Belastende Aussagen im Häusle-Prozess

Vorarlberg / 03.10.2019 • 19:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bagger auf der illegalen Deponie: eines der den VN damals vom "anonymen Passanten" zugespielten Bildern.
Bagger auf der illegalen Deponie: eines der den VN damals vom „anonymen Passanten“ zugespielten Bildern.

Komplexe Verfahren, Betriebswirtschaft und eine lange Liste von Vorwürfen.

Christiane Eckert

Feldkirch Der dritte Verhandlungstag im Häusle-Prozess beginnt mit technischen Details. Immer noch an der Reihe ist Ex-Geschäftsführer Martin Bösch, der die komplexen Abläufe im Alltag eines Recylingunternehmens erklärt. „Kostenschonendes Arbeiten bei gleichzeitig ökologisch sinnvollster Verwertung“, das sei die große Herausforderung für jeden Abfallverwerter, so der Betriebswirt. Richter Andreas Böhler diktiert, was man genau unter Gärresten versteht und wie sie sich von Siebresten unterscheiden. Die Materie entfaltet sich als spannend. Beispielsweise wie aus Biomüll nach Schreddern, Trocknung und Sieben die Plastikteilchen der Sammelsäcke herausgeblasen werden, um sie anschließend als hochwertiges Befeuerungsmaterial in Industrieöfen zu nutzen. Bis zu drei Jahren dürfen Reste ohne weiteres gelagert werden, danach fällt eine Abgabe, der sogenannte Altlastenbeitrag an. Nach den technischen Einführungen geht es um Vorwürfe, Schuldzuweisungen, angeblich getätigte und angeblich niemals getätigte Aussagen.

Falsche Zusammenfassungen

Da gibt es beispielsweise zwei Zusammenfassungen von Ermittlungsbehörden, in denen Dinge falsch wiedergegeben worden seien. In einer Sitzung habe man einmal darüber gesprochen, dass Gärreste nach der weiteren Behandlung und Bearbeitung sinnvoll Verwendung finden könnten. Im letzten Verarbeitungsvorgang verbleibt nämlich neben grobem Material wertvoller Kompost. Letzterer hat eine hohe Qualität, besteht aus Feinanteilen und findet im Landschaftsbau Verwendung. In der Zusammenfassung der Ermittler stehe allerdings, Bösch habe vom Einbau von „Gärresten“ gesprochen. „Davon war nie die Rede“, verteidigt sich der 54-Jährige.

Belastende Aussagen

Bis in die Nachmittagsstunden werden andere Aussagen vorgehalten. So auch jene des 56-jährigen Diplomingenieurs, der als Betriebsleiter tätig war und später sogar in die Geschäftsleitung aufstieg. Dieser sagt: „Bösch hat angeordnet, dass Gärreste eingebaut werden.“ Der Mann, der selbst angeklagt ist, belastet Bösch an anderer Stelle mit den Aussagen: „Ich mache jetzt nichts mehr Illegales“ oder „Ich habe Bösch darauf hingewiesen, dass die Gärreste endlich ordentlich entsorgt werden müssen.“ Der Erstangeklagte ortet dies als Versuch, damit den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Sein ehemaliger Arbeitskollege sei nämlich selbst für die Gärreste verantwortlich gewesen und befürchte nun strafrechtliche Konsequenzen. Deshalb die falsche Anschuldigung, die Entsorgung sei von ihm angeordnet gewesen. So gibt es an diesem Tag noch viele Schuldzuweisungen und ebenso plausible Erklärungen, warum diese allenfalls gelogen sein könnten. Am Ende des Prozesses muss der Senat entscheiden, wem er mehr Glauben schenkt, doch nun ist erst einmal bis nächste Woche Pause.