Treffsichere Tarifstaffelung in der Kinderbetreuung

Vorarlberg / 05.07.2019 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Den Kindern im Land wird bei der Betreuung großes Augenmerk geschenkt. ELISABETH MEZNAR

Evaluierung bestätigte den Nutzen dieser Maßnahme.

Bregenz Die in der Kinderbetreuung sozial gestaffelten Tarife sind offenbar relativ treffsicher. Das bestätigt laut Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker auch der von ihr gestern Freitag vorgelegte Evaluationsbericht. Von den 2847 Leistungsbeziehenden des vergangenen Jahres fanden sich die meisten in der Staffelungsstufe 1. Das heiß, sie bezogen Mindestsicherung und/oder Wohnbeihilfe oder ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle. Die Kosten für maximal 25 Betreuungsstunden liegen für diesen Personenkreis bei 20 Euro monatlich. Die Inanspruchnahme der Staffelungsstufe 1 ist im Vergleich zu 2017 übrigens deutlich gestiegen. Damals machte ihre Zahl 2422 aus. „Die Evaluation zeigt, dass die soziale Staffelung ihre primäre Zielgruppe, nämlich vor allem berufstätigte, arbeitssuchende oder in Ausbildung befindliche Eltern nahezu optimal erreicht und entlastet“, zog Wiesflecker eine insgesamt positive Bilanz.Die Untersuchung wurde von Prof. Frederic Fredersdorf vom Forschungszentrum Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der FH Vorarlberg durchgeführt.

Vereinbarkeit und frühe Förderung

Die Landesrätin sprach sogar von einem sozialpolitischen Meilenstein, der dank Investitionen in den stetigen Ausbau der Kinderbetreuungsangebote, die Qualitätsentwicklung vor allem beim Personal sowie die Leistbarkeit der Betreuung in den vergangenen fünf Jahre gesetzt worden sei. Dadurch könne die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und auch die frühe Förderung der Kinder vieler Familien gelebt werden. Damit Kinderbetreuung für möglichst alle Familien leistbar ist, wurde ein landesweit einheitliches, sozial gestaffeltes Modell für die Elterntarife entwickelt. Seit der Einführung dieses Modells 2016 hat das Land die Tarife mit 895.000 Euro gefördert. Die Staffelung erfolgt in vier Stufen. Frederic Fredersdorf unterstrich, dass leistbare Kinderbetreuung prekäre Lebenslagen verbessere. Seinem Bericht zufolge nehmen Eltern diese Leistung signifikant häufiger in Anspruch, je niedriger sie gebildet sind, je mehr minderjährige Kinder unter 18 Jahren im Haushalt leben und je geringer das monatliche Haushalts-Nettoeinkommen ist. Vollzeit- und Teilzeit-Berufstätige seien häufiger in der Lage, durch diesen Bezug wieder arbeiten gehen zu können. Migrantische Zielgruppen mit nichtdeutscher Muttersprache verbessern ihre familiäre Lebenssituation stärker als deutschsprachige Zielgruppen.

Noch ausbaufähig

Fredersdorfs Fazit: Die leistbare Kinderbetreuung erreicht primäre Zielgruppen, ohne sie zu stigmatisieren, und sie entlastet Leistungsbeziehende materiell wie immateriell. Optimierungspotenzial gebe es jedoch in Konzeption, Vermittlung und Umsetzung und in den Staffelungsstufen 2 bis 4 sei das Modell noch ausbaufähig. Die Leistungsbeziehenden wiederum bewerten die soziale Tarifstaffelung überwiegend positiv.