Endlich heißt’s „Manege frei“ für den Circus Berlin in Lustenau

Vorarlberg / 20.09.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Da bekommt auch Hengst Pedro wieder große Augen. Der Circus Berlin beginnt diesen Freitag in Lustenau mit seinen Vorstellungen. VN/PAULITSCH

Direktor Adolf Lauenburger sitzt mit Mensch und Tier seit drei Monaten fest. Jetzt darf der Zirkus auftreten.

Lustenau Pedro heißt der wunderschöne weiße Araber-Hengst, den Adolf Lauenberger (54) zwecks Foto kurz aus seiner Koppel geholt hat. „Normalerweise sind Araber-Pferde unruhig. Nicht so Pedro. Er ist ein gut erzogenes Zirkuspferd“, lächelt Lauenberger und tätschelt den prächtigen Vierbeiner am Kopf.

Endlich dürfen Pedro, die zehn anderen Pferde, sechs Ponys und vier Kamele wieder zeigen, dass sie Zirkustiere sind. Am Freitag um 17 Uhr heißt es für die ganze Truppe in Lustenau endlich: Manege frei. „Wir sind so froh, dass wir bis 29. September in Lustenau auftreten dürfen. Wir brauchen Einnahmen, denn dieser erzwungene Aufenthalt an einem Standort hat uns wirtschaftlich sehr geschadet“, schildert Lauenberger die Not seines ganz speziellen Familienbetriebs.

Pferdeseuche

Seinen Ausgang nahm das Problem für die Zirkusfamilie in einem ihr fremden Stall irgendwo in Lustenau. Dort wurde bei einem Pferd eine gefährliche Infektion diagnostiziert. Folge: Der Circus Berlin bekam mit seinen Tieren von der Landesveterinärabteilung ein Mobilitätsverbot aufgebrummt. Bis 29. September darf der Zirkus den jetzigen Standort nicht verlassen. „Am 29. September werden sie dann einen Test machen, und dann ist dieser Albtraum hoffentlich vorbei“, glaubt Lauenburger an bessere Tage. Immerhin darf der Zirkus jetzt auftreten. Von Freitag weg bis Sonntag in einer Woche gibt es sieben Vorstellungen. Ganz Zirkusprofi, rührt der Herr Direktor natürlich die Werbetrommel. „Wir haben die beste Pferdeshow, tolle Artisten und lustige Clowns.“

Suche nach Winterquartier

Am Sonntag in einer Woche wird der Circus Berlin – vorbehaltlich negativer Seuchentests bei den Pferden – Lustenau endlich verlassen. „Wir treten in Meiningen auf, und danach geht es nach Au in den Bregenzerwald“, verkündet Lauenburger. Dringend suchen die Zirkusleute ein Winterquartier in Vorarlberg. „Wir wären so froh, wenn man uns irgendwo überwintern ließe“, richtet der Zirkusdirektor einen Appell an die Vorarlberger Kommunen. 4000 bis 5000 Quadratmeter würde er für seinen Tross samt all den Wagen und mobilen Stallungen brauchen.

„Wir wären so froh, wenn man uns irgendwo überwintern ließe.“

Adolf Lauenburger, Zirkusdirektor

Einmal Zirkus, immer Zirkus

Dass die Zirkusfamilie nie einen festen Wohnsitz hat, macht den Lauenbergergs nichts aus. „Wir sind immer dort zu Hause, wo wir gerade sind“, sagt der Direktor, der seit Jahren nur in Österreich unterwegs ist. Viel härter seien die Zeiten allerdings geworden, seufzt der 54-jährige Schleswig-Holsteiner. „Früher hat man sich in den Ortschaften gefreut, wenn der Zirkus kam. Da waren sofort immer Kinder und Jugendliche um uns herum und haben uns beim Aufbau des Lagers geholfen. Auch der Bürgermeister gehörte oft zum Begrüßungskommando“, erzählt Lauenburger. Heute muss er einräumen, dass der Zirkus einiges von seiner Attraktivität verloren hat. Deswegen hat er auch seinen drei Kindern (33, 30, 26 Jahre alt) abgeraten, den Zirkus weiterzuführen. „Aber die wollen genau das“, ist er denn doch auch wieder unverhohlen stolz auf seine Nachkommen. „Wir machen das eben alles mit Herz und können uns nicht vorstellen, etwas anderes zu tun.“

Circus Berlin in Lustenau

Freitag, 20. September: 17 Uhr

Samstag, 21. September: 17 Uhr

Sonntag, 22. September: 14 Uhr

Donnerstag, 26. September: 17 Uhr

Freitag, 27. September: 17 Uhr

Samstag, 28. September 17 Uhr

Sonntag, 29. September: 14 Uhr

Wo: Millenniumpark Lustenau beim Mc Donald’s