Zeugin der Bluttat von Dornbirn erzählt: „Die schrecklichen Bilder werden mir wahrscheinlich niemals aus dem Kopf gehen“

Vorarlberg / 27.05.2019 • 09:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
David wurde vor Jessicas* Augen erstochen. Im Gespräch mit den VN schüttet sie ihr Herz aus. VN/STEURER

Nach dem gewaltsamen Tod ihres Freundes schwebt Jessica* zwischen unendlicher Trauer und Hoffnung.

Schwarzach Mit einem Taschentuch wischt sich die junge Vorarlbergerin ihre Tränen vom Gesicht. Denn noch immer hat sie jene furchtbaren Bilder vor Augen, die die 24-jährige so schnell nicht loswerden wird. Es war am Abend des 26. April, als ihr 27-jähriger Partner David in der Nähe der ÖBB-Haltestelle in Dornbirn-Haselstauden von einem feigen Täter erstochen wurde. Vor ihren Augen. „Es war der schlimmste Tag in meinem Leben. Die schrecklichen Bilder der Tat werden mir wahrscheinlich niemals aus dem Kopf gehen“, versucht Jessica dieses Trauma in Worte zu fassen.

Und sie tut es im Gespräch mit den VN. Ja, sie will ihr Herz ausschütten, will mitteilen, was sie so quält nach diesem furchtbaren Verbrechen an David, zu dessen unmittelbarer Zeugin sie werden musste.

Seit 2018 ein Paar

Seit Ende 2018 waren der gelernte Koch David und Jessica ein Paar und bis über beide Ohren verliebt, sie hatten gemeinsame Zukunftspläne. „Wir haben noch so viel geplant. Wir wollten an die Adriaküste fahren, um dort Urlaub zu machen. Das geht nun leider nicht mehr“, erzählt sie.

Immer wieder habe David betont, wie glücklich er in der Beziehung sei und dass er sich vorstellen könnte, mit Jessica eine Familie zu gründen. „Wir haben auch darüber nachgedacht, uns zu verloben. Er sagte, er habe erst durch mich erfahren, was Liebe wirklich bedeutet.“ Neben Jessica war es auch seine Familie, mit der David ein überaus liebevolles Verhältnis pflegte. „Sie waren ein Herz und eine Seele. Er hat seine Mutter über alles geliebt. Der Schock sitzt natürlich auch bei ihr tief“, sagt die 24-Jährige.

„Immer für alle da“

Für Jessica war David ein warmherziger, lustiger und offener Mensch. „Er war immer für alle da und sein Humor einzigartig“, erzählt sie und kann sich bei den Erinnerungen an die gemeinsamen Erlebnisse trotz ihrer Trauer ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Jede freie Minute hätten die frisch Verliebten miteinander verbracht. Eine gemeinsame Wohnung teilten sich die Dornbirnerin und der Harder allerdings noch nicht. „Wir haben uns trotzdem jeden Tag gesehen und waren glücklich“, erzählt die junge Frau, die heute in einer Wohngemeinschaft lebt.

Glück und Trauer liegen oft nahe beieinander, das hat auch Jessica am eigenen Leib erfahren, wie sie im Gespräch unter Tränen erzählt. „Ich bin zwei Tage vor seinem Tod Tante geworden. Das ist ein Lichtblick und macht mich glücklich in dieser schwierigen Zeit. Es gibt mir die Kraft, weiterzumachen.“

Traumatherapie

Jessica, die gelernte Bäckerin ist und derzeit eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau macht, versucht die schrecklichen Erlebnisse nun im Rahmen einer Traumatherapie zu verarbeiten. Für die Zukunft wünscht sich die 24-Jährige, wieder ihren alten Beruf als Bäckerin einzusteigen und ein glückliches Leben zu führen, aber: „Es tut noch immer sehr weh. Ich vermisse ihn jede Sekunde. David wird für immer in meinem Herzen bleiben.“ VN-tag, gs

  • Name von der Redaktion geändert

Das Gewaltverbrechen am 26. April in Dornbirn ist noch nicht geklärt und der Mörder noch flüchtig. Es war an einem Freitagabend, als die alarmierte Polizei und ein Notarzt auf dem Betriebsgelände in der Nähe der Haltestelle Dornbirn-Haselstauden den 27-jährigen Mann mit massiven Verletzungen im Bauchbereich, die von Messerstichen herrührten, aufgefunden haben (die VN berichteten). Für das Opfer kam jede Hilfe zu spät. Die Tat dürfte im Umfeld des Suchtgiftmilieus geschehen sein. Der Täter ist zu Fuß geflüchtet. Inzwischen hat das Landeskriminalamt Fahndungsfotos des Tatverdächtigen herausgegeben. Es handelt sich dabei um einen etwa 180 cm großen, 20 bis 30 Jahre alten Mann mit dunklem Teint, kurzen braunen Haaren und auffallend buschigen dunkeln Augenbrauen, der mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Großraum Serbien stammt. 

Die Polizei fahndet nach diesem Mann.
Die Polizei fahndet nach diesem Mann.
Die Bilder des Gesuchten wurden von einer Überwachungskamera in einem öffentlichen Verkehrsmittel aufgenommen.  Polizei

Die Bilder des Gesuchten wurden von einer Überwachungskamera in einem öffentlichen Verkehrsmittel aufgenommen.  Polizei