Ladendiebin am Bezirksgericht: „Wenn schon geklautes Fleisch, dann nur Salami“

Vorarlberg / 08.05.2019 • 14:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am Dornbirner Bezirksgericht werden jährlich hunderte von Ladendiebstählen verhandelt. Vn
Am Dornbirner Bezirksgericht werden jährlich hunderte von Ladendiebstählen verhandelt. Vn

44-jährige Beschuldigte ist sechsfache Mutter und bereits zehnfach vorbestraft.

Dornbirn Die Russin befleißigt sich einer eigenartigen Masche. Bereits des Öfteren beim Diebstahl im Supermarkt erwischt, streitet sie die Tat vor der Polizei zunächst stets ab. Kommt es dann aber zur Gerichtsverhandlung, legt sie mit weinerlicher Stimme ein reumütiges Geständnis ab.

So auch diesmal. Ganze 33 Euro waren die Lebensmittel wert, die sie heimlich in einem Dornbirner Supermarkt eingesteckt hatte. Bereits altbekannt, wird sie einmal mehr auf die Anklagebank am Dornbirner Bezirksgericht geladen. Von Richter Frank Plasinger nach ihren persönlichen Verhältnissen befragt, gibt sie über ihre Dolmetscherin an: „Etwa 1400 Euro Mindestsicherung, einen Mann, sechs Kinder.“

Der Richter will jetzt das Motiv für den Diebstahl erkunden. Die Beschuldigte bricht in Tränen aus und sagt: „Ich weiß nicht, weshalb das passiert ist, wir essen kein Schweinefleisch.“

Etwas befremdet erwidert der Richter darauf: „Wie kommen Sie auf Schweinefleisch? Sie haben damals einen Beerenmix, Kartoffelchips, Cola und dreimal Putensalami eingesteckt.“

„Wir essen nur koschere Salami“, kommt jetzt prompt als Antwort

In psychiatrischer Behandlung

Es ist jetzt das zehnte Mal, dass sich die Russin wegen Ladendiebstahls verantworten muss. Sie scheint verzweifelt, weint wieder und hätte eigentlich nie gewusst, was sie tat. „Ich schäme mich für das, was ich getan habe! Aber ich bin seit Jahren in psychiatrischer Behandlung“, versucht sie ein bewusstes Motiv zu vernebeln.

Doch Videoaufnahmen des Diebstahls im Supermarkt und eine als Zeugin einvernommene Mitarbeiterin sprechen eine andere Sprache. Letztere gibt an: „Ich hatte die Frau beobachtet und den Eindruck, dass sie schon sehr geübt und routinemäßig handelte. Als wenn sie so etwas des Öfteren macht.“  

Urteil mit mahnenden Worten

Richter Plasinger verurteilt die 44-Jährige wegen des Vergehens des Diebstahls zu 1440 Euro Geldstrafe in 360 Tagessätzen, doch nicht ohne mahnend hinzuzufügen: „Trotz Ihrer Vielzahl von Vorstrafen habe ich Ihnen nochmals eine Geldstrafe gegeben. Denn ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn Sie als sechsfache Mutter im Gefängnis sitzen. Aber Sie müssen aufpassen.“

Die Tränen im Gesicht der Verurteilten weichen nun abrupt einer steinernen Miene. Die Russin erbittet Bedenkzeit.