Die alte „Boesch“ ist wieder flott

03.05.2019 • 19:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jaxx Rusch (am Steuer), Herbert Lutz, Philipp Lunardon und Job Ahoi!-Projektleiterin Jasmine Riedmann machen die Leinen los.  VN/STEURER

Käufer gesucht: Jugendliche von Job Ahoi! haben das Boot in ein Schmuckstück verwandelt.

Geraldine Reiner

Dornbirn Jaxx Rusch (18) würde am liebsten schlecht über sie reden. „Weil ich nicht will, dass sie wegkommt, damit wir noch Ausfahrten machen können.“ In seiner Stimme schwingt Stolz mit. Wie alle hier nennt er sie liebevoll nur „Die Boesch“. „Ich bin auch schon mal mit ihr gefahren. Es ist einfach ein schönes Gefühl, am Steuer zu stehen, das du selbst restauriert hast und mit 80 km/h über den Bodensee zu fahren“, schwärmt der junge Bregenzer.

„Die Boesch“ ist eine „Boesch Lemania 560“, Baujahr 1965. Als sie vor knapp sechs Jahren in der Bootswerkstatt der Offenen Jugendarbeit Dornbirn (OJAD) gestrandet ist, war sie „eine ganz wilde Partei“, berichtet Werkstattleiter Herbert Lutz (42). „Sie stand wirklich kurz vor der Verschrottung.“ Der vorherige Eigentümer kommt ebenso wie Lutz aus Gaißau. „Er ist mir quasi ein Jahr lang mit dem Boot hinterhergerannt. Er wollte, dass es in gute Hände kommt und wieder schön wird.“ Von schrottreif kann mittlerweile keine Rede mehr sein.

Tausende Arbeitsstunden

96 arbeitssuchende Jugendliche des Projekts Job Ahoi! haben die alte Lady mit dem 180 PS starken V8-Motor unter Anleitung der gelernten Bootsbauer Herbert Lutz und Philipp Lunardon (31) wieder flott gemacht. „,Die Boesch‘ ist etwas Einzigartiges. Die Mädchen und Buben haben sechs Jahre daran gearbeitet und tausende Arbeitsstunden hineingesteckt“, unterstreicht der stellvertretende OJAD-Geschäftsführer Kurt Nachbaur. Job Ahoi! ist ein Beschäftigungs- und Qualifizierungsangebot für 15- bis 25-Jährige. „Die Grundidee ist, hochwertige Produkte zu erzeugen, aber trotzdem mit einem sehr niederschwelligen Ansatz. Hier ist es möglich, sofort zu arbeiten und sofort Geld zu verdienen. Wir möchten signalisieren, dass Arbeit auch Spaß machen kann“, führt Nachbaur aus.

Holz statt Polyester

Als „Die Boesch“ nach Dornbirn kam, war von dem Mahagoni-Boot nicht mehr viel zu sehen. Der gesamte Rumpf war mit blauem Polyester überzogen. „Das macht man, wenn das Holz nicht mehr wirklich zusammenhält“, erläutert der Werkstattleiter. Der komplette Unterboden und das Deck wurden daher erneuert und die Seitenwände neu beplankt. „Wichtig bei so einer Restauration ist, dass man die Teile so original wie möglich belässt“, ergänzt Philipp Lunardon und verweist auf die Armaturen und Beschläge, die lediglich neu verchromt wurden. „Beim Motor hat man nur die Schläuche und die Elektrik ausgebessert und eine elektrische Benzinpumpe eingebaut. Sonst hat man alles so belassen wie es war.“

Nun ist das Boot, das in der Boesch Werft am Zürichsee gebaut wurde, bereit, den Hafen zu verlassen. Am Freitag wurde „Die Boesch“ offiziell präsentiert und soll nun an den Meistbietenden verkauft werden. Der Schätzwert liegt bei 95.000 Euro. „Ich werde sie definitiv vermissen“, meint Jaxx Rusch. „Ich hoffe, dass sie jemand kauft, der sich darum kümmert und der weiß, wie viel Arbeit drinnen steckt. Irgendwann kaufe ich mir selber ein Bötchen und gehe sie suchen.“

„Die Boesch“

Länge über alles 5,60 m

Breite über alles 1,90 m

Wasserverdrängung 850 kg

Zulässige Personenanzahl 6

Baujahr 1965

Vorgeführt bis 2021

Material Mahagoniholz

Bodenseezulassung

Bootswerkstatt der Offene Jugendarbeit Dornbirn (OJAD), Schlachthausstraße 11, Dornbirn, nähere Infos zur „Boesch“ bei Margit Beer, margit.beer@ojad.at.

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