„Wie eine Mordanklage ohne Leiche“

Vorarlberg / 08.10.2019 • 07:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nachdem der Umweltskandal ruchbar geworden war, wurden die illegalen Deponien ausgegraben. HARTINGER

Vierter Tag im Häusle-Prozess: Ex-Geschäftsführer Martin Bösch schwer in der Defensive.

Feldkirch Im Umweltskandal des Lustenauer Recycling-Unternehmens Häusle steht Ex-Geschäftsführer Martin Bösch auch am vierten Verhandlungstag im Kreuzfeuer der Einvernahmen. Und auch diesmal weist er sämtliche Vorwürfe zurück, vehement, wortgewaltig und eindringlich überzeugt von seiner Unschuld. Speziell, was die angebliche Einbringung von Abfall auf einem Maisfeld betrifft.

„Einer der wesentlichsten Vorhalte in der Anklage gegen mich ist, wissentlich 10700 Tonnen Straßenkehricht und Kanalräumgut in einem Maisfeld eingebracht zu haben. Doch das ist nur eine Vermutung, da dort erhöhte Kohlenstoffwasserwerte festgestellt wurden. Aber das ist absurd und unverständlich! Denn es ist nicht eine Tonne Kehrricht oder Kanalräumgut dort gefunden worden. Das ist wie eine Mordanklage ohne Leiche!“

„Einem unbescholtenen Mitbürger in einem Rechtsstaat so etwas zu unterstellen, ist abenteuerlich!

Martin Bösch, Ex-Geschäftsführer Häusle

Ebenso lächerlich sei der Vorwurf, dass er, Bösch, mit der Beseitigung dieses Abfalls Altlastenbeiträgen in der Höhe von 900.000 Euro aus dem Weg gehen wollte. „Einem unbescholtenen Mitbürger in einem Rechtsstaat so etwas zu unterstellen, ist abenteuerlich! Und es macht mir Angst.“

Vom Ex-Betriebsleiter entlastet

Auch der ehemalige technische Betriebsleiter wird vernommen. Und sorgt für einen kleinen Eklat. Denn es scheint ihm eine Herzensangelegenheit zu sein, eine frühere Aussage zu revidieren. So stand zunächst im Raum, Bösch habe ihn in einem Vieraugengespräch angewiesen, fünf bis sechs Tonnen Gärreste illegal zu vergraben. „Doch diese Aussage ist ein Irrtum, weil es dieses Gespräch gar nicht geben konnte, da ich zum fraglichen Zeitpunkt im Urlaub war.“

Der ehemalige technische Betriebsleiter bezeichnete eine ursprüngliche Angabe, die den Ex-Geschäftsführer belastete, als "Irrtum". VN/GS
Der ehemalige technische Betriebsleiter bezeichnete eine ursprüngliche Angabe, die den Ex-Geschäftsführer belastete, als „Irrtum“. VN/GS

Die „Einbringung“ der Gärreste sei seine eigene Entscheidung gewesen, gesteht er. „Weil kein Ende des Abfalls in Sicht war. Und Trocknungsversuche der Gärreste, um den übrig gebliebenen Feinanteil anschließend wertschöpfend zu kompostieren, blieben einfach erfolglos.“ Im Übrigen sei er damals als Betriebsleiter unter großem psychologischen Druck gestanden: „Ich wurde an den Rand eines Kollaps getrieben und bin in den Urlaub geflüchtet.“ Der Prozess wird heute, Dienstag, fortgesetzt.