Gerold Riedmann

Kommentar

Gerold Riedmann

Chefsache

Vorarlberg / 11.11.2019 • 06:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Ihnen blieb gewiss auch nicht verborgen, dass Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) und Grünen-Chef Johannes Rauch weder vor oder nach der Rauch-Abstimmung in Ludesch groß in die Diskussion eingestiegen sind? Ein Stellvertreterkonflikt war das: für die Kommentierung wurden Wirtschaftslandesrat Marco Tittler und die Grüne Nationalrätin Nina Tomaselli ausgeschickt. Klare Rollenverteilung, wenig überraschend: ÖVP pro Wirtschaft, die Grünen pro Grünzone. Doppelter Boden inklusive: Die Grünen unterstützen und initiieren auf Gemeindeebene Initiativen gegen die ÖVP, auf oberster Ebene wird stolz koaliert.

Optionen hat das in Ludesch abgeblitzte Getränkeunternehmen Rauch jetzt mehrere. In Vorarlberg bislang nicht öffentlich thematisiert wurde, dass derzeit ein neuer Standort im amerikanischen Arizona entsteht. Neben den bisherigen Red Bull/Rauch/Ball-Fabriken im Walgau und Widnau wird in der 250.000-­Einwohner-Stadt Glendale in den USA an einer weiteren 6,5-Hektar-Abfüllanlage gearbeitet, die bald in Betrieb gehen wird.

Einzelfälle, so wie der Wirtschaftslandesrat das darstellt, sind die Fälle Ölz und Rauch freilich nicht. Was in Weiler begann, in Ludesch weiterging, wird auch bei der Kies-Abstimmung in Altach seine Fortsetzung finden. Die unklare Definition, wo die Industrie wachsen darf und wie unantastbar die Vorhaltefläche Landesgrünzone wirklich ist, muss ohne Zweifel ab sofort Chefsache sein. Es geht um viel: für Wirtschaft, Umwelt – vor allem aber für die Menschen in Vorarlberg, die sich zu Recht eine funktionierende Umwelt, aber auch Arbeitsplätze und Wohlstand erwarten.