Bezirksgericht: „Bewusstloser“ mit zwei Promille verursacht verheerenden Unfall mit drei Verletzten

Vorarlberg / 17.05.2019 • 16:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der fatale Unfall im April 2018 in Lustenau zieht einen wahren Prozessmarathon bei Gericht nach sich. VLACH

Schuldfähig oder nicht? Das ist bei diesem ungewöhnlichen Prozess die Frage.

Dornbirn Es war fatal, damals in Lustenau. Der 39-jährige Autofahrer krachte frontal gegen einen Pkw, war mit 76 km/h definitiv zu schnell und zudem ungebremst unterwegs. Dann schoss er noch einen Lieferwagen ab, der seinerseits gegen einen Lastwagen prallte. Bilanz: drei verletzte Unfallbeteiligte und vier beschädigte Fahrzeuge.

Erschreckend war auch der anschließend gemessene Wert von zwei Promille Blutalkoholgehalt beim Unfallverursacher. Ein schockierendes Alarmsignal für den derzeit arbeitslosen, für zwei Kinder sorgepflichtigen Vater, dem nun existenzbedrohende Konsequenzen drohen. Mag seine verzweifelte Rechtfertigung nun wahr sein oder nicht, er pocht auf Schuldunfähigkeit: „Ich fiel vor dem Unfall in Ohnmacht, war plötzlich bewusstlos.“

Doch dagegen spricht einiges. Vor allem, dass sein Pkw im beschleunigten Zustand war und der Fuß damit auf das Gaspedal gedrückt haben muss. Nicht gut möglich im Zustand der Ohnmacht, sagt die Medizin.

Fragen über Fragen

Ein Prozessmarathon beim Bezirksgericht Dornbirn folgt. Verteidiger Winfried Mutz zieht bei der zweiten Verhandlung alle Register, um seinen Mandanten zu entlasten. Er konfrontiert den Innsbrucker Gerichtsmediziner Peter Rabl, dem die medizinischen Unterlagen des Unfalllenkers vorliegen, während einer Videokonferenz mit einem Komplex von fachlichen Fragen. „Ist etwa eine Verkrampfung der Muskulatur im Zustand der Ohnmacht möglich? Gab es bei der Untersuchung meines Mandanten Hinweise auf Epilepsie? Könnten neurologische Aspekte verantwortlich gewesen sein?“ und so weiter.

Rabl stellt klar: „Ausschließen kann man in der Medizin nichts mit völliger Sicherheit, doch gab es beim Betreffenden keine Hinweise auf neurolgische Ursachen, die zudem nicht zu meinem Fachgebiet zählen.“ Doch eine Verkrampfung von Gliedmaßen bei Bewusstlosigkeit wie etwa eines Fußes auf dem Gaspedal? Das möchte der Gerichtsmediziner dann doch ausschließen. Und führt ein Beispiel an: „Bei unseren Obduktionen fallen regelmäßig Leute in Ohnmacht. Doch sie erschlaffen dabei, torkeln und und verkrampfen sich dabei nicht.“

Bei unseren Obduktionen fallen regelmäßig Leute in Ohnmacht, doch sie verkrampfen sich dabei nicht.“

Peter Rabl, Gerichtsmediziner

Keine beruhigenden Aussagen für den Beschuldigten. Dann gibt es noch unmittelbare Zeugen des Unfalls. Einer von ihnen berichtete, dass der Angeklagte nach den Kollisionen versucht habe, den Motor anzulassen. Man wird ihn noch befragen. Der Verteidiger beantragt ein neurologisches Gutachten, Richter Frank Plasinger vertagt den Prozess.