Lehrer beklagen Überforderung und zu viel Bürokratie

Vorarlberg / 07.10.2019 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neun Bildungsdirektionen, eine Zentralstelle. Vielen Direktoren und Lehrer stoßen die Verwaltungsneuerungen gewaltig auf. APA

Zettel ausfüllen statt Pädagogik, Probleme mit Datenschutzverordnung: nur zwei der Klagepunkte.

Bregenz Die Vorarlberger Lehrervertretung schlägt Alarm. Die Pädagogen, und vor allem die Schulleiter, würden mittlerweile von der Bürokratie erschlagen, eine Flut von Änderungen würden den Verwaltungsaufwand dramatisch erhöhen, Lehrer mit ungewollten Überstunden bedacht oder aufgrund des Lehrermangels kurzfristig versetzt. „Der Aufwand für überbordende Bürokratie hat ein Maß erreicht, wo es den Direktoren einfach reicht“, kritisiert Lehrervertreter Willi Witzemann (60). Hinzu kämen negative Folgen einer überzogenen Datenschutzgrundverordnung, welche den notwendigen Informationsfluss zwischen Schulen und Institutionen bzw. der Schulen untereinander schwer behindere. Die Lehrervertretung nimmt in diesem Zusammenhang auch die neugeschaffene Bildungsdirektion, aber auch die Zentralverwaltung in Wien in die Pflicht.

Problem Mittagsbetreuung

Christian Grabher, Direktor an der Mittelschule Hard Markt, ortet durchaus „administrative Unzulänglichkeiten“. Mit der Bildungsdirektion Vorarlberg wolle er das jedoch nicht in Verbindung bringen. „Diese ist erst im Entstehen.“ Ein großes Problem quält den Schulleiter dennoch. „Es geht um die Abwicklung der Mittagsbetreuung. Die ist unglaublich kompliziert. Wir müssen Ansuchen von Eltern auf Befreiung von der Mittagsbetreuung zurückweisen und Geld für jede Betreuungsstunde einheben. Ich verstehe nicht, warum man die Eltern nicht selber entscheiden lässt, ob sie die Betreuung in Anspruch nehmen wollen und sie sich dann einfach nur anmelden müssen.“ Grabher hält den Verwaltungsaufwand für die jetzige Regelung für viel zu aufwendig.

„Die Abwicklung der Mittagsbetreuung ist unglaublich kompliziert.“

Christian Grabher, Direktor Mittelschule Hard-Markt

Es ufert aus

Christoph Hämmerle, Direktorskollege von der Mittelschule Dornbirn Markt, sieht die Bürokratie insgesamt ausufern. „Ich versuche, meine Lehrer davor so gut wie möglich zu schützen. Doch das geht nicht immer.“ Hämmerle beklagt zudem den komplizierten Informationsfluss mit Bildungsdirektion, Gemeinde oder Bund. „Da gibt es verschiedenste Formate und keine einheitliche Plattform. Oft musst du gewisse Dinge mehrmals schreiben. So kann zum Beispiel die Gemeinde nicht auf den Bildungsserver Sokrates zugreifen. Auch können verschiedene Schultypen untereinander nicht einfach Daten austauschen. Wir würden dies zum Beispiel am Beginn des ersten und dritten Jahres für die Orientierungsarbeiten brauchen.“

Große Umstellungen

Es würden in der Schulverwaltung zusehends rechtliche Dinge in den Mittelpunkt rücken, statt praktische Hilfen für den Schulalltag, beklagt Direktor Christian Höpberger von der Mittelschule Hard Mittelweiherburg. In puncto Datenschutz ist für den Schulleiter vollkommen unverständlich, dass Arztkarten nicht von Volksschulen in die Mittelschulen geschickt werden dürfen.

Volksschuldirektor Jürgen Sprickler von der VS Haselstauden spricht ebenfalls von gewaltigen Umstellungen in der Verwaltung, von denen wenig Brauchbares in der Klasse ankomme. „Eine komplizierte Bürokratie, die im Zweifel eher etwas ablehnt als zulässt. Ich hätte zum Beispiel eine Betreuerin für ein autistisches Kind gebraucht und habe eine Person gefunden, die aber mit ihrer Spezialausbildung noch nicht fertig ist. Mein Antrag wurde abgelehnt. Von wegen Autonomie des Standorts.“

Andreas Kappaurer, pädagogischer Leiter in der Bildungsdirektion, räumt die Schwächen des neuen Systems ein. „Ja, es ist vieles durch die Zentralisierung komplizierter geworden. Was zwei Partner früher unkompliziert untereinander erledigen konnten, geht jetzt über Wien. Wir haben keinen Zugriff auf das zentrale Schulverwaltungsprogramm. Diese Verkomplizierung hat natürlich auch mit der Datenschutzgrundverordnung zu tun.“