Wenn das Wohnen zur Armutsfalle wird

Vorarlberg / 06.09.2019 • 21:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im Vorjahr wurden bei Dowas 1109 wohnungs- und arbeitssuchende Menschen betreut.

Dowas verzeichnete 2018 einen deutlichen Anstieg bei den Beratungen.

Geraldine Reiner

Bregenz Dowas-Geschäftsführer Michael Diettrich zuckt mit den Schultern. „Wir haben für diese Entwicklung keine eindeutig belegbaren Erklärungen“, sagt er bei der Präsentation des Jahresberichts für 2018. Während nämlich im Jahr 2017 bei Dowas zum ersten Mal seit Langem weniger Klienten betreut wurden, setzte sich dieser Trend im Vorjahr nicht fort. „Überraschenderweise“, sagt Diettrich. „Wir hatten mit weiteren Rückgängen gerechnet. Immerhin waren 2018 erstmals seit langem auch die landesweiten Zahlen im Rahmen der Mindestsicherung rückläufig. Gleiches gilt für die Langzeitarbeitslosigkeit.“ Über die Gründe kann er lediglich Mutmaßungen anstellen. Plausibel erscheint ihm aber ein Zusammenhang zwischen den Turbulenzen am Wohnungsmarkt, den galoppierenden Mieten und der völlig kontraproduktiven Deckelung der Wohnkosten in der Mindestsicherung vor zwei Jahren. Dafür spreche, dass sich trotz stagnierenden Klientenzahlen der Beratungsbedarf deutlich erhöht und sich die Beratungen noch mehr als sonst um die Themen Wohnen und Wohnkosten gedreht haben.

Prekäre Situation

Wie prekär die Wohnsituation im Land mittlerweile ist, zeige eine kürzlich von der Landesregierung veröffentlichte Studie. „Durchschnittlich haben die Bezieher der Wohnbeihilfe im Land eine Wohnkostenbelastung von 36 Prozent, trotz Wohnbeihilfe. Das ist zu viel“, unterstreicht der Geschäftsführer. Ein Großteil der Dowas-Klienten käme bei den Vergabeverfahren für gemeinnützige Wohnungen kaum noch zum Zug, weil die Meldezeiten in den Vergaberichtlinien de facto immer noch mehr Gewicht hätten als die Dringlichkeit. „Sie sind daher auf den freien Wohnungsmarkt angewiesen und dort laufen ihnen die Mietpreise schlichtweg davon“, merkt Diettrich an.

Migrationsproblem

Wie eine Auswertung von Dowas zeigt, sind die Hälfte der beratenen Klienten österreichische Staatsbürger (2014: 418, 2018: 387) und Nichtösterreicher mit einem Daueraufenthaltsrecht (2014: 83, 2018: 142). Erstere hätten gemeinsam mit den anerkannten Flüchtlingen vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert. Am meisten unter der Zuwanderung gelitten hätten die schon länger im Land lebenden Nichtösterreicher mit Daueraufenthaltsrecht. „Wobei der größte Druck auf den Arbeitsmarkt durch die ganz legale Zuwanderung innerhalb der EU entsteht“, ergänzt Diettrich. Einen Kollateralschaden dieser Migrationsbewegung sieht er auch in der Zunahme der Klienten ohne Daueraufenthaltsrecht ( 2014: 168, 2018: 232). In Bezug auf die offenen Grenzen sagt er daher: „Ich halte das für ein großes Problem und finde es durchaus berichtigt, da kritisch hinzuschauen.“ 

Den kompletten Jahresbericht finden Sie hier.

Dowas-jahresbilanz

1109 wohnungs- und arbeitssuchende Menschen wurden im Vorjahr von Dowas betreut. Gegenüber 2017 (1122 Klienten) bedeutet das ein Minus von 1,2 Prozent.

4626 Beratungsstunden wurden 2018 in Anspruch genommen. Das sind um 12,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor (4052 Stunden).

2016 wurde mit 1226 betreuten Klienten der bisherige Höchststand verzeichnet.