Ex-Geschäftsführer von Häusle vor Umweltprozess als Lobbyist

Vorarlberg / 21.08.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Intensiv wurde auf dem ehemaligen Häusle-Areal nach illegal verbrachten Problemstoffen gegraben und gebohrt. VN

In sozialen Medien will Martin Bösch vor dem Prozess mit Fortsetzungen seine Sicht der Dinge schildern.

Lustenau Am 1. Oktober beginnt am Landesgericht Feldkirch der mit Spannung erwartete Umweltprozess zur Causa Häusle. Angeklagt sind zehn ehemalige Mitarbeiter des mittlerweile von Loacker Recycling geschluckten Abfallwirtschafters Häusle wegen des Verbrechens der vorsätzlichen Beeinträchtigung der Umwelt sowie wegen Abgabenhinterziehung. Es geht um ca. 15.000 Tonnen illegal verbrachtes Material auf dem Areal des Unternehmens, das nach einer anonymen Anzeige im März 2016 in den Folgemonaten ausgehoben wurde. Die Höhe der Abgabenhinterziehung beläuft sich laut Anklage auf 1,8 Millionen Euro. Diese Summe habe sich das Unternehmen durch die illegale Verbringung von Altstoffen an Altlastenbeiträgen erspart. Für die angeklagten Umweltverbrechen liegt der Strafrahmen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren Gefängnis. Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

20 Verhandlungstage geplant

Schon jetzt steht fest, dass der Häusle-Umweltskandal den mit Abstand größten Umweltprozess zur Folge haben wird, den es in Vorarlberg je gegeben hat. Anberaumt ist die Verhandlung am Landesgericht Feldkirch, bei der Richter Andreas Böhler den Vorsitz haben wird, vom 1. Oktober bis zum 21. November. Spätestens dann soll es ein Urteil geben. Vorgesehen sind nicht weniger als 20 Verhandlungstage. Es werden zahlreiche Zeugen einvernommen. Allein die Staatsanwaltschaft hat 25 Personen beantragt. Unter den zehn Angeklagten befinden sich die zwei ehemaligen Geschäftsführer und der Ex-Prokurist. Den sieben weiteren Angeklagten wird Umweltverschmutzung zur Last gelegt, einige von ihnen müssen sich auch wegen des Vorwurfs der Abgabenhinterziehung verantworten. Die Anklageschrift umfasst 49 Seiten.

In die Offensive

Im Vorfeld offensiv angehen will den Prozess der angeklagte Ex-Geschäftsführer Martin Bösch, für den die Unschuldsvermutung gilt. Er hat in sozialen Netzwerken eine Seite unter dem Titel „Causa Häusle“ ins Leben gerufen. Darin will Bösch die Vorkommnisse aus seiner Sicht schildern und lädt Seitenbesucher ein, diese zu „liken“. Dies hatten bis Donnerstagnachmittag 39 Personen getan, darunter der Lustenauer FPÖ-Chef Martin Fitz.

Er sei froh, dass es nach der langen Zeit der Vorerhebungen zu einem Hauptverfahren komme und die Causa abgeschlossen werden könne. „Als ehemaliger Geschäftsführer und Miteigentümer von Häusle werde ich meinen bestmöglichen Beitrag leisten, um alle fraglichen Vorkommnisse aufzuklären“, schreibt Bösch. Als Illustration hat der Angeklagte ein Foto der Gerichtsladung beigefügt.

„Nicht ahnen können. . .“

Des Weiteren hat Bösch Fotos von einer Teambuilding-Aktion des Häusle-Management aus dem Jahre 2011 gepostet, das die Führungskräfte während einer Bergtour auf den Piz Buin zeigt. „Wir wollten ein Zeichen setzen, als Führungsteam noch enger zusammenwachsen und zukünftig gemeinsam für Häusle Großes bewirken“, textet der Ex-Geschäftsführer. Man habe nicht ahnen können, „dass sich manche von uns acht Jahre später für diese Dinge vor Gericht verantworten müssen, ohne je etwas Unrechtes veranlasst zu haben.“

Gegenüber den VN wollte Bösch zu seinen digitalen Aktivitäten nicht Stellung nehmen. Nur so viel: „Ich werde bis Ende November weitere Informationen auf der Seite liefern.“

Hat auf Facebook eine Seite eingerichtet und will bis zum Häusle-Prozess im Oktober regelmäßig „informieren“: Ex-Geschäftsführer Martin Bösch. QUELLE: FACEBOOK