Noch darf jeder am Flügel spielen

20.07.2019 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sebastian Reisch betreut den Flügel und ist Ansprechpartner für Fragen zum Sozialprojekt. RITTER
Sebastian Reisch betreut den Flügel und ist Ansprechpartner für Fragen zum Sozialprojekt. RITTER

Das Open Piano for Refugees steht noch bis morgen in Bregenz am See.

bregenz Es ist früher Nachmittag. Ein etwa zehnjähriger Bub sitzt an einem Flügel auf der Seepromenade und spielt „Take Me to Church“ von Hozier. Passanten bleiben stehen und hören zu. Der Junge bekommt großen Applaus.

Auf einer Decke neben dem Instrument sitzt Sebastian Reisch. Der 25-jährige Vorarlberger ist für die Betreuung des Flügels verantwortlich. Vor drei Jahren ist der Ski- und Schwimmlehrer mit den beiden Gründern des Projektes Open Piano for Refugees ins Gespräch gekommen.

Sozialprojekt von Vorarlbergern

Das Sozialprojekt wurde 2016 von den Vorarlbergern Udo Felizeter und Nico Schwendinger ins Leben gerufen. Sie stellen an mittlerweile etwa 50 Standorten in Österreich, Deutschland und der Schweiz ein öffentlich zugängliches Piano auf. Ihr Motto lautet: „Jeder darf darauf spielen, jeder darf zuhören.“ Die dabei gesammelten Spenden fließen in das soziale Musikinstitut DoReMi in Wien. Im DoReMi können Geflüchtete und sozial Benachteiligte zusammen mit Einkommensstärkeren Musikunterricht beziehen.  

Sebastian Reisch hilft ehrenamtlich bei diesem Sozialprojekt mit. Er betreut den Flügel an den Standorten im Westen Österreichs und Lindau. Zudem ist er Ansprechpartner für Fragen zum Sozialprojekt Open Piano for Refugees und kümmert sich um den täglichen Aufbau und Schutz des Instruments. Das Piano wurde eigens für dieses Projekt angeschafft. Dessen Wartung hat die Lindauer Firma Piano Schick, Klavierbau und Stimmung, kostenlos übernommen.

Nur bei schönem Wetter

Der Flügel wird insgesamt eine Woche lang am Vormittag aufgestellt und abends wieder abgebaut. Allerdings nur bei schönem Wetter.

Jetzt greift ein älterer Herr im Stehen in die Tasten, lässt aber einem jungen Mädchen den Vortritt. Es setzt sich an den Flügel, spielt ein klassisches Stück und wird dann von einer Touristin aus den Niederlanden abgelöst. So geht das den ganzen Nachmittag. Wenn gerade niemand spielt, setzt sich Sebastian Reisch an den Flügel. Er spielt seit 15 Jahren Klavier.

Morgen, Sonntag, ist der letzte Tag, an dem das Piano in Bregenz am See bespielbar ist. RIN