Gelockerter Naturschutz

09.05.2019 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Über 2500 Schmetterlingsarten soll es in Vorarlberg geben. Derzeit wird die Rote Liste gefährdeter Arten überarbeitet.inatura
Über 2500 Schmetterlingsarten soll es in Vorarlberg geben. Derzeit wird die Rote Liste gefährdeter Arten überarbeitet.inatura

Forschung und Lehre sollen künftig einfacher möglich sein.

Bregenz Der Unmut war groß. Experten wie Ruth Swoboda von der inatura und Peter Huemer, Kustos der Naturwissenschaftlichen Sammlungen des Tiroler Landesmuseums, sprachen gar von einer Behinderung von Wissenschaft und Lehre im Zusammenhang mit dem Artenschutz. Als Stein des Anstoßes erwies sich die restriktive, nach Meinung von Huemer aber völlig praxisfremde Regelung des Schutzes einiger artenreichen Tiergruppen in der bestehenden Naturschutzverordnung. „Auf eine Bewilligung zur Durchführung von Erhebungen muss oft bis zu einem halben Jahr gewartet werden“, bestätigt Swoboda und ergänzt: „Da reden wir dann nicht mehr von aktueller Forschung.“

Bedenken mitgeteilt

Beide haben ihre Bedenken beim zuständigen Landesrat Johannes Rauch deponiert. Die Novelle des Natur- und Landschaftsschutzgesetzes wurde als Chance gesehen, der Bürokratie in diesem speziellen Fall den Garaus zu machen. Am Montag lief die Begutachtungsfrist ab, und die Kritiker dürfen sich freuen. „Wer Erhebungen und Forschungen im Auftrag der Behörde oder der inatura tätigt, braucht künftig keine Bewilligung mehr“, bestätigte Rauch auf VN-Nachfrage. Dieser Passus wird jetzt im Paragraf 34 des Natur- und Landschaftsschutzgesetzes neu geregelt. Der Umweltlandesrat verweist allerdings darauf, dass die Novelle in der aktuellen Form erst beschlossen werden muss. Ruth Swoboda ist überzeugt, dass mit dieser Lockerung weder Tür noch Tor für einen missbräuchlichen Umgang des Naturschutzgesetzes geöffnet werden. Das Gegenteil sei der Fall. So könne endlich reale Forschungsarbeit betrieben werden.

Für Exkursionen in Schutzgebiete wären ebenfalls Bewilligungen durch die jeweiligen Bezirkshauptmannschaften auszustellen gewesen. Solche wurden jedoch in den wenigsten Fällen eingeholt. „Die Führer naturkundlicher Wanderungen bewegen sich praktisch ständig in einer Grauzone“, gibt die inatura-Leiterin zu bedenken. Doch auch dieses Problem sollte künftig der Vergangenheit angehören. „Fachliche Exkursionen werden weiterhin ohne Sanktionen toleriert“, verspricht Johannes Rauch.

Aufwendige Verfahren

Peter Huemer, ein gebürtiger Vorarlberger, hatte im vergangenen Herbst die Mühsal der Bürokratie angeprangert. Er ist derzeit mit der Neufassung der Roten Liste gefährdeter Schmetterlinge in Vorarlberg beschäftigt. „Trotz öffentlichem Auftrag sind bei den Bezirksbehörden zeit- und kostenaufwendige Verfahren nötig“, bemängelte er unter anderem in seinem Schreiben an Rauch. Der pauschale Schutz von Schmetterlingen und Käfern, ungeachtet ihres Gefährdungsgrades, berühre aber auch Schulen. Dies führe zu einem Desinteresse von Lehrkräften und Kindern und schade letztlich langfristig dem Naturschutz, meint Huemer. In Tirol wurden nur besonders gefährdete Arten für die Naturschutzverordnung vorgesehen, aber selbst für die besteht eine Ausnahme für Forschung und Lehre.

„Die Führer naturkundlicher Wanderungen bewegen sich ständig in einer Grauzone.“