Zirkus in Lustenau hätte schon längst weg sein müssen

Vorarlberg / 20.08.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Kamele auf der Wiese neben dem McDonald’s sind friedlich und locken viele Zaungäste an. Auf die Zirkusbetreiber trifft das nicht zu. VN/PAULITSCH

Pferdequarantäne, Kamelverbot für die Schweiz und interne Probleme sorgen für längeren Aufenthalt.

Lustenau Im Zirkus herrscht Zirkus. Das gilt für jene Protagonisten der Manege, die sich derzeit in Lustenau aufhalten, ganz besonders. So wird nicht nur den Kamelen wegen einer fehlenden Blauzungenimpfung sowie der nicht vorhandenen Genehmigung für Auftritte in der Schweiz die Ausreise zu den Eidgenossen verwehrt – die VN berichteten – , den Zirkus plagen noch ganz andere Sorgen.

Dabei ist die Frage: Um welchen Zirkus geht es hier eigentlich? Den Circus Berlin? Oder doch den Zirkus Breu? Das ist seit Montagabend ungewisser denn je. Denn: Beat Breu, einstiger Schweizer Radstar, der offiziell die gesamte Infrastruktur des in Lustenau weilenden Kollegen übernommen hatte und Auftritte mit den in Lustenau weilenden Tieren in der Schweiz plante, verkündete das Ende „seines“ Zirkus. Grund dafür: eine heftige Auseinandersetzung mit den Eigentümern des Circus Berlin.

Gelände für zehn Tage

Diese weilen mit Kamelen, Pferden und Ponys schon seit Ende Juni in Lustenau. Die Tiere gehören der Familie Lauenburger, Eigentümer des Circus Berlin. Das Zirkusvolk samt Tieren residiert unentgeltlich auf einem ca. 7000 Quadratmeter großen Grundstück der Gemeinde Lustenau. Alle hätten schon längst weg sein sollen. Doch eine Kette negativer Ereignisse verhinderte dies. Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer (55) weiß davon ein Lied zu singen. „Wir haben dem Circus Berlin das Gelände Ende Juni für zehn Tage zur Verfügung gestellt. Danach hätten sie wieder gehen müssen. Aber dann gab es einen ernsthaften Krankheitsfall in der Betreiberfamilie. Dem Ansuchen des Zirkusdirektors nach Verlängerung des Aufenthalts kam ich unter diesen Umständen natürlich nach“, berichtet Fischer.

Seuchengebiet Lustenau

Auch habe eine von der Veterinärabteilung des Landes verfügte Quarantäne der Zirkuspferde die Verlängerung notwendig gemacht. Sie wurde aufgrund der infektiösen Erkrankung eines Pferdes in Lustenau verfügt. „Erst Ende September dürfen die Tiere ihren jetzigen Standort verlassen. Die Anordnung erfolgte von der Veterinärabteilung des Landes. Man hat Lustenau zum Seuchengebiet erklärt“, betont Fischer. Nicht einmal Landesrat Christian Gantner wurde über diese weitreichende Entscheidung seitens der Abteilung informiert. Bei den Pferden wird am 29. September noch einmal ein Bluttest vorgenommen. Fällt dieser negativ aus, können sie wieder transportiert werden.

Tierfütterer Fischer

Um die Versorgung der Zirkustiere hat sich Kurt Fischer laut eigenen Angaben in den letzten Wochen höchstpersönlich gekümmert. „Ich habe einen Heuhändler und einen Vertreiber von Kraftfutter organisiert. Diese liefern den Tieren des Zirkus regelmäßig Futter. Bis auf Weiteres finanziert die Gemeinde die Fütterung der Kamele, Pferde und Ponys“, teilt der Bürgermeister mit.

„Ich habe dafür gesorgt, dass die Tiere Heu und Kraftfutter bekommen.“

Kurt Fischer, Bürgermeister Lustenau

Dass er mit den turbulenten Ereignissen rund um den Circus Berlin keine Freude hat, verhehlt Fischer nicht. „2017 waren die Zirkusleute auch schon hier. Damals hat alles gut geklappt. Ob wir sie wieder einmal hier quartieren lassen, muss ich mir gut überlegen“, so Fischer. Dass aus dem Circus Berlin kurzfristig der Circus Breu wurde, wusste Fischer nicht. „Darüber hat mir niemand etwas gesagt.“