Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Angst statt Freude

14.05.2019 • 09:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Den Augenblick selber haben vermutlich wenige klar in Erinnerung. Das Warten am Gang. Nervöse Finger nesteln nach einer Zigarette. Der ungewohnte Anzug kneift in den Achseln. Es dauert nicht lang und scheint doch eine Ewigkeit. Dann geschieht alles wie unter einem Nebel: Der Direktor, die Beisitzer, freundliche Gesichter. Er sagt etwas. Schulterklopfen, Händeschütteln … bestanden!

Die mündliche Matura bestanden. Damit endet die Schullaufbahn. Unwiderruflich. Nie mehr Pausenglocke, Tafelwischen, Stühle auf die Bänke stellen. Nie mehr Pizzaschnitte vom Schulkiosk und Bauchweh nach der Matheschularbeit. Nie mehr Elternsprechtag.

Der Augenblick hat sich nicht messerscharf eingebrannt. Wohl aber das Gefühl: Diese grenzenlos empfundene Freiheit. So, wie sich das Schultor hinter Dir schließt, tut sich die Welt vor Dir auf. Aus der Erinnerung erwacht das Gefühl von tausend und einer Möglichkeit. Dass es heute der Angst, „draußen“ nicht zu genügen, gewichen sein soll, ist kaum zu glauben. Aber immer öfter Realität. Angst statt Freude. Das ist bitter.

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