In Röthis wird der Schlaf erforscht

04.06.2019 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Bewohner des Vorderlandhuses bekommen wissenschaftliche Unterstützung mit dem Ziel, dass sie besser schlafen können.

Forschungsprojekt der FH Vorarlberg in Kooperation mit Samina im Vorderlandhus hat Ziel, den Schlaf älterer Menschen zu verbessern.

Gernot Schweigkofler

Röthis Es ist ein sperriger Titel, den ein Forschungsprojekt der FH Vorarlberg trägt, das derzeit gemeinsam mit dem Bettenhersteller Samina und dem Vorderlandhus in Röthis läuft: „Individuelle Konfiguration von AAL-Lösungen am Beispiel von Maßnahmen zur Verbesserung der Schlafqualität älterer Menschen“. Im Kern geht es dabei um „Ambient Assisted Living“ (AAL), das sind sogenannte altersgerechte Assistenzsysteme. Darunter versteht man Hightechsysteme, die helfen sollen, die Aufrechterhaltung oder sogar Steigerung der Lebensqualität älterer Menschen zu unterstützen. Unsere Gesellschaft wird älter, die Pflegebedürftigkeit wächst. Es ist also ein Zukunftsthema, dem sich hier ein Team um Professor Guide Kemper von der Fachhochschule widmet. 285.000 Euro werden in das Projekt investiert, das bis Ende 2019 laufen soll. Der Schlaf ist zentral, wenn es um Lebensqualität, Gesundheit und Wohlbefinden geht. Gleichzeitig klagen 80 Prozent der Menschen über einen schlechten, gestörten, zu kurzen und insgesamt nicht erholsamen Schlaf.

Im Alter verschlechtert sich der Schlaf auf mehreren Ebenen, das zeigen Studien. Die innere Uhr gerät außer Kontrolle, häufigeres Schlafen unter Tag („Nickerchen“) sind die Folge, in der Nacht schläft man dann schlechter. Senioren schlafen weniger schnell ein und wachen in der Nacht leichter auf. Das wird durch weitere Faktoren, wie etwa Lärm, Lichtreize, schlechte Kissen, Nebenwirkungen von Medikamenten und ähnliches noch verstärkt.

Vier Räume analysiert und optimiert

Im Vorderlandhus haben jetzt die Forscher der FH und die Schlafexperten von Samina gemeinsam mit dem Team um Geschäftsführer Erich Gruber erst einmal die aktuelle Lage des Schlafes der Bewohner erhoben. In vier repräsentativen Zimmern wurde das Raumklima erhoben, wurden Lichtmessungen durchgeführt und auch mögliche elektromagnetische Belastungen untersucht. Dann wurden Verbesserungsmaßnahmen entwickelt. In einem ersten Schritt wurden im Jänner des Jahres die Schlafplätze optimiert.

„Wir waren überrascht, wie schnell die Maßnahmen zu einer massiven Verbesserung der Schlafqualität geführt haben.“

GF Erich Gruber

„Wir waren überrascht, dass die getroffenen Maßnahmen bereits innerhalb von zwei, drei Nächten eine massive Verbesserung von Schlaf- und Erholungsqualität gebracht haben“, staunt Gruber über das Ergebnis. Weitere Schritte sollen nun mit dem Team der FH umgesetzt werden. Professor Kemper ist überzeugt, dass das Beispiel Vorderlandhus Schule machen kann: „Diese Pionierleistung sollte auch ein Signal an die Öffentlichkeit und Politik sein, sich künftig auch in anderen Sozialeinrichtungen dieses Themas anzunehmen und von den Erfahrungen des Forschungsprojekts zu profitieren.“