Ambulante Dienste mit mehr Schlagkraft

Vorarlberg / 24.09.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Liebevolle Zuwendung kann jeder und in jedem Alter brauchen. KNESCHKE

Hauskrankenpflege, MoHi und Betreuungspool unter einem Dach vereint.

Dornbirn Die räumliche Situation war für alle Beteiligten schwierig. Als sich vor einem halben Jahr die Möglichkeit bot, in einen Teil der ehemaligen Ulmer-Villa in Dornbirn einzuziehen, war eine Lösung gefunden. Jetzt sind Hauskrankenpflege, Mobile Hilfsdienste und Betreuungspool im „Haus der ambulanten Dienste“ vereint. „Das ist ein wichtiger symbolischer Schritt, weil er auch den gesamtgesellschaftlichen Auftrag für Pflege und Betreuung unterstreicht“, befand Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker bei der offiziellen Vorstellung der neuen Unterkunft.  

Solidaritätsgedanken

Die Vertreterinnen und Vertreter der ambulanten Dienste schätzen die noch engere Zusammenarbeit ebenfalls. „Gemeinsam lassen sich die Herausforderungen besser lösen“, zeigte sich der neue Obmann des Landesverbandes der Hauskrankenpflege, Wolfgang Rothmund, überzeugt. Bezugnehmend auf den VN-Bericht zu den unterschiedlichen Einschätzungen die Organisation betreffend, meinte er: „Wir bekennen uns zur Vereinsstruktur und der Ehrenamtlichkeit und lassen uns auch die Professionalität nicht absprechen.“ Rothmund betonte zudem den Solidaritätsgedanken, der mit dieser Struktur verbunden sei. Er räumte jedoch ein, dass künftig eine noch intensivere Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern notwendig sein wird.

Die Obfrau der ARGE Mobile Hilfsdienste, Kitty Hertnagel, unterstrich: „Es ist ein hohes Gut, wenn pflegebedürftige Menschen von einheimischen Kräften betreut werden können.“ Sie würden das Dorf ins Haus bringen. Als dringend notwendig bezeichnete Hertnagel die Anstellung von mehr Mitarbeiterinnen. Auf diese Weise könnten vor allem junge Frauen für diese Arbeit gewonnen werden. In den vergangenen zwei Jahren stellte das Land dafür rund eine Million Euro zur Verfügung. Damit wurden 52 Vollzeit-Stellen geschaffen, das entspricht sieben Prozent der Beschäftigten. Ziel ist laut Hertnagel eine Anstellungsquote von zehn Prozent. Ein Problem stellt auch der relativ hohe Stundensatz dar. Er liegt derzeit bei 13,40 Euro. Die MoHi-Obfrau wünscht sich eine Förderung auch für die Mehrstundenbetreuung. Gespräche mit dem Land gibt es.

Angela Jäger, Geschäftsführerin des Betreuungspools, sagte: „Wir müssen miteinander schauen, welche Bedürfnisse unsere Klienten und Patienten haben, und diese danach ausrichten.“ Sie stellte auch klar, dass „wir die Frauen und Männer aus dem Osten dringend in der 24-Stunden-Betreuung brauchen“. Derzeit werden über 700 Familien betreut.

Hoher Finanzierungsbedarf

Das Land unterstützt die Arbeit der ambulanten Dienste im heurigen Jahr mit 10,8 Millionen Euro. In den vergangenen fünf Jahren ist der Finanzierungsbedarf laut Katharina Wiesflecker um 30 Prozent gestiegen. Die größten Schwierigkeiten macht die Personalrekrutierung. Neben einer gerechten Bezahlung braucht es laut Wiesflecker neue Zugänge. Statt der von der ÖVP auf das Schild gehobenen Pflegelehre forciert sie Vorbereitungsklassen an höheren Schulen. Demnächst startet eine solche einjährige Klasse an der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Bregenz. Die Nachfrage sei gut. An der HLW des Instituts St. Josef in Feldkirch gibt es ebenfalls Überlegungen, einen Pflegeschwerpunkt anzubieten.