Glosse: Die Angst vor dem 5G-Ausbau

Vorarlberg / 17.08.2019 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
AFP
Moritz Moser

Seit das Mobilfunknetz auf 5G-Standard ausgebaut wird, gehen die Gemüter hoch. Viele lassen sich davon überzeugen, dass die Strahlung Gesundheitsschäden verursacht, auch wenn sich dieselben Befürchtungen beim 4G-Ausbau nicht bewahrheitet haben. Neuen Technologien wurde schon immer mit unangemessener Furcht und überzogenen Erwartungen, aber auch unvorsichtig begegnet. So röntgte man, bevor die Gefahren stark ionisierender Strahlung bekannt waren, in Schuhgeschäften Kinderfüße, um die Passfertigkeit festzustellen. Oft gingen die Befürchtungen gegenüber neuen Erfindungen jedoch ins Leere. So war nicht nur das „Welt Blatt“ 1889 überzeugt: „Das Telephon schädigt das Gehör.“ Der Reichsratsabgeordnete Julius Ofner stellte 1901 sogar eine Anfrage über die Gefahren des Telefonläutens für das Personal in den Vermittlungszentralen. Der zuständige Minister musste darauf hinweisen, dass die Telefonistinnen durch leuchtende Lämpchen auf eingehende Anrufe aufmerksam gemacht würden.

Schatzsuche mit Telefon

Andere erhofften sich vom Telefon wundersame Möglichkeiten: Ein gewisser Josef Hanel behauptete 1885 in der „Vorarlberger Landeszeitung“, es eigne sich zur Auffindung von Wasseradern. Auch wenn der Vorschlag „in Fachkreisen zumindest gesagt, recht kühl aufgenommen“ worden sei, habe man in Tirol mit dieser Methode Erfolg gehabt. Auf dieselbe Weise ließen sich, so Hanel, metallene Schätze im Bodensee aufspüren. Große Ängste und Hoffnungen löste auch die Erfindung des Radios aus. Einige träumten von einer Funkverbindung zum Mars, andere fürchteten sich vor gesundheitlichen Einschränkungen. 1926 mutmaßte die „Vorarlberger Landeszeitung“, die Radiowellen könnten für Sonnenflecken und Hochwässer verantwortlich sein. Das Radio sei nun seit etwa fünf Jahren großflächig im Einsatz und gerade in dieser Zeit habe sich „eine allgemein, ständig zunehmende Wetterverschlechterung“ gezeigt. „Vorläufig ist das alles nur Hypothese, aber vielleicht ist ein Körnchen Wahrheit doch darin“, so die Zeitung abschließend. Sechs Jahre später zeigte sich das Blatt geläutert: „Besonders unter der Landbevölkerung ist die Ansicht weit verbreitet, daß die Wetterkatastrophen der letzten Jahre … auf die Radiowellen zurückzuführen“ wären. Vor allem im Gebirge mache man „die immer stärker werdenden und in ihrer Zahl ständig wachsenden Rundfunksender für das schlechte Wetter verantwortlich.“ Nun glaubte die Landeszeitung aber selbst nicht mehr an das „Körnchen Wahrheit“. Ein Problem, das sie 1932 erkannte, ist aber bis heute geblieben: „Es ist schwer, dem Laien, der diese Meinung hat, klar zu machen, daß ein solcher Einfluß nicht stattfindet und auch nicht stattfinden kann.“

Moritz Moser stammt aus Feldkirch, lebt und arbeitet als Journalist in Wien. Twitter: @moser_at