Littering bleibt das große Problem

28.06.2019 • 17:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Helmut Weissenbacher aus Hohenems hat Initiative ergriffen: Er hat eine Müllfibel erstellt und hofft, damit die Bevölkerung zu sensibilisieren. VN/Prock
Helmut Weissenbacher aus Hohenems hat Initiative ergriffen: Er hat eine Müllfibel erstellt und hofft, damit die Bevölkerung zu sensibilisieren. VN/Prock

Verordnung zeigt kaum Wirkung. Ein Hohenemser hat das nun dokumentiert.

hohenems vor wenigen Tagen. An der Seite der Fahrradunterführung am Bahnhof steht ein Kinderwagen. Vom Besitzer fehlt jede Spur. Der Wagen ist kaputt, jemand hat ihn auf dem Gehsteig entsorgt. Warum auch nicht, ein anderer wird ihn schon verschrotten, oder? Selbst Autos werden in der Hoffnung, dass der Besitzer nicht mehr gefunden wird, in Seitengassen geparkt. Nicht nur die großen Müllsünden kosten die Allgemeinheit viel Geld. Weggeworfene Plastikflaschen und Papierschnipsel sind zum großen Ärgernis geworden. Vergangenes Jahr wurde in Vorarlberg deshalb die Littering-Verordnung erlassen. Der erhoffte Effekt blieb bisher jedoch aus.

Als Littering wird das achtlose Wegwerfen von Abfall bezeichnet. Durch die Verordnung können dafür bis zu 60 Euro Strafe blühen. Wer Helmut Weissenbacher zuhört, bezweifelt, dass sich jemand davon beeindrucken lässt. Der Hohenemser hat sich des Themas angenommen und einen Bildband erstellt: die Emser Müllfibel. Weissenbachers Feststellung stimmt, sagt Herbert Koschier, Geschäftsführer des Vorarlberger Umweltverbands. Denn ohne Kontrolle sei die Littering-Verordnung zahnlos.

Littering-Dokumentation

Helmut Weissenbacher ist 59 Jahre alt und lebt seit 1983 in Vorarlberg. Er fährt viel mit dem Fahrrad und verbringt viel Zeit in der Natur. „Wer mit offenen Augen durch Vorarlberg läuft, findet jeden Tag viel Müll am Straßenrand“, ärgert er sich. „Einmal hatte ich den Fotoapparat dabei.“ Und schon war das erste Litteringfoto entstanden. In wenigen Tagen knipste er mehr als 50 Fotos von Abfall an verschiedenen Orten in Hohenems. Daraus hat er nun eine Müllfibel gebastelt. „Es ist nur ein kleiner Beitrag. Aber wir reden über Weltmeere, über Plastikinseln, und bringen es nicht einmal im Kleinen her?“, stellt er fest. Darauf möchte er aufmerksam machen.

Mehr als drei Millionen Euro kostet es die Gemeinden jährlich, den herrenlosen Abfall einzusammeln und zu entsorgen. Die Littering-Verordnung sollte dem Einhalt gebieten. Laut Umweltverband-Chef Koschier wird im Herbst untersucht, ob das Vorhaben funktioniert hat. Allerdings zweifelt er schon jetzt daran: „Die Effektivität steigt und fällt mit der Präsenz vor Ort.“ Und die sei nicht groß. „Deshalb wird sie wenig Wirkung haben, Kontrollen finden eigentlich nicht statt.“

Die Verordnung sieht nicht sofort Strafen vor. Wird ein Übeltäter erwischt, sollten ihn die Kontrolleure zunächst darauf aufmerksam machen, den Müll aufzusammeln. Tut er das, ist die Sache erledigt. Erst danach kostet‘s. Im Bezirk Bregenz wurde laut BH bisher eine solche Strafe verhängt.

Weissenbacher betont, dass Hohenems nur exemplarisch ist: „Es bietet sich in allen Gemeinden dasselbe Bild. Selbst in den Bergen findet man Abfall.“ Seine Fibel möchte er nun Bürgermeister Dieter Egger präsentieren. Die Lösung sieht Weissenbacher allerdings auch nicht im Strafen: „Es braucht ein Pfandsystem für Plastikflaschen und Dosen wie in Deutschland.“ Damit ist er mit Herbert Koschier einer Meinung.

Zumindest den großen Müllsündern kommt der Gesetzgeber oft auf die Schliche. Sie hinterlassen Spuren in ihren Autos oder Kinderwagen, werden ausfindig gemacht und angezeigt. Aber das hat es schon vor der Verordnung gegeben.

„Wer mit offenen Augen durch Vorarlberg läuft, findet jeden Tag viel Müll am Straßenrand.“