Krebshilfe braucht dringend mehr Personal

01.08.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Krebshilfe-Präsident Gebhard Mathis zieht Bilanz. VN/Paulitsch
Krebshilfe-Präsident Gebhard Mathis zieht Bilanz. VN/Paulitsch

Steigende Beratungszahlen machen eine Aufstockung nötig.

Dornbirn Dank verbesserter Behandlungsmöglichkeiten wird Krebs immer mehr zu einem Langzeitthema und damit zu einer dauernden Belastung für die Betroffenen. Das spürt vor allem die Krebshilfe. So stiegen die Beratungen im vergangenen Jahr um mehr als acht Prozent. Für 2017 weist die Statistik noch 3082 Beratungen aus, 2018 waren es schon 3350. Im Zeitraum von 2012 bis 2018 haben diese Leistungen um stattliche 43 Prozent zugenommen, denn die Medaille hat auch eine Kehrseite, die sich in mannigfaltigen Sorgen manifestiert. Um den Beratungsbedarf auch künftig decken zu können, hat die Krebshilfe um eine personelle Aufstockung um mindestens 15 Prozent angesucht. Wie Krebshilfe-Präsident Gebhard Mathis gegenüber den VN bestätigte, laufen diesbezüglich bereits Gespräche mit den Hauptfinanziers Land und Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK). Was den positiven Ausgang betrifft, gibt sich Mathis zuversichtlich.

Angst und Armut

Vorsorge und Früherkennung sind die Eckpfeiler im Kampf gegen den Krebs. „Viele Tumore können dadurch im heilbaren Stadium entdeckt werden“, erklärt der Krebshilfe-Präsident. Etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung nimmt an Vorsorgeprogrammen teil. Hier ortet Mathis aber noch Luft nach oben. Einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Krebssterblichkeit leistet außerdem die Medizin. Die Therapien werden zunehmend individueller und gezielter, die Fünf-Jahres-Überlebensraten nehmen deutlich zu. „Schritt für Schritt kommen wir weiter“, resümiert Mathis.

Doch eine Krebsdiagnose zeitigt Auswirkungen, selbst dann, wenn die Behandlung erfolgreich war. Es ist besonders die Angst vor einem Rückfall, der die psychische Befindlichkeit beeinträchtigt. Dazu kommt, dass eine Krebserkrankung direkt in die Armutsfalle führen kann, weil über einen längeren Zeitraum keine volle Beschäftigung möglich ist. Auch in solchen Fällen unterstützt die Krebshilfe. 2018 wurden aus Spendengeldern knapp 153.000 Euro für Notsituationen ausgegeben. Die Einführung der Wiedereingliederungsteilzeit im Juli 2017, die nicht zuletzt auf Druck der Krebshilfe zustande kam, hat die Situation etwas entschärft. Arbeitnehmer können die Arbeitszeit in Absprache mit dem Arbeitgeber bis zu einem halben Jahr auf 25 bis 50 Prozent reduzieren. In Vorarlberg haben bislang rund 200 Personen diese Möglichkeit in Anspruch genommen.

Persönlicher Kontakt bevorzugt

Das Angebot der Krebshilfe umfasst psychoonkologische Beratungen, klinisch-psychologische Behandlungen sowie Psychotherapie. „Wir sind für Betroffene, Angehörige, Verwandte und Freunde da, aber ebenso für das Helfer- und Pflegesystem“, betont Gebhard Mathis. Die meisten Anfragen (70 Prozent) kommen von den Betroffenen, die zweitgrößte Gruppe sind Angehörige, die sich häufig mit der Pflege und Begleitung des kranken Familienmitglieds überfordert fühlen. Es wenden sich dreimal so viele Frauen wie Männer um Unterstützung an die Krebshilfe. Bevorzugt wird der persönliche Kontakt, zugenommen hat inzwischen auch die telefonische Beratung.

Im vergangenen Jahr betrug das Budget der Krebshilfe 530.000 Euro. Die Hälfte davon stammt aus Spenden. Finanzielle Unterstützung leisten das Land sowie die Vorarlberger Gebietskrankenkasse. Einen Großteil ihrer Leistungen bietet die Krebshilfe kostenlos an.