Chemiker in der Causa Häusle am Wort

Vorarlberg / 05.11.2019 • 08:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Umwelttoxikologe Mario Lener: „Risikopotenzial der Deponie eher gering.“ ECKERT

Toxikologe schilderte Schwierigkeiten bei der „Ursachenforschung“.

Christiane Eckert

Feldkirch Am Montag startete der zweite Durchgang der Causa Häusle. Am Wort war Mario Lener, Toxikologe und Fachmann auf dem Gebiet „Bodenprobenanalysen“. Er wurde bereits 2016 beim ersten Fund beigezogen und erinnert sich: „Erst war es eine Stelle, dann kamen im Wochenrhythmus neue dazu. Zum Schluss ein Sammelsurium von 500 Schürfstellen, zehn Bereiche und ein Tsunami an Analytik.“ Das Risikopotenzial der Deponie stuft er als eher gering ein. Am problematischsten sieht er in der Gruppe der Hartstoffe Batterien und kleine, ungeöffnete Fläschchen. Darin seien teilweise undefinierbare Substanzen, manchmal Medikamente, manchmal Schnaps.

Schein trügt

Lener nahm auch auf die von einem Spaziergänger gesichteten Plastikteilchen Bezug: „Kunststoff verrottet oft jahrhundertelang nicht, aber für mich als Chemiker gibt er wenig her.“ Das bedeute, dass Durchschnittsbürger einen plastikdurchsetzten Erdhaufen als problematisch sehen, von der Umweltgefährdung her allerdings eine geringe Gefahr darstelle. Bei verbranntem Plastikmüll sähe es anders aus, weil sich Kunststoff dadurch oft stark verändert. Lener kann Bodenproben analysieren und in Bestandteile zerlegen. „Wenn ich sagen soll, woher die Verunreinigungen kommen, kann ich allerdings auch nur raten“, räumt der Experte ein. Natürlich weiß er, woher derartige Veränderungen üblicherweise kommen, doch im konkreten Fall nachweisen kann man es nicht.

„Wenn seitens der Firma Häusle argumentiert wird, dass sie kein ölkontaminiertes Kanalräumgut angenommen hat, weil dies von Spezialfirmen entsorgt wurde, muss man ein anderes Szenario überlegen, woher die Verunreinigungen stammen könnten“, so der Gutachter. Da der betreffende Boden eine gute Konservierungswirkung hat, lässt sich unter Umständen nicht festmachen, ob ein Stoff vor zwei Tagen oder vor 20 Jahren vergraben wurde, was eine zeitliche Zuordnung unmöglich macht. EC