Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Das Wunder Demokratie

Vorarlberg / 04.06.2019 • 18:28 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Immer ein wenig an einen gütigen Großvater erinnernd, mit gut verständlichen Botschaften im Gepäck, tritt der Bundespräsident dieser Tage an die Öffentlichkeit. Einmal verlangt ihm das Protokoll ab, die nötigen Paragraphen zu zitieren. Ihm passiert ein ungewöhnlich langer Satz. Dafür entschuldigt er sich.

Van der Bellen wirbt um Vertrauen. Er sucht Verständnis. Deshalb zeichnet er Bilder. Im schwierigsten Augenblick sprach er von der „Schönheit, um nicht zu sagen Eleganz“ der österreichischen Bundesverfassung. Ein andermal nannte er sie „die Landkarte“, die uns sicher durch die Untiefen der nächsten Monate führen werde. Die wenigsten hätten Poesie erwartet. Sie hat sehr gutgetan.

Auch Krisen haben ihr Gutes. Wir erleben in diesen Tagen das Wunder einer funktionierenden Demokratie. Wenn die Staatsführung strauchelt, greift ein Notfallplan. Gespräche hinter Tapetentüren, Übergangsregierung, Neuwahl. „Alles ganz normal“, sagt der Präsident. In Staaten ohne demokratische Tradition wäre in den Straßen vielleicht geschossen worden. Bei uns knallten höchstens die Sektkorken.

Thomas Matt

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