VN-Serie Teil 1: Der Chef der Mordkommission erzählt

Vorarlberg / 13.07.2019 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Norbert Schwendinger (60) war elf Jahre Leiter des Vorarlberger Morddezernates und bearbeitete 28 vollendete und 60 versuchte Mordfälle. In den VN schildert er die aufsehenerregendsten Fälle. VN/PAULITSCH

Fall Mihavecs und Zuhälterkriege: Norbert Schwendingers Anfänge bei der Gendarmerie.

Schwarzach Die berufliche Karriere eines jeden Polizisten beginnt mit dem Streifendienst. So war es auch beim Dornbirner Norbert Schwendinger. Im Jahr 1979 war er dem damaligen Gendarmerieposten Höchst zugeteilt, musste aber gleichzeitig noch den Grundwehrdienst beim Bundesheer absolvieren. „Irgendwie ein Glück“, sagt der heute 60-Jährige, denn der April 1979 war ein Schicksalsmonat, der Vorarlberg in die Weltpresse brachte. Ein „höchst peinlicher“ Schicksalsmonat, denn damals wurde der Bregenzer Andreas Mihavecs im Höchster Gemeindekotter wegen eines Verkehrsdeliktes eingesperrt und 18 Tage lang darin vergessen. Er überlebte ohne Nahrung wie durch ein Wunder. Doch Schwendinger war in keiner Form daran beteiligt.

Beim Rapport

„Ich war damals beim Bundesheer in Salzburg. Ein Unteroffizier befahl mich sofort zum Rapport und fragte mich, ob ich an dem peinlichen Fall beim Gendarmerieposten Höchst beteiligt gewesen sei“, lacht der angehende Pensionsist heute. Die Sache hatte auch später noch Auswirkungen. „Bei Verkehrsüberschreitungen sagten beanstandete Lenker, dass sie lieber gleich zahlen würden, um nicht eingesperrt zu werden“, erinnert sich Schwendinger. „So was prägt. Man kommt damit schuldlos zum Handkuss.“ Nach dem Fall Mihavecs änderte sich naturgemäß einiges. Musste sich ändern. „Früher hat man den Kollegen vor der Ablöse einen Zettel geschrieben, dass sich jemand im Arrest befindet. Heute ist man da präziser.“

Gefährliche Zeit

Die Jahre als Gendarm in Höchst zeichneten die berufliche Zukunft des Dornbirners auf recht spektakuläre Weise vor und wurden auch zu einem wesentlichen Kriterium für die neuen Aufgaben. „Es war die Ära der Zuhälterkriege und eine interessante, gefährliche Zeit. Ich wurde bereits Wochen und auch Monate als Assistent der Kriminalabteilung zugewiesen.“

„Weißt du, eigentlich sollte ich ja jemanden umbringen“

Aussage eines Zeugen aus dem Milieu gegenüber Norbert Schwendinger

Gewalt und Drohungen seien an der Tagesordnung gewesen, besonders im Nachtdienst. „Einem Gendarmeriekollegen wurde ätzende Säure über den Dienstwagen geschüttet“, erinnert sich Schwendinger. Bei ihm selbst sei einmal ein Mensch aus dem Milieu auf der Dienststelle vorstellig geworden. Doch nicht um zu drohen, sondern um zu gestehen: „Er sagte zu mir, weißt du, eigentlich sollte ich jemanden umbringen. Das hatte schlussendlich die Überführung von Verdächtigen zur Folge.“

Nach einem „kurzen Abstecher“ (Schwendinger) zum Gendarmerieposten Lochau fasste der Dornbirner ein anderes Karriereziel ins Auge und absolvierte einen Fachkurs in Mödling. Die Tür zur Kriminalabteilung stand offen.