Auf der Letze: Anrainer machen neuerlich Druck auf Entlastung ihres Lebensraums

Vorarlberg / 30.06.2019 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Emma, Chiara und Jana mit ihrem Verkehrskonzept für die Letze.HE

Nase voll vom Schleichverkehr.

Frastanz, Feldkirch Was passieren kann, wenn sich die Anrainer gegen die alltäglich durch ihr Wohngebiet rollende Blechlawine zusammentun, das zeigt eine jüngst entstandene Initiative auf der Letze. Sowohl auf
Frastanzer als auf Feldkircher Seite schlossen sich Bürger zusammen, um mit nicht alltäglichen Protestaktionen auf das alltägliche Verkehrschaos in Zeiten des Berufsverkehrs aufmerksam zu machen.

Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt, ungefähr ebenso lang wird um eine Lösung gerungen. Eine Lösung versprechen sich die Stadtplaner Feldkirchs von der Tunnelspinne, deren geplanter und nun durch das Bundesverwaltungsgericht genehmigter Bau sich aber einige Jahre hinziehen wird. So lange wollen die Letzebewohner nicht warten.

Dichter Verkehr

Mitten durch enge einspurige Straßen rollt in Fellengatter und auf der Letze werktags ein dichter Berufsverkehr nach Liechtenstein, der speziell zu Stoßzeiten für Fußgänger und Radfahrer fast kein Durchkommen mehr ermöglicht. Engstellen sind vor allem die Straße „Im Buchholz“ beim Letzekloster am Übergang zum Schanzweg sowie die Letzestraße an der „Schanze“ am Ortseingang von Feldkirch. An der Letzestraße liegt auch der Spielplatz „Im Holzbild“ , der zu Fuß im Berufsverkehr schwer erreichbar ist.

Mit wiederholten Protestaktionen machen die Bewohner auf sich aufmerksam.
Mit wiederholten Protestaktionen machen die Bewohner auf sich aufmerksam.

Bunter Protest

Anfang Juni begannen Anrainer der Letze nun mit einem außergewöhnlichen Protest auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Zur sogenannten Rush Hour wurden die Heckenscheren aus der Garage geholt, um Gartensträucher an den betroffenen Straßen zu schneiden, Fahrräder mit Anhängern und Tretroller begaben sich auf Spazierfahrt, mit Kinderwägen wurde zum Spielplatz gefahren.
Nicht zuletzt wurden alle privaten Einfahrten gesperrt, sodass es kein Vor und Zurück mehr gab. Am Tag vor Fronleichnam wurde die Aktion wiederholt. Wieder einmal wurde so der unliebsame Schleichverkehr stark verzögert. Allerdings war auch für die Stadtbuslinie 7 ein Durchkommen kaum mehr möglich.

Politik reagiert

Die Stadt Feldkirch äußert Verständnis für den Unmut der Letzebewohner, erklärt aber, ihr Handlungsspielraum sei begrenzt. „Es dürfen keine Maßnahmen getroffen werden, die die Situation an der Bärenkreuzung verschlechtern, nach Immissionsschutzgesetz“, erklärt Gabriele Graf, Ortsvorsteherin von Tisis. Ebenso äußerte sich Bürgermeister Wolfgang Matt. Allerdings hat sich Feldkirch selbst einer Ausweichmöglichkeit beraubt, als der Durchgangsverkehr durch die Vorstadt vorbei am Ill-Park geschlossen wurde. Der Planungsausschuss der Stadt Feldkirch hat zur Sicherstellung eines reibungslosen Busverkehrs nun eine Ampelregelung empfohlen, die im Sommer umgesetzt wird.

Im Rahmen eines Treffens in großer Runde mit den Bürgermeistern, Ortsvorstehern sowie den zuständigen Verkehrspolitikern der Gemeinden werden nun weitere Schritte beraten. Luis Neyer, Ortsvorsteher von Fellengatter, will sich dabei für die Belange der Letze-Bewohner einsetzen und sieht die Problematik in der Zunahme des Individualverkehrs: „Früher gab es mehr Werksverkehr zu den Firmen Presta und Hilti. Heute fährt jeder allein. Ein sicherer Zugang zu unserem Kinderspielplatz muss gewährleistet sein.“

„Das tägliche Verkehrschaos zeigt, dass die Straßen nicht für den Schleichverkehr gedacht sind. Viele Anwohner auf der Letze legen kurze Strecken oft nicht mehr zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück, weil es viel zu gefährlich ist. Es ist ein Wunder, dass noch keine folgenschweren Unfälle passiert sind“, erklärt Ralf Greiner, der sich in der Initiative gegen das Verkehrschaos engagiert. Gefordert werden ein Überfahrtsverbot zwischen 16 und 19 Uhr und sofortige Maßnahmen zur Reduzierung der Geschwindigkeit und Erschwerung des täglichen Schleichverkehrs. Mit weiteren spontanen Aktionen will die Initiative auch weiterhin auf die Problematik hinweisen. HE