Ein Bericht über erstaunliche Erfahrungen rund um den Tod

Vorarlberg / 30.10.2019 • 09:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Manchmal setzen sich unsere Verstorbenen mit uns in Verbindung. In der Forschung wird dieses Phänomen als Nachtodkontakt bezeichnet. Evelyn Elsaesser (kleines Bild) forscht zu diesem Thema. Symbolfoto VN/Paulitsch

Es kommt gar nicht so selten vor, dass Verstorbene sich mit ihren Bezugspersonen in Verbindung setzen. Die Forschung spricht von Nachtodkontakten.

Schwarzach Siebzig Jahre gingen Egon und Hildegard (Namen geändert) gemeinsam durchs Leben. Kurz vor der Gnadenhochzeit starb Egon 92-jährig. Ein paar Tage nach seinem Tod hatte seine trauernde Witwe in den Nachtstunden eine Begegnung der besonderen Art. „Ich wollte auf die Toilette gehen. Da sah ich am Fenster eine schattenhafte Gestalt, die mit einem Mantel bekleidet und von einem hellen Schein umgeben war. Mir war sofort klar: ,Das ist Egon, mein verstorbener Mann.‘ Ich wollte zu ihm und ging auf ihn zu. Da verschwand er plötzlich.“ Ein Jahr später erlebte die Hinterbliebene abermals etwas Außergewöhnliches. „Ein extrem lauter Knall schreckte mich aus dem Schlaf. Ich merkte sofort, dass ich nicht mehr allein im Zimmer war, dass Egon da war. Ich fühlte, dass er im Zimmer herumging. Es war unheimlich. Ich fürchtete mich. Am liebsten hätte ich mich unter der Decke versteckt.“ Dieses Erlebnis war für die 93-Jährige so eindrücklich, „dass ich es nie vergessen werde“.

Ein universelles Phänomen

Was Hildegard erlebte, bezeichnet die Forschung als einen spontanen Nachtodkontakt (NTK). Ein solcher tritt auf, wenn ein Trauernder eine verstorbene Person unerwartet durch Sehen, Hören, Riechen oder Berühren wahrnimmt. „Nachtodkontakte sind ein universelles Phänomen. Sie treten häufig auf, schätzungsweise haben 30 bis 40 Prozent der Trauernden einen oder mehrere erlebt. 50 Prozent der Nachtodkontakte ereignen sich im ersten Jahr nach dem Ableben, mit einer starken Konzentration auf die ersten sieben Tage nach dem  Todesfall“, informiert Evelyn Elsaesser. Die 65-jährige Schweizerin widmet sich seit zehn Jahren der Erforschung von Nachtodkontakten und Sterbebettvisionen. Aktuell leitet sie ein Projekt, das die Erscheinungsform und die Auswirkungen von Nachtodkontakten untersucht. Im Oktober präsentierte sie bei einer Tagung in Bregenz, die sich mit den Themen Nahtoderfahrungen, Sterbebettvisionen und Nachtodkontakten auseinandersetzte, erste Forschungsergebnisse.

Die Forschung zeigt, dass die Kontakte in den meisten Fällen auftreten, wenn der Empfänger ruhig ist, nicht an den Verstorbenen denkt und seinen Alltagsbeschäftigungen nachgeht. Die Kontakte sind normalerweise von kurzer Dauer (zwischen ein paar Sekunden und ein paar Minuten) und die Inhalte der Botschaften, die als äußere oder innere Stimme wahrgenommen werden, erstaunlich einheitlich: mir geht es gut, mach dir um mich keine Sorgen, sei nicht traurig, lebe dein Leben, ich werde immer an deiner Seite sein. Die Forschung zeigt außerdem, dass kein Persönlichkeitsprofil der Empfänger definiert werden kann, das einzig gemeinsame Merkmal ist die Tatsache, dass die Empfänger um eine verstorbene Bezugsperson trauern. „Auch Religion spielt keine Rolle. Gläubige, Agnostiker und Atheisten erleben Nachtodkontakte im selben Ausmaß“, so Elsaesser.

„Diese Erfahrung beglückt und bewegt die meisten, unverändert geht daraus keiner hervor.“

Evelyn Elsaesser, Forscherin

Laut der Forscherin ist die emotionale Kraft der Erfahrung  so stark, dass die Empfänger im Allgemeinen nicht an ihrer Wirklichkeit zweifeln. „Diese Erfahrung beglückt und bewegt die meisten, unverändert geht daraus keiner hervor.“ Viele Hinterbliebene würden in der Folge ihr Glaubenssystem ändern. „Dass Verstorbene sich offenbaren und sich mit ihren Bezugspersonen in Verbindung setzen, kann den Glauben an das Überleben des Bewusstseins nach dem körperlichen Tod erwecken oder verstärken.“ Wissenschaftlich belegbar sei ein Leben nach dem Tod jedoch nicht. „Aber Nachtodkontakte sind Indizien dafür, dass das Bewusstsein den körperlichen Tod überlebt.“

Sterbebettvisionen nehmen die Angst vor dem Tod

Manche Sterbende machen kurz vor ihrem Tod – ein bis zwei Tage vor ihrem Ableben – ganz spezielle Erfahrungen. Sie nehmen verstorbene Bezugspersonen wahr. „Sogenannte Sterbebettvisionen können einmal oder mehrmals auftreten und dauern oft nur wenige Minuten“, berichtet Evelyn Elsaesser (65), die seit zehn Jahren zu diesem Thema forscht. Viele Sterbende hätten solche Erscheinungen, behauptet die Forscherin. „Das Pflegepersonal sagt, dass es sehr häufig vorkommt und dass die Patienten nicht an der Wirklichkeit der Erscheinungen zweifeln. Diese seien vielmehr unwiderruflich überzeugt davon, dass die verstorbenen Bezugspersonen ihnen erscheinen, um sie an der Schwelle des Todes zu empfangen und in die ,andere Welt‘ zu führen.“ Laut Elsaesser ziehen solche Visionen bei Sterbenden spektakuläre Veränderungen nach sich. „Die Angst vor dem Tod vergeht sofort. Abgeklärtheit stellt sich ein. Jetzt wissen sie, dass sie nicht allein sterben werden und dass sie jemand erwartet, den sie kennen oder geliebt haben.“

Die Forscherin weiß, dass sich viele fragen, ob Visionen Halluzinationen sind oder außersinnliche Wahrnehmungen einer Realität, die den fünf Sinnen nicht zugänglich ist. Elsaesser dazu: „Die Forschung zeigt eindeutig, dass sich Visionen deutlich von Halluzinationen durch ihre Bedeutung und Wirkung unterscheiden. Die Erscheinungen scheinen ein Ziel zu verfolgen und beglücken und beruhigen die Kranken, während Halluzinationen bedeutungslos und erschreckend sind. Sterbebetterscheinungen personifizieren einen Verwandten oder Partner des Patienten, was im starken Gegensatz steht zu Halluzinationen, die mehrheitlich Unbekannte oder bizarre Geschöpfe inszenieren.“

Buchtipp:

„Nachtod Kontakte“ von Evelyn Elsaesser, Verlag Crotona, 300 Seiten.