Akuter Personalmangel in der Kinderbetreuung

Vorarlberg / 23.10.2019 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auch der Bedarf an Ganztagsgruppen und damit Ganztagsbetreuung steigt. FOTO: VN/STIPLOVSEK

Bregenz bietet Hilfe bei Realisierung von mehr Ausbildungsplätzen an.

Bregenz Mit ihrer Forderung nach einer Bildungsanstalt für Elementarpädagogik (BAfEP) unter öffentlicher Trägerschaft rennt Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker beim Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart offene Türen ein. „Wir brauchen dringend eine zweite derartige Ausbildungsstätte“, betont Linhart mit Verweis auf den in der Landeshauptstadt steigenden Betreuungsbedarf im Kleinkind- und Kindergartenbereich. Er könnte sogar eine Lösung anbieten. Ab 2020 wird die Volksschule Rieden frei. Dort wäre Platz für eine BAfEB, meint Linhart. Es gebe zwar schon andere Konzepte für die Räumlichkeiten, aber: „Wir würden die alle zurückstellen.“ Der Bregenzer Stadtchef sieht in dieser Frage auch die neue Landesregierung am Zug.

Mangel an Personal

Wie ausführlich berichtet, gibt es jetzt schon teilweise einen Mangel an ausgebildetem Kinderbetreuungspersonal. Die privat geführte BAfEP im Institut St. Josef in Feldkirch vermag längst nicht alle Interessenten aufzunehmen. Zudem muss Schulgeld bezahlt werden, was ebenfalls einen Hinderungsgrund darstellt. Erst jüngst hat auch Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker deshalb die Notwendigkeit einer öffentlich geführten Schule betont. „Alle anderen Bundesländer verfügen über eine zweite BAfEP“, begründete Wiesflecker damals im VN-Gespräch. Da es sich bei einer Bildungsanstalt für Elementarpädagogik um eine Berufsbildende Höhere Schule handelt, müssten die Weichen vom Bund gestellt werden. Da auch das Lehrpersonal im Bundesdienst stünde, wären die Kosten für das Land absehbar.

Mit Ach und Krach zu halten

Ungeachtet dieser Fragen drängt Markus Linhart auf die Realisierung des Projekts. „Jedes Kind hat das Recht auf einen Betreuungsplatz“, führt er aus. Dieses Versprechen sei derzeit jedoch nur mit Ach und Krach zu halten. Die Kinderbetreuung boomt laut Linhart, die Personalrekrutierung erweise sich allerdings als mühsam. Der Mangel an pädagogischem Personal ist, wie in anderen Gemeinden des Landes auch, stark spürbar. Neben regionalen Ausschreibungen in Vorarlberg wird österreichweit und besonders im süddeutschen Raum um Mitarbeiterinnen geworben. Zudem versucht die Stadt Bregenz, auch Praktikantinnen der BAfEP einen Platz in ihren Kinderbetreuungseinrichtungen schmackhaft zu machen. „Wir setzen außerdem stark auf die duale Ausbildung“, erklärt Alexandra Kargl, Abteilungsleiterin für Gesellschaft und Soziales. Derzeit verfügen zehn Mitarbeiterinnen über einen dualen Ausbildungsplatz, wobei dafür Kooperationen mit der Fachakademie für Sozialpädagogik in Lindau sowie der BAfEP in Feldkirch bestehen „Allein heuer haben wir 15 neue Mitarbeiterinnen eingestellt“, ergänzt Bürgermeister Markus Linhart. Aktuell sind in den Kinderbetreuungseinrichtungen und Kindergärten der Landeshauptstadt 201 Personen beschäftigt.

Dringliches Anliegen

Die Zahl der zu betreuenden Kinder in den städtischen Kindergärten ist in den vergangenen sechs Jahren um 15 Prozent gestiegen. Derzeit sind es 36 Gruppen mit 725 Kindern, ab Herbst 2020 werden es 37 Kindergartengruppen sein. Der Bedarf an Ganztagsgruppen nimmt ebenfalls zu. Von 2015 bis 2019 kam es zu einer Verdoppelung. Es gibt inzwischen sechs Ganztagsgruppen. „Dies bedeutet automatisch einen erhöhten Personalbedarf“, sagt Alexandra Kargl. Ein Unsicherheitsfaktor ist die Gruppengröße. Ihrer Einschätzung zufolge ist nicht abzusehen, inwieweit diese zu halten ist, weil die pädagogischen Anforderungen auch durch den Bildungsrahmenplan stetig wachsen würden. Beeinflusst wird der Personalbedarf zudem durch die Anforderungen im Bereich der Sprachförderung, Inklusion und die Aufnahme von Dreijährigen in den Kindergarten. In der Kleinkindbetreuung werden vier Gruppen mit 56 Kindern geführt. 2015 waren es noch zwei Gruppen mit 18 Kindern in einer Einrichtung, inzwischen sind es drei Standorte. „Wir bieten jede Hilfe an, die es braucht, um eine zweite Ausbildungsstätte für Kinderbetreuungspersonal zu realisieren“, sieht Markus Linhart die Dringlichkeit seines Anliegens durch die Entwicklung bestätigt.