Propheten für die Hoffnung

Vorarlberg / 18.10.2019 • 21:41 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Auch Bischof Benno macht sich Gedanken über die Endlichkeit des Lebens.vn/lerch
Auch Bischof Benno macht sich Gedanken über die Endlichkeit des Lebens.vn/lerch

Kärnten sucht Bischof. Benno Elbs will in Vorarlberg bleiben.

Feldkirch Mit der Angst lassen sich Massen mobilisieren. Das gelte es zu verhindern. Deshalb spricht Bischof Benno Elbs jedem Christen eine prophetische Aufgabe zu.

 

Zuerst nachträglich alles Gute zum Geburtstag. Was bedeuten Ihnen solche Ehrentage?

Elbs Es ist schön, dass Leute da sind, die gratulieren und die einen wertschätzen. Für mich ist der Geburtstag aber auch Anlass, in Dankbarkeit zurückzuschauen, was mir im abgelaufenen Jahr geschenkt wurde. Außerdem unternehme ich immer einen längeren Spaziergang. Er dient als Gewissenserforschung, wofür ich meine Lebenskraft noch einsetzen möchte.

 

Wie stehen Sie zum Älterwerden?

Elbs Mit zunehmendem Alter erlebe ich die Kostbarkeit der Zeit stärker. Wenn ich von etwas weniger zur Verfügung habe, wird es kostbarer. Die Sicht reduziert sich auf das Wesentliche und auf den Sinn des Lebens. Ebenso wird einem bewusster, dass jeder Tag ein Zugehen auf den Tod ist, auf das, wofür der Glaube steht, nämlich die Hoffnung auf Auferstehung. Gleichzeitig ist der Blick auf das ewige Leben auch ein Faktor für Gelassenheit und damit innere Freiheit.

 

Bleiben wir im Hier und Jetzt: Was hat die Kirche aus dem Diözesanforum mitgenommen?

Elbs Das Diözesanforum war eine Folgeveranstaltung zum Diözesanjubiläum. Wir haben dazu speziell den inneren Kreis der Menschen, die in den Pfarrgemeinden als Pastoralassistenten und Priester, aber auch als Pfarrgemeinderäte ehrenamtlich arbeiten, und das sind immerhin über 20.000, eingeladen. Ein wichtiger Punkt war der Dank an diese Mitarbeiter, ein anderer die Betonung des Miteinanders. Das ist auch für die Zukunft der Kirche von Bedeutung. Es war uns ein Anliegen, den Blick für drei Aspekte zu schärfen: die Spiritualität, wie geht es in den Gemeinden weiter und die Nächstenliebe. Aus Rückmeldungen wissen wir, dass die Veranstaltung für viele eine Kraftquelle war und starke Impulse für den persönlichen Einsatz in der Pfarre brachte.

 

Wie kann oder soll dieser Einsatz aussehen?

Elbs Ich meine, jeder Christ hat auch eine Mission, eine prophetische Aufgabe. Mit der Angst lassen sich bekanntlich sehr leicht Massen mobilisieren, deshalb brauchen wir Propheten für die Hoffnung und gegen die Angst. Wenn sich jeder überlegt, was seine Mission in dem Ort ist, in dem er lebt, kann etwas Schönes entstehen.

Cesare Zucconi, Referent beim Diözesanforum, meinte im VN-Interview, dass es noch zu viele Pfarren gebe, die wie geschlossene Klubs agieren. Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Elbs Die Gefahr jeder Gemeinschaft ist, dass sie sich selbst genügt. Deshalb kann ich die Aussage nachvollziehen und deshalb ist der Auftrag von Jesus so wichtig, der lautet: Geht hinaus in alle Welt. Der Christ muss sich dem Armen und dem Anderen zuwenden. Da gibt es keine Ausrede. Eine christliche Gemeinde ist immer verbunden mit der Welt, wenn sie eine christliche Gemeinde sein will.

 

Derzeit findet die Amazonien-Synode statt. Was erwarten Sie sich davon?

Elbs Die Amazonien-Synode wird sicher Auswirkungen auf die ganze Welt haben, was den Umgang mit der Schöpfung betrifft. Wenn die Lunge der Welt brennt, kann uns das nicht egal sein, und wenn Mächtige aus unerklärlichen Gründen verantwortungslos handeln, hat die Kirche eine moralische Kraft, weil sie nicht nur redet, sondern etwas tut, siehe Alt-Bischof Erwin Kräutler. In Brasilien gibt es Kräutler mal X.

 

Welche Wünsche haben Sie an die neue Bundes- und Landesregierung?

Elbs Als Staatsbürger und Bischof habe ich den Wunsch, dass es in unserer Gesellschaft ein Klima der Menschlichkeit und des Respekts gibt, und dass auf dieser Basis ein guter Ausgleich bei großen Themen wie Arbeit, Bildung, Gesundheit, Wohlstand und der Erhaltung des Lebensraums sowohl regional wie global gefunden wird. Zudem müssen Menschen die Gewissheit der Sicherheit haben. Das Gefühl der Unsicherheit ist ein gefährlicher Motor, den man politisch missbrauchen kann.

 

Kärnten sucht noch immer einen Bischof . . .

Elbs Mein Wunsch ist es, hier in Vorarlberg zu bleiben.

 

Wofür sind Sie dankbar?

Elbs Ich bin dankbar für meine Familie, die mir vieles ins Leben mitgegeben hat. Ich bin dankbar für Menschen, die mich begleiten, stärken und unterstützen, weil das Amt nicht so einfach ist. Und ich bin dankbar, dass ich mein Bischofsmotto leben kann (Befiel dem Herrn deinen Weg und vertraue ihm, er wird es fügen), dass ich das Vertrauen in Gott und das Gefühl haben darf, dass er mich führt und leitet.