Sexualkunde nur mit Bewilligung

Geplantes Verbot externer Experten stößt auf Kritik. Strengere Zulassung gefordert.
WIen Homosexualität sei ein heilbares Identitätsproblem, Selbstbefriedigung schädlich und Enthaltsamkeit vor der Ehe anzuraten. Das fand sich in den Unterlagen des christlichen Sexualkundevereins TeenStar, der in mehreren Schulen, auch in Vorarlberg, zum Unterricht ausrückte. Die Aufregung war groß, der damalige ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann reagierte. Künftig sollen nur noch externe Vereine und Experten zur Sexualerziehung an Schulen dürfen, wenn diese ein Zulassungsverfahren durchlaufen haben.
Den Abgeordneten von ÖVP und FPÖ ist das zu wenig. Sie haben sich auf einen Antrag geeinigt, wonach nur noch Lehrer für eine „altersgerechte und weltanschaulich neutrale Sexualerziehung“ zuständig sein sollen. Externe Vereine hätten an Schulen nichts verloren, erläutert Rudolf Taschner (ÖVP). Nur Lehrer könnten eine sachliche Vermittlung garantieren, ist Wendelin Mölzer (FPÖ) überzeugt.
Die Vorarlberger Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) sieht das anders. „Die externen Vereine im Bereich Sexualpädagogik leisten an unseren Schulen sehr gute Arbeit. Sollten diese aus dem Unterricht ausgeschlossen werden, würden unsere Lehrpersonen mit einem zusätzlichen Thema belastet, das sehr sensibel ist und bei dem sich Kinder einer fremden Person vielleicht leichter öffnen.“ Der Antrag von ÖVP und FPÖ entspreche nicht dem Weg, den man in Vorarlberg gehe.
Derzeit entscheiden die Schulen zusammen mit den Eltern, welche Vereine oder Experten sie holen, fährt Schöbi-Fink fort. Die Schulaufsicht hätte die Anbieter bisher nicht geprüft. Das von Faßmann geplante Zulassungsverfahren hätte die Landesrätin aber befürwortet. Auch der oberste Lehrergewerkschafter in Österreich, Paul Kimberger, sprach sich von Beginn an dafür aus. Den VN erklärt er: „Ich hätte mir ein strenges Akkreditierungsverfahren gewünscht.“ Zum Beschluss von Volkspartei und Freiheitlichen sagt er: „Damit bin ich nicht besonders glücklich.“
Auch der Obmann des Vorarlberger Elternverbands, Michael Tagger, bezeichnet externe Experten für den Sexualkundeunterricht als sinnvoll. Wie er sieht auch der Vorarlberger Familienverband das künftige Verbot äußerst kritisch. „Wir haben von vielen Eltern und Lehrern gehört, dass sie sehr gute Erfahrungen mit verschiedenen Organisationen gemacht haben“, erklärt Obfrau Doris Simma. Kinder seien auf Grund der technischen Entwicklung immer früher mit sexualisierten Inhalten konfrontiert, da seien Workshops wichtig. Dabei gehe es ja nicht nur um Sexualität im Generellen, sondern auch um Fragen des Selbstwerts und darum, zu lernen, die eigenen Bedürfnisse auszudrücken und auch Nein sagen zu lernen. Simma, die selbst Lehrerin ist, glaubt, dass Sexualkunde manchen Lehrern auch unangenehm sein könnte, wobei sie keinem die Kompetenz dazu absprechen möchte: „Aber ich glaube, dass es die bessere und fortschrittlichere Lösung war, externe Profis für die Sexualkunde an Schulen hinzuzuziehen. Das zu verbieten, ist ein Schritt zurück.“
„Externe Profis für die Sexualkunde an Schulen zu verbieten, ist ein Schritt zurück.“
„Ich bin für ein strenges Akkreditierungsverfahren. Mit dem Verbot bin ich nicht glücklich.“
