Immer öfter im Krankenstand

Vorarlberg / 03.08.2019 • 15:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Vorarlberger sind durchschnittlich 8,8 Tage lang krank. Fotolia

Insgesamt gab es bei den Vorarlberger Beschäftigten 2018 mehr Krankheitsfälle und mehr Krankenstandstage.

SCHWARZACH Die Gesamtzahl der Krankheitsfälle stieg 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 8,1 Prozent auf 195.883 an, wie aus einem VN-Datenreport auf Basis aktueller Zahlen der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) hervorgeht. Gleichzeitig ist auch die Anzahl der Krankheitstage um 7,5 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Krankenstandsdauer ist hingegen leicht gesunken: Von 8,8 Tagen 2017 auf rund 8,7 Tage im vergangenen Jahr. Im Österreich-Vergleich hat Vorarlberg damit ein niedriges Niveau, lag 2017 die durchschnittliche Dauer bundesweit bei 12,5 Tagen pro Arbeitnehmer.

Obwohl sowohl die Krankheitsfälle als auch die Tage, in denen Vorarlberger Beschäftigte krankgeschrieben waren, zugenommen haben, ist dies für Herbert Fitz, Chefstatistiker der VGKK, kein Grund zur Besorgnis: „Die Zahlen bewegen sich alle im Normalbereich“, erklärt Fitz. Auch Rückschlüsse auf eine Steigerung der Krankenstandstage durch die umstrittene Einführung des Zwölf-Stunden-Tages im vergangenen September lassen sich laut Fitz derzeit noch nicht ziehen.
Insgesamt sind die Vorarlberger Beschäftigten 2018 rund 1,7 Millionen Tage aufgrund eines körperlichen oder psychischen Leidens nicht in der Arbeit erschienen, wobei mit 580.933 die meisten Krankenstandstage im Produktionsbereich verzeichnet wurden, gefolgt vom Handel (274.442), dem Gesundheits- und Sozialwesen (154.014) sowie der Baubranche mit 141.916 Tagen. Fitz verweist allerdings darauf, dass sich die hohen Zahlen in gewissen Branchen zum Teil aufgrund der höheren Zahl von Beschäftigten ergeben. „In diesen Daten sind aber nur jene Fälle berücksichtigt, die vom Arzt an die Krankenkasse gemeldet wurden“, gibt Fitz zu bedenken.

Steigender Druck

„Die zunehmende Belastung ist in allen Berufsgruppen spürbar“, weiß Nada Ivica, Leiterin des Arbeitsmedizinischen Zentrums Vorarlberg, aus ihrer täglichen Erfahrung. Zeit- sowie Termindruck und das Gefühl, auch nach Feierabend und am Wochenende ständig erreichbar sein zu müssen, belasten Arbeitnehmer zunehmend. „Für Familie bleibt vielfach keine Zeit mehr“, beobachtet die Arbeitsmedizinerin mit Sorge.

Umstände, die sich auch in den jüngsten Daten widerspiegeln. Allein seit 2012 ist die Zahl der Fehltage von VGKK-Versicherten aufgrund psychischer Erkrankungen von 147.795 auf 198.026 angestiegen, was einer Zunahme von rund 34 Prozent beträgt.

„Die zunehmende Belastung und der Druck ist in allen Berufsgruppen spürbar gestiegen.“

Nada Ivica, Fachärztin für Arbeitsmedizin

Depressionen, bipolare Störungen und Burnout haben längst den Arbeitsalltag der Beschäftigten erreicht und fallen aufgrund der oft langen Behandlung mit vielen Krankheitstagen ins Gewicht. „Psychische Belastungen müssen in jedem Arbeitsbereich evaluiert werden“, empfiehlt Nada Ivica. Aus Sicht der Arbeitsmedizinerin bräuchte es außerdem viel mehr Beratungen, sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber. „Gerade bei langwierigen Erkrankungen, wie zum Beispiel Burnout, brauchen Betroffene nicht nur ärztliche Unterstützung, sondern ebenso jene der Gesellschaft“, betont die Expertin im Gespräch mit den VN.

Volkskrankheit Rückenschmerz

Mehr Fälle und mehr Krankheitstage ergaben sich im vergangenen Jahr auch bei Muskel-Skelett-Erkrankungen, zu denen etwa Rückenschmerzen zählen. Jeder fünfte Tag Krankenstand ist dieser Kategorie zuzuordnen. Dementsprechend groß sind die Bemühungen von Unternehmen, hier vorzubeugen, etwa durch ergonomisch optimierte Arbeitsplätze. Dass Krankenstände zunehmen, sei auch den häufiger werdenden prophylaktischen Maßnahmen geschuldet, spricht Gerhard Fitz einen weiteren Aspekt an: „Früher stand man mit Vorsorge noch nicht so sehr auf freundschaftlichem Fuß. Da reagierte man erst bei Schaden.“