Quiz-Champion aus Dornbirn: Mit Kuhurin zum Titel

Vorarlberg / 29.10.2019 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Staatsmeister möchte den Quiz-Verband auch in Vorarlberg gründen. ÖQV/MARTIN

Niemand in Österreich weiß mehr als Franco Sottopietra.

Innsbruck, Wien Wissen Sie, welche in Indien als „Gomutra“ oder „Gaumutra“ bekannte Substanz in der ayurvedischen Medizin zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wird, wohingegen Forscher dies als Pseudowissenschaft abtun? In Teilen des Landes ist das Getränk teurer als Milch.

Franco Sottopietra weiß es. Mit der Antwort sicherte sich der 28-jährige Dornbirner den Einzelstaatsmeistertitel im Quizbewerb. Damit ist offiziell: Niemand weiß mehr als er.

Bei Franco Sottopietra begann alles mit einem Pubquiz. „Ende 2013 habe ich angefangen, das Pubquiz regelmäßig zu besuchen.“ In Wien gibt es zahlreiche Bars, die zur wöchentlichen Raterunde laden. Sottopietras Rätselstammtisch steht im Café Benno. Als ihn das Quizfieber packte, wohnte der Dornbirner schon einige Jahre in der Bundeshauptstadt. Nach der Matura am Gymnasium Schoren und dem Zivildienst beim Roten Kreuz zog er Ende 2010 nach Wien. Er studierte Japanologie und absolvierte die Ausbildung zum Fremdenführer. Über einen Freund habe er erfahren, dass in Innsbruck der Österreichische Quiz-Verband ÖQV gegründet wird. „2016 bin ich erstmals zur Staatsmeisterschaft gefahren“, erzählt der Dornbirner. Mittlerweile ist er zum zweiten Mal Einzelstaatsmeister, holte den Teambewerb und wurde zweiter im Paarbewerb. 2017 und 2018 war er bei den Europameisterschaften jeweils bester Österreicher, im deutschsprachigen Raum landete er immer unter den Top drei. Bald geht’s international weiter: Die nächste EM findet vom 8. bis 10. November in Sofia statt.

Hauptberuflich weiß er Dinge

Sottopietra arbeitet Teilzeit im Veranstaltungsmanagement für die Akademie der Wissenschaften. „Wenn ich Vollzeit arbeiten würde, ginge sich das nicht aus“, gesteht er. Der Quizsport genießt unter potenziellen Sponsoren zwar noch keinen sonderlichen Stellenwert, statt Millionenpreisgeld gibt’s schöne Pokale und viel Ehr‘. Aber auch ein Quizgenie findet Wege, mit seinem Können ein bisschen Geld zu verdienen.

Am 15. Jänner 2018 wollte Armin Assinger von Franco Sottopietra Folgendes wissen: „Welche Musikrevolutionäre wären – hätten sie zur selben Zeit gelebt – in der Londonder Brook Street Nachbarn gewesen?“ Es war die Millionenfrage in der Millionenshow. Die Million wankte, aber sie fiel nicht. Nach vier Minuten entschied sich Sottopietra für die 300.000 Euro, hätte die richtige Antwort aber gewusst: Händel und Hendrix. Auch bei der ServusTV-Quizshow räumte er ab, als Staatsmeister darf er im Dezember wieder teilnehmen. Preisgeld auf Umwegen also.

Franco Sottopietra bei Armin Assinger.

Den klassischen Vorarlberger Studenten zieht es spätestens dann zurück, wenn Kinder da sind. So auch Franco Sottopietra und seine Frau. 2018 haben sie geheiratet, der gemeinsame Sohn ist mittlerweile zehn Monate alt. Kommendes Jahr soll es nach Batschuns gehen, womit der Quiz-Verband auch in Vorarlberg Fuß fassen möchte. „Wer mitmachen will, soll sich einfach bei mir melden“, wirbt der 28-Jährige. Bevor er sich niederlässt, geht es aber noch einmal auf Reisen: Drei Monate Japan sind geplant.

Der Stehsatz „Das Können wurde ihm in die Wiege gelegt“ ist oft fehl am Platz, besonders hier. Talent reicht nicht, Franco Sottopietra muss täglich trainieren. Er liest Bücher und täglich viele E-Mail-Newsletter, verfügt über eine lange Liste mit Wikipedia-Artikeln, die es durchzuackern gilt, und sein Kalender listet jeden Tag 15 Berühmtheiten auf, die Geburtstag feiern. Er fährt fort: „Sehr hilfreich sind Karteikarten. Ich mache mir 100er-Blöcke mit Dingen, die ich mir nicht gleich merke, und lerne sie.“ Darum weiß Franco Sottopietra auch, was „Gomutra“ oder „Gaumutra“ ist: Kuhurin.