Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Etwas fehlt

Vorarlberg / 05.11.2019 • 18:16 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

„Der Huber ist auch nicht mehr da.“ Suchend irrt der Blick über die Reihen, aber das Grab wurde wohl aufgelassen. Wer selten über den Bregenzer Friedhof geht, erschrickt. So viele eingeebnete Gräber heutzutage. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Erdbestattungen aus Platznot verweigert wurden. Und jetzt? „Kleine Friedhöfe kämpfen ums Überleben“, stand in der Zeitung. Wird gern erzählt. Löst Heiterkeit aus. Und einen schalen Nachgeschmack.

Natürlich, Gräber sind teuer. Man kann der Verstorbenen auch anders gedenken, gewiss. Und erzählen sie nicht oft auf entlarvende Weise von Titelsucht und Standesdünkel, wenn hier eine „Oberstensgattin“ und dort ein Kommerzienrat in Marmor gemeißelt wurden?

Und doch… Erfahrene Reisende besuchen in einer fremden Stadt immer auch den Friedhof. Sie schauen sich an, wie ein Volk seine Toten ehrt. Nun ist die moderne Gesellschaft mobil. Selten endet ein Leben dort, wo es begann. Wer soll sich also kümmern? Auch deshalb liegen viele Felder öde und leer. Etwas fehlt. Aber es ist niemand da, es zu beklagen.

Thomas Matt

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