaften Waidmännern. Sie listete auf ihrer Homepage ein halbes Dutzend Namen von Innerschweizern und zwei Vorarlbergern auf, die in der Genossenschaftsjagd Fontanella I am 30. März dieses Jahres offensichtlich brachial zur Sache gingen. Demnach drangen sie mit Hunden in das Jagdgebiet ein und schossen dort so ziemlich alles, was ihnen vor die Flinte kam. Angeführt wurde die Gruppe vom Schweizer Jagdpächter, der die Pacht nach Ende der diesjährigen Saison nicht mehr weiterführen wird.

Jägerschaft will durchgreifen

Dass es beim Jagdtreiben offenkundig nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, bestätigt auch die Vorarlberger Jägerschaft. „Die Wildtiere wurden in der ohnedies schwierigen Winterzeit unnötig beunruhigt. Es wurden auch mehrere Stücke Gams-, Rot- und Rehwild zur Strecke gebracht“, formuliert es der Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft, Gernot Heigl. „Hier kamen Jagdmethoden zur Anwendung, die nicht mit der Waidgerechtigkeit in Einklang zu bringen sind. Wir verurteilen das ausdrücklich.“ Oberste Prämisse sei für die Vorarlberger Jägerschaft der respektvolle Umgang mit der Kreatur. Bei genannter Treibjagd sei es auch gegen hochträchtige Tiere gegangen. „Das ist moralisch höchst verwerflich und sollte auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen“, macht der Vorarlberger Landesjägermeister Christof Germann unmissverständlich klar. Gegen Mitglieder der Vorarlberger Jägerschaft, die bei solchen Aktionen mitwirkten, würde man umgehend ein Ausschlussverfahren einleiten, ergänzt Germann.

„Diese Jagd war moralisch höchst verwerflich und sollte rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.“

Christof Germann, Landesjägermeister

Schutzbestimmungen aufgehoben

Nicht bekannt wurde, wie viele Tiere die Treibjäger erlegt hatten. Klar ist hingegen: Die Jagd in genanntem Gebiet ist auch zur jetzigen Zeit nicht verboten. Es gilt in dieser Zone eine Aufhebung der Schonzeit. „Das haben wir verfügt, weil die Bestände zu hoch sind. Das bezieht sich auf Rot- und Rehwild genauso wie für Gamswild“, erklärte der Bludenzer Bezirkshauptmann Johannes Nöbl auf VN-Anfrage. Es sei in seiner Behörde eine Sachverhaltsdarstellung eingelangt. „Wir werden die Sache genau prüfen“, sagt der höchste Beamte des Bezirks.

Grundsätzlich sei die Erfüllung der Abschussquote in diesem Gebiet sehr wichtig, betont Nöbl. „Dem Wald kommt dort eine ganz wichtige Bedeutung zu. Wir müssen Jungwald aufziehen, auch um die Schutzfunktion weiterhin zu gewährleisten.“ Laut Nöbl ist selbst trächtiges Wild nicht von der Aufhebung der Schutzbestimmungen ausgenommen. „Aber natürlich sind die vorgeschriebenen Jagdregeln einzuhalten. Tiere müssen vor Quälerei geschützt werden, und es dürfen bei der Jagd auch Tiere in den angrenzenden Jagden nicht gestört werden.“

Autos versperrten Weg

Bekannt wurden die Vorfälle in Fontanella laut „Wild beim Wild“ deswegen, weil der örtliche Jagdaufseher unbekannte Pkw bemerkte, die den Güterweg der Genossenschaft versperrten. Es musste die Polizei gerufen werden. Der verantwortliche Jagdpächter wird weiterhin in Vorarlberg waidmännisch tätig sein. Er hat bereits ein anderes Jagdgebiet in Bürserberg gepachtet.

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