Erst jetzt geht’s mit dem Jagen richtig los

Vorarlberg / 30.09.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Brunftzeit hat begonnen, die Jäger liegen dem Wild auf der Lauer. Die Weidmänner haben in den kommenden Monaten noch viel zu tun. REUTERS

Erst ein Viertel der geforderten Quote beim Rotwild und rund 60 Prozent beim Rehwild sind bis jetzt erlegt.

Hohenems Bei den Jägern ist es mit der Beschaulichkeit schon längst vorbei. TBC und Schutzwald verlangen den Weidmännern alles ab. Soll heißen: Sie müssen viele Wildtiere erlegen, um die behördlich verfügten Abschussquoten zu erreichen.

„Es läuft alles nach Plan“, zieht Gernot Heigl (29), Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft, eine erste Zwischenbilanz der laufenden Jagdsaison, die noch bis zum 31. Dezember geht. „Allerdings“, räumt der ausgebildete Wildbiologe ein, „die Hauptsaison des Jagdjahres steht noch bevor. In den Monaten Oktober, November und Dezember werden besonders viele Wildtiere erlegt.“

TBC-Gefahr allgegenwärtig

Untätig waren die Weidmänner auch bisher nicht. „Circa ein Viertel der geforderten Zahl beim Rotwild sowie rund 60 Prozent des Rehwilds wurden bisher geschossen“, nennt Heigl Zahlen.

Zu reger Aktivität werden die Jäger vor allem von der Landwirtschaft immer wieder aufgefordert. Durch die aktuellen TBC-Fälle bei Rindern erhöht sich die Intensität dieser Forderungen. Da der TBC-Erreger sehr häufig vom Wild auf das Vieh übertragen wird, ist die Gefahr einer Ansteckung vor allem im Sommer hoch, wenn sich das Vieh auf der Alpe befindet und dort leicht in Berührung mit Wildtieren kommen kann.

Jagd wird schwieriger

Die Jagd wird immer schwieriger. Weil das Wild sich immer stärker unter Druck sieht, versucht es, den Jägern zu entfliehen. „Diese Tiere sind sehr intelligent. Sie stellen ihr Verhalten um, wenn sie in Gefahr sind. Das macht das Aufspüren schwieriger und den Aufwand größer“, beschreibt Heigl ein Dilemma, mit dem die Weidmänner zusehends konfrontiert sind.

Für den Jagderfolg hinderlich ist zudem schönes Wetter. „Was für Naturliebhaber gewünscht ist, verhält sich bei den Jägern anders. Bei Schönwetter ist das Wild weit verstreut. Unwirtliche Bedingungen oder ein Wintereinbruch lässt die Tiere zusammenrücken und macht sie dadurch zu einem leichteren Ziel“, erklärt der Experte.

„Der Naturliebhaber mag das schöne Wetter im Herbst, der Jäger nicht.“

Gernot Heigl, Geschäftsführer Jägerschaft

Große Herausforderung

Vor allem die TBC-Ansteckung war der Grund dafür, dass die Jagdzeit bei Bedarf verlängert werden kann. Das passiert vornehmlich in den TBC-Kerngebieten des Montafons und des Klostertals. Gernot Heigl findet diese Maßnahme nicht nur positiv. „Wenn die Ruhezeiten nicht eingehalten werden und das Wild durch die Jagd Energie braucht, steigt auch der Nahrungsbedarf. Dann kommt es eher zum Verbiss von Bäumen“, weiß der Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft.

Als eine große Herausforderung für die Jäger bezeichnet auch Wildbiologe Hubert Schatz die geforderten Abschussquoten der Behörde. „Schon jetzt merkt man, dass es weniger Wild gibt als früher“, sieht Schatz allerdings auch die gewünschten Folgen der erhöhten Jagdanstrengungen.

Nicht alle Jäger sind freilich mit den hohen Abschussquoten glücklich. Ihnen gehen diese Maßnahmen zu weit. Zumal sie auch permanent unter großem Jagddruck stehen.