Zecken schlugen bislang zwei Mal zu

06.08.2019 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Gemeine Holzbock sucht sich auf der menschlichen Haut die besten Bissstellen. FOTOLIA

Erste FSME-Erkrankung bereits im Februar.

Bregenz Kein Sommer mehr ohne Zeckenalarm: Auch in Vorarlberg hat der Gemeine Holzbock wieder zugeschlagen. Laut Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher wurden bislang zwei Fälle von Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) gemeldet. „Beide Personen waren nicht geimpft“, merkt Grabher noch an. Zudem machten sich die Blutsauger heuer sehr früh bemerkbar. Der erste Fall datiert aus dem Februar. Bei für sie angenehmen acht Grad machten sich die Zecken auf Futtersuche und wurden fündig. Die zweite FSME-Erkrankung gab es im Mai. „Zum Glück handelte es sich in beiden Fällen um eine geringe Ausprägung der FSME“, berichtet Wolfgang Grabher von leichten neurologischen Erscheinungen bei den Betroffenen. Mit zwei Erkrankungen liegt Vorarlberg derzeit noch im Schnitt der vergangenen Jahre.

Passiv bei großer Hitze

Österreichweit wurden im heurigen Jahr 56 FSME-Fälle verzeichnet. Spitzenreiter ist Oberösterreich mit 25 Fällen. 2018 gab es bundesweit 166 meldepflichtige Zecken-Attacken, in Vorarlberg waren es vier. Dass es in diesem Jahr trotz der nach einem für die Blutsauger eher günstigen Winter prophezeiten Zeckenschwemme noch nicht mehr FSME-Fälle gegeben hat, verwundert auch den Landessanitätsdirektor, aber, gibt er einschränkend zu bedenken: „Der Sommer ist noch nicht vorbei.“ Die große Hitze speziell im Juli könnte den Spinnentieren jedoch die Lust auf Menschenblut versengt haben. „Bei zu hohen Temperaturen sind sie weniger aktiv“, hat sich Wolfgang Grabher von einem Biologen sagen lassen.

Was die Schutzimpfung gegen FSME betrifft, gibt es immer noch viel Luft nach oben. „Der Zuspruch ist heuer etwas besser, weil es im vergangenen Jahr doch zu vier FSME-Fällen kam, die durch die Medien gingen, aber mehr auch nicht“, sagt Apothekerkammerpräsident Jürgen Rehak. Über eine FSME-Impfung verfügen etwa 90 Prozent der Bevölkerung, einen vollständigen Impfschutz haben aber nur rund 60 Prozent. Um den zu erreichen, braucht es eine Hauptimpfung und zwei Auffrischungen. Als Problem bezeichnet Rehak, dass nach wie vor ungeklärt ist, wie lange der Impfschutz auch bei vollständiger Impfung tatsächlich hält. „Bei den einen sind es drei, bei anderen zwanzig Jahre“, beschreibt er die Schwierigkeit. Keine Impfung gibt es gegen die häufigste Zeckenkrankheit, die Borreliose. Nach einem Einstich dauert es bis zu zwei Tage, bis Borrelien übertragen werden. Das rechtzeitige Entfernen von Zecken vermindert das Risiko einer Infektion erheblich. Die Übertragung von FSME-Viren erfolgt dagegen schon innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich.

Schutzmaßnahmen

Die Endemiegebiete beschränken sich auch in Vorarlberg schon längst nicht mehr auf bestimmte Regionen. „Infizierte Zecken können inzwischen überall sein“, mahnt Wolfgang Grabher deshalb zu Vorsicht und Vorsichtsmaßnahmen bei Aufenthalten in Wald und Flur. So bietet geschlossene Kleidung mit festem Schuhwerk zumindest einen gewissen Schutz. Helle Farben erleichtern zudem das Auffinden einer Zecke. Buschwerk, Dickicht und hohes Gras sollten gemieden werden. Nach einem Ausflug ist es ratsam, den Körper systematisch auf anhaftende Zecken abzusuchen.