Direktorenschwund an den höheren Schulen, Nachfolger gesucht

09.05.2019 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Direktor mit Leib und Seele: Helmut Abl vom BG Bludenz verspürt viel Wehmut, wenn er bald in Pension geht.VN/Stiplovsek
Direktor mit Leib und Seele: Helmut Abl vom BG Bludenz verspürt viel Wehmut, wenn er bald in Pension geht.VN/Stiplovsek

An sieben von 29 höheren Schulen Vorarlbergs gehen die Leiter in Pension. Bewerber für deren Nachfolge gibt es wenige.

Bregenz Früher zählte man als Schuldirektor in einer dörflichen Gemeinschaft zusammen mit dem Pfarrer und dem Polizisten noch zur kommunalen Elite. Schuldirektor zu werden war ein hehres berufliches und gesellschaftliches Ziel. Heutzutage sind Direktorenposten offenbar keine Traumjobs mehr. Das wird gerade jetzt offensichtlich. Nicht weniger als sieben Schulleiter der 29 höheren Bildungsstätten im Land treten mit Ende des Schuljahres zurück bzw. sind bereits zurückgetreten. Weitere werden kurz danach folgen. Das Interesse an den Leiterstellen ist überschaubar. Nur an einer der sieben Schulen gab es für die Nachfolge des scheidenden Direktors mehr als einen Bewerber.

Interimistische Nachfolger

Betroffen von den Führungswechseln sind die Gymnasien BG Bludenz, das BG Gallusstraße Bregenz, die beiden Feldkircher Gymnasien Schillerstraße und Rebberggasse, die HTL Rankweil, die Wirtschaftsschulen Bezau sowie die HAK Bludenz. Während an den Wirtschaftsschulen Bezau mit Mario Hammerer sowie am BG Feldkirch Rebberggasse mit Christoph Prugger bereits interimistische Nachfolger mit allen Chancen zur formellen Ernennung im Amt sind, wird es an allen anderen Schulen mit Ausnahme der HTL Rankweil wohl auch kaum Diskussionen über die Direktorsnachfolge geben. Denn: Nur an der HTL Rankweil gibt es zwei Bewerber für die Nachfolge von Gerhard Wimmer, an allen anderen Schulen hat sich nur eine Person für die Schulleiterstelle beworben.

Wenig Interesse

Dass sich in Vorarlberg im Bundesvergleich auffallend wenig Personen für verantwortungsvolle Positionen im Bildungsbereich bewerben, ist schon länger offensichtlich. Wirklich erklären kann sich das Andreas Kappaurer (58), pädagogischer Leiter in der Bildungsdirektion, auch nicht. „Klar ist: Es werden für eine Direktorennachfolge hauptsächlich hausinterne Lösungen gesucht. Und wenn sich in der Schule ein Favorit herauskristallisiert, dann gibt es im Kollegium zumeist keinen Gegenkandidaten. Da will man dann die Solidarität innerhalb des Kollegiums nicht gefährden. Aber natürlich würde es grundsätzlich nicht schaden, wenn es auch frischen Wind von außen gibt.“

Job mit großer Bürde

„Die Bürde des Direktorenamtes ist keine leichte“, weiß der scheidende Schulleiter des BG Gallusstraße, Thomas Mittelberger (63). „Andererseits ist der Job auch sehr attraktiv, vielseitig und spannend.“

„Die Bürde des Direktorenamtes ist keine leichte. Andererseits ist der Job sehr spannend.

Thomas Mittelberger, Direktor am BG Gallusstraße

Schuldirektor mit Leib und Seele war bzw. ist auch Helmut Abl (65), der seit vielen Jahren dem BG Bludenz vorsteht. „Bei mir ist viel Wehmut dabei, wenn ich in Pension gehe. Ich hätte das noch länger machen können.“

Einer, der sich in seiner Rolle als frischgebackene Führungskraft wohlfühlt, ist Christoph Prugger vom BG Rebberggasse Feldkirch. Der Geschichte- und Geografielehrer führt die Schule bereits interimistisch und wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Nachfolge von Ulrich Sandholzer antreten. „Ich mach‘ das gerne. Natürlich ist der Job des Direktors eine anspruchsvolle Tätigkeit mit viel Verantwortung. Aber ich habe hier ein sehr engagiertes Kollegium.“ Die sieben nach diesem Schuljahr scheidenden Direktoren höherer Schulen in Vorarlberg werden bald um zwei weitere Kollegen erweitert. Im Jänner 2020 werden auch Gerhard Frontull von der BAFEP Feldkirch sowie ziemlich sicher auch Clemens Voith vom BG Blumenstraße in Bregenz ihren Direktorshut nehmen.

Auch in der Schulaufsicht stehen zwei langjährige Pädagoginnen kurz vor ihrem Eintritt in den Ruhestand: Karin Engstler wird als Landesschulinspektorin für Pflichtschulen bereits Ende dieses Monats ausscheiden, Christine Schreiber geht als AHS-Inspektorin Mitte Juli in Pension.

Schuldirektoren vor Pensionierung

Gymnasium Gallusstraße Bregenz: Thomas Mittelberger; eine Bewerbung für dessen Nachfolge

Gymnasium Feldkirch Schillerstraße: Georg Konzett; eine Bewerbung für dessen Nachfolge

Gymnasium Feldkirch Rebberggasse: Ulrich Sandholzer; wahrscheinlicher Nachfolger und interimistisch bereits im Amt: Christoph Prugger

Gymnasium Bludenz: Helmut Abl; eine Bewerbung für dessen Nachfolge

HTL Rankweil: Gerhard Wimmer; zwei Bewerbungen für dessen Nachfolge

HAK Bludenz: Hans Duregger; eine Bewerbung für dessen Nachfolge

Wirtschaftsschulen Bezau: Andreas Kappaurer; wahrscheinlicher Nachfolger und interimistisch bereits im Amt: Mario Hammerer

Bevorstehende Pensionierungen im neuen Schuljahr:

Gerhard Frontull, BAFEP Feldkirch

Clemens Voith, Gymnasium Bregenz Blumenstraße