Vorarlbergs Gasthofsterben: Gastronomen, die dem Negativtrend trotzen

15.06.2019 • 05:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lokal, Laden und Kino: Gunter Fetz betreibt den Jöslar in Andelsbuch erfolgreich. VN/LERCH

Vierter Teil der VN-Gasthofserie: Konzepte, Kooperationen und neue Impulse sagen dem Gasthaustod den Kampf an.

Andelsbuch, Feldkirch Meldungen von traditionellen Gasthäusern, die ihre Pforten schließen müssen, sind in aller Munde. Vorarlbergs Gastronomie steht derzeit vor vielen Herausforderungen. Und tatsächlich: 500 Gasthöfe und -häuser haben in den vergangenen 50 Jahren geschlossen. „Trotz allem darf aber nicht vergessen werden, dass es auch sehr vielfältige neue Impulse und Kooperationen von und für Gastronomen gibt“, erklärt Johannes Herburger, der in einer Studie die dörfliche Gasthaussituation im Land erforscht hat.

Mitten im 3000-Seelen-Ort Andelsbuch betreibt etwa Gunter Fetz seit mittlerweile sechs Jahren überaus erfolgreich den Jöslar. Außen unscheinbar, eine renovierte alte Bauernwirtschaft, die im Jahr 1941 nach einem Brand wiederaufgebaut wurde. Innen eine gemütliche Gaststube, ein großer Ofen, knarrende Holzdielen, im Zentrum ein großer Tresen.

In-Lokal in Andelsbuch

 Als Glücksfall bezeichnet Fetz das Angebot, das er 2013 als Pächter angenommen hat. Das Gebäude brannte Anfang der 1940er-Jahre komplett nieder und wurde damals renoviert. „Deswegen sieht es auch nicht aus wie ein typisches Wälderhaus“, erklärt Fetz, der hier nicht nur ein Lokal im klassischen Sinne betreibt. Der Jöslar versteht sich vor allem als Begegnungsstätte. Die Speisekarte hält Fetz, der zuvor schon das Tritsch in Egg betrieb und einige Jahre den Spielboden in Dornbirn führte, schmal.

 Das alte Wirtshaus in Andelsbuch wurde von Gunter Fetz einfühlsam revitalisiert. VN/Lerch
Das alte Wirtshaus in Andelsbuch wurde von Gunter Fetz einfühlsam revitalisiert. VN/Lerch
Hreysa/Volare

Mit dem Hans-Bach-Lichtspieltheater findet einmal im Monat ein Kinoabend in der urigen Stube statt. In einem Nebenraum werden im Laden regionale Artikel angeboten. „Das Konzept Wirtshaus, Laden, Bar und Kino ergab sich aus dem, was vorhanden war.“ Seinen Beruf macht Fetz vor allem der Menschen wegen gerne, auch wenn mitunter die Kalkulierbarkeit ein Problem sei: „Im Vergleich zu anderen Branchen bestimmen die Gäste das Arbeitstempo“, gibt er zu bedenken. Im Bregenzerwald, der im Vergleich zu anderen Regionen Vorarlbergs noch eine relativ hohe Gasthaus-Dichte aufweist, fehlen aber gerade jungen Menschen die Einkehrmöglichkeiten. Fetz hat einiges getan, damit er nicht nur, aber auch für eine jüngere Zielgruppe attraktiv bleibt.

Plattformen für Gastronomen

Apropos junge Menschen: Im Schützenhaus in Feldkirch setzt man beim Personal gezielt auf sie, gleich sieben Lehrlinge sind hier im Einsatz. „Für mich gibt es keinen besseren Beruf und nichts Schöneres, als wenn glückliche Gäste das Lokal verlassen. Das möchte ich meinen jungen Mitarbeitern, die sich untereinander super verstehen, weitervermitteln“, sagt Matthias Müller vom Schützenhaus, der auch Obmann des Jungen Gastgewerbes ist. In Vorarlberg umfasst der Verein 140 Mitglieder. „Solche Plattformen helfen dabei sich auszutauschen und in Kontakt zu bleiben“, sagt Müller. „Am Ende des Tages muss aber trotzdem jeder auf sich selbst achten“, stellt der Feldkircher unmissverständlich klar.

Matthias Müller, Obmann des Jungen Gastgewerbes und Wirt im Schützenhaus, setzt auf ein junges Team.

Wiedereröffnung eines Gasthauses in Frastanz

Dass Dorfgasthäuser in Vorarlberg nicht nur schwinden, sondern durchaus auch neue Konzepte vorhanden sind, zeigt ein Blick nach Frastanz. Dort will Dietmar Bertschler Mitte Juli das Gasthaus Zur frohen Aussicht wiedereröffnen. Der 51-Jährige hat das Gebäude vor acht Jahren erworben und setzt dabei wie Fetz ebenfalls auf eine Nische. Er will selbstgemachte Ravioli aus regionalen Zutaten anbieten: „Dabei stehen die Aspekte Ökologie und Klimaschutz im Mittelpunkt“, erklärt Bertschler.

Der Gasthof Zur frohen Aussicht war 1973 eines der ersten türkischen Lokale in Vorarlberg. Ab Mitte Juli will Dietmar Bertschler wieder Gäste empfangen.

Die Gastronomie ist kein leichtes Pflaster, darüber ist man sich einig. Gäste würden außerdem oft nicht sehen, welcher Aufwand hinter den Speisen oder Getränken stehe. „Die Gastronomie steht unter einem hohen Kostendruck. Der Gast muss wieder anerkennen lernen, dass eine frisch zubereitete Mahlzeit in einem Gasthaus ihren Preis hat. Hier und auch in anderen Bereichen sollten die Gastronomen mit mehr Selbstvertrauen auftreten“, sagt Herburger. „Die Wirte müssen es künftig schaffen, über den eigenen Tellerrand zu schauen und sich Zeit für Kooperationen zu nehmen.“ Damit soll sichergestellt werden, dass es auch in Zukunft Dorfgasthäuser gibt. Denn ohne Dorfgasthaus kein Dorfleben – und umgekehrt.